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Erdbebengebiet im Osten der Türkei: Tausende müssen im Freien campieren

Die Rettungsmannschaften haben auch in der zweiten Nacht nach dem Erdbeben in der Osttürkei nach Überlebenden gesucht - ergebnislos. Knapp 370 Leichen wurden bislang geborgen, tausende Menschen sind obdachlos. Der Rote Halbmond beginnt mit dem Aufbau von Zeltstädten.

Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben im Osten der Türkei haben Rettungsmannschaften ihre Suche nach Opfern am Dienstag fortgesetzt. Auch in der Nacht sei versucht worden, aus den Trümmern eingestürzter Häuser mögliche Überlebende und Tote zu bergen, berichteten türkische Medien. Die Katastrophenschützer arbeiteten in der am stärksten zerstörten Stadt Ercis im Licht von Scheinwerfern, ohne jedoch nach Mitternacht noch Überlebende zu finden. Inzwischen sind nach Regierungsangaben mehr als 2300 Rettungskräfte in der Provinz im Einsatz. Helfer haben inzwischen die Leichen von 366 Menschen geborgen. Etwa 1300 Menschen seien bei der Katastrophe in der Provinz Van verletzt worden, sagte Vize-Regierungschef Bülent Arinc.

Der türkische Rote Halbmond will die Situation der Menschen nach dem Erdbeben im Osten der Türkei mit insgesamt mehr als 11.000 Zelten verbessern. Bisher habe die Hilfsorganisation 452 Zeltlager aufgebaut, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Bei Einbruch der Dunkelheit waren in der am stärksten betroffenen Stadt Ercis und den Vororten weiter mehrere tausend Menschen an Lagerfeuern ohne weiteren Schutz. Rettungskräfte zogen am Montag weitere Menschen aus den Trümmern eingestürzter Gebäude und brachten sie in Krankenhäuser. Der Innenminister Idris Naim Sahin sagte, die am Sonntag von der Istanbuler Erdbebenwarte Kandilli befürchtete Zahl von 1000 Toten werde nicht erreicht. Das Beben vom Sonntag hatte eine Stärke von 7,2.

Protest der Obdachlosen

Die türkische Regierung schickte mehr als 1200 Helfer in die Provinz Van. Mehrere Verschüttete wurden lebend aus den Trümmern gezogen. Bei den Rettungsarbeiten wurde auch schweres Räumgerät eingesetzt. Die schwersten Zerstörungen gab es in Ercis. Der Krisenstab der Regierung erklärte, im Erdbebengebiet seien mehr als 2000 Gebäude zerstört worden.

Aus dem ganzen Land wurden Ärzte und Helfer in die Region gebracht, um die Verletzten zu versorgen. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan versprach in der Nacht zum Montag in der Provinzhauptstadt Van einen verstärkten Hilfseinsatz der Armee. "Wir werden keinen Bürger in der Kälte lassen." Am Montag protestierten nach Einbruch der Dunkelheit mehrere Familien in Ercis, weil sie keine Zelte bekommen hatten. In der Region waren am Abend noch immer Tausende Menschen ohne Zelte, sagten Augenzeugen.

Aserbaidschan, Bulgarien und der Iran schickten Hilfe in die Türkei, obwohl Ankara erklärt hat, mit der Lage selbst fertig zu werden. Die Regierung akzeptierte aber die Hilfsangebote, weil sie bereits am Vortag auf den Weg gebracht worden waren. Auch aus Deutschland starteten am Montag Helfer. Die Hilfsorganisation Humedica schickte ein medizinisches Ersteinsatzteam los. "Für die Menschen, die jetzt noch unter den Trümmern liegen, schwinden natürlich die Überlebenschancen Stunde für Stunde", sagte eine Sprecherin, bevor ein Charterflug mit Team und Ausrüstung in Memmingen abhob.

swd/DPA / DPA