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Erlegter Braunbär: Bruno vor Wiederauferstehung

Für die einen war er der "Problembär", für die anderen "JJ Guevara": Inzwischen befindet sich der 2006 abgeschossene Bär in der letzten Phase seiner Wiederauferstehung: Ein Präparator formt einen neuen Körper für sein Fell, damit Bruno bald ins Museum ziehen kann.

Er war der Held des Sommers 2006: Wochenlang tappte "Bruno" durch Bayern, ließ sich nicht fangen - und wurde einer der berühmtesten Bären der Welt. Über seinen Abschuss berichteten internationale Medien. Mehr als eineinhalb Jahr später bekommt "Bruno" nun seine letzte Heimat im Münchner Museum "Mensch und Natur" in Schloss Nymphenburg. Dort steht schon sein letzter frei lebender bayerischer Artgenosse, der 1835 in Ruhpolding erlegt wurde. "Bruno", aus dem italienischen Trentino eingewandert, war im Sommer 2006 der erste Bär in Freiheit, der nach 171 Jahren wieder seine Tatzen auf deutschen Boden setzte.

Derzeit wird "Brunos" neuer Körper vorbereitet. "Unser Präparator ist bei der Arbeit - ich denke, dass wir Mitte Januar ein fertiges Präparat haben", sagt Museumsleiter Michael Apel. Für das Publikum werde der Bär aber nicht vor März 2008 zu sehen sein, denn er soll in eine erläuternde Ausstellung eingebunden werden.

"Man soll nicht nur ein totes Tier vor sich haben"

Die "heiße Phase" der Präparation läuft, das Modellieren und Abformen des Körpers mit einem Kunststoff. Dabei gehe es etwa um eine natürliche Haltung, aber auch darum, ob der Besucher "mit dem Tier in irgendeiner Form in Kommunikation treten" könne. "Man soll nicht nur ein totes Tier vor sich haben, sondern das Gefühl haben, er könnte sich gleich bewegen", sagt Apel. "Das ist eine bildhauerische Arbeit." Das fertige Modell wird dann mit dem Original-Fell bezogen.

Um sich mit Bewegungabläufen und Muskelspiel des lebenden Tieres auseinanderzusetzen, ist Präparator Dieter Schön immer wieder Gast im Tierpark. "Dann stehe ich auch mal eineinhalb Stunden vor dem Bärengehege." Dabei hat Schön, der zeitweise in Kanada lebte, viel Erfahrung: Dutzende Bären hat er präpariert, einige auch für hiesige Ausstellungen, etwa im österreichischen Linz und in Graz.

Braune Augen aus Glas

Ende Oktober war Schön "Bruno" ans Fell gegangen, hatte die Haut gegerbt und eingefroren, damit sie bis zum Aufziehen auf das Plastikmodell etwas Feuchtigkeit hält. Dass "Bruno" ausgestopft werde, sei eigentlich nicht richtig, betont Apel. "Da entsteht der Eindruck, es wäre ein Sack und es würde so viel reingestopft, bis er voll ist, aber da hätte man eine Wurst mit vier Füßen dran."

Auf der Basis eines halben Dutzend kleiner Modelle wurde die endgültige Haltung "Brunos" festgelegt. Wie sie genau aussieht, will Apel aber noch nicht verraten. "Er wird nicht auf zwei Beinen stehen und den Besucher mit ausgestreckten Tatzen erschrecken, und er wird auch nicht zusammengerollt im Winterschlaf zu sehen sein." Falls er das Maul ein wenig offen haben soll, muss das Gebiss abgegossen werden, um die Zähne naturgetreu zu zeigen. "Brunos" braune Augen werden aus Glas nachgebildet.

Der Bär starb am 26. Juni 2006

Monatelang war über die Zukunft von "Brunos" Pelz spekuliert worden, zeitweise verlangte sein Heimatland Italien die Auslieferung. Bayerns Ex-Umweltminister Werner Schnappauf brachte den Fall nicht mehr zum Abschluss, nach seinem Rückzug aus der Politik musste sein Nachfolger Otmar Bernhard (beide CSU) entscheiden. Für die Ausstellung waren zeitweise auch die Zoologische Staatssammlung und das "Bauernhof- und Wintersportmuseum Schliersee" von Ex-Skistar Markus Wasmeier im Gespräch gewesen. "Ich hätte ihn gerne gehabt, aber das lässt sich nicht ändern", sagt Wasmeier und ergänzt mit Blick auf die baldige Ausstellung: "Ich werde ihn jedenfalls besuchen."

In der Nähe von Wasmeiers Museum, im Rotwandgebiet, war "Bruno" am 26. Juni 2006 erschossen worden. Der Braunbär mit dem offiziellen Namen "JJ1" - Erstgeborener von Mutter Jurka und Vater José - hatte mit seinen Eskapaden alle Sympathien auf sich gezogen. Immer wieder entwischte er Schnappaufs aus Finnland eingeflogenen Bärenjägern. Im Internet wurden Wetten auf ihn abgeschlossen und Solidaritäts-T- Shirts mit Aufdrucken wie "JJ Guevara" oder "Mich kriegt ihr nie" angeboten. Schnappauf klagte am Ende seiner Ministerzeit, sein Name werde nur mit dem Bären und mit Gammelfleisch in Verbindung gebracht.

Zum ersten Jahrestag der Erschießung erschien in der "Süddeutschen Zeitung" eine halbseitige Traueranzeige, Tierfreunde beklagten darin den Bären als "Opfer von politischer Unfähigkeit und Arroganz". Apel sagt nun, er rechne damit, dass es auch im Museum "die eine oder andere emotionale Reaktion" geben wird - bis hin zur "Blumenniederlegung vor der Vitrine". Die Gäste sollen ein eigenes Forum bekommen, in der Ausstellung will er eine "rationale Behandlung des Themas" erreichen. Ein Besucher habe schon per Fax angekündigt, nicht mehr ins Museum zu kommen, wenn "Bruno" ausgestellt ist.

Sabine Dobel/DPA / DPA