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Ermittlungen "Rechtsextremes Trio": "24 Aktenordner, aber keine Ahnung"

Wie konnte es einer rechtsextremen Bande gelingen, anscheinend unbehelligt Morde in Deutschland zu begehen? Im Fall des Trios aus Zwickau kommt vor allem der Verfassungsschutz in Erklärungsnot.

Nach dem Bekanntwerden der möglicherweise rechtsterroristischen Mordserie geraten die Sicherheitsbehörden in die Kritik. Der Vorsitzende des für die Kontrolle der Geheimdienste zuständigen Bundestagsgremiums, Thomas Oppermann, erklärte am Samstag, er sei schockiert, dass es einer rechtsextremen Bande gelinge, über zehn Jahre hinweg unbehelligt Morde in Deutschland zu begehen. Es müsse gefragt werden, was bei der Aufklärung schief gelaufen sei. Die mutmaßlichen Täter hätten schließlich schon in den 90-er Jahren unter Beobachtung des Verfassungsschutzes gestanden. "Der Thüringer Verfassungsschutz hatte 24 Aktenordner, aber keine Ahnung", kritisierte der SPD-Politiker. Der Fall müsse ein Weckruf sein, Rechtsextremismus endlich entschieden zu bekämpfen.

Auch der Unions-Innenexperte Hans-Peter Uhl sieht eine mögliche Verwicklung des Inlandsgeheimdienstes. Möglicherweise habe der Geheimdienst mehr über die Hintergründe der Taten gewusst, als bisher bekannt sei. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich aus all dem noch ein Verfassungsschutz-Problem ergibt", sagte der CSU-Politiker der "Mitteldeutschen Zeitung".

Der Chef des Thüringer Verfassungsschutzes, Thomas Sippel, sagte dem Magazin "Focus", er habe bei seinem Amtsantritt prüfen lassen, ob die drei mutmaßlichen Terroristen als Informanten des Verfassungsschutzes gearbeitet hätten. Darauf hätten sich keine Hinweise ergeben, gleichwohl seien letzte Zweifel nicht beseitigt worden. Als "ungewöhnlich aber denkbar" bezeichnete er es, dass sein Vorgänger Quellen "auf eigene Rechnung" unterhalten habe.

Trio hatte offenbar Unterstützer

Der "Focus" berichtet weiter, dass das verdächtige Trio einen Unterstützer hatte. Demnach hatte ein 37-Jähriger aus Niedersachsen den Verdächtigen vor Jahren gegen Geld, die Rede ist von 20.000 Euro, seinen Personalausweis überlassen. Damit soll das Wohnmobil gemietet worden sein, in dem sich zwei Männer am 4. November bei Eisenach laut Polizei erschossen, nachdem sie zuvor eine Bank ausgeraubt hatten. Die beiden Männer werden mit den Morden in Verbindung gebracht.

Mit dem Ausweis des Helfers aus Lauenau bei Hannover sollen die Tatverdächtigen schon im Jahr 2007 ein Wohnmobil gemietet haben. Damit waren sie unterwegs, als sie in Heilbronn eine 22-jährige Polizistin erschossen haben sollen. Nach der Bluttat sollen sie mit dem Fahrzeug in eine Straßensperre geraten sein, sie wurden aber durchgelassen.

Der 37-Jährige soll wie die Verdächtigen in Jena geboren und zumindest zeitweise Kontakte in die rechtsradikale Szene gehabt haben. Laut "Focus" wurde er kurz nach dem Fund der beiden Leichen von der Polizei in Gewahrsam genommen und über Tage verhört. Für die Überlassung seines Ausweises, den er nicht als gestohlen meldete, soll er mindestens 20.000 Euro kassiert haben. Die Bundesanwaltschaft gab dagegen an, dass ihr derzeit keine "zureichende Anhaltspunkte" für weitere konkrete Tatverdächtige vorlägen.

"Nationalsozialistischer Untergrund"

Hinter dem Heilbronner Polizistenmord und den sogenannten Döner-Morden an acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer in ganz Deutschland steckt anscheinend dieselbe Gruppe rechtsextremer Täter. Hinweise auf den Zusammenhang zwischen den Fällen fanden die Ermittler in einem abgebrannten Haus im sächsischen Zwickau, in dem die mutmaßlichen Bankräuber und ihre Komplizin Beate Z. jahrelang unerkannt gelebt hatten. Die 36-Jährige, die sich später der Polizei stellte, soll in dem Versteck das Feuer gelegt haben, um Beweise zu vernichten.

Die Dienstwaffe der Heilbronner Polizistin wurde vor einer Woche in dem Wohnmobil bei Eisenach entdeckt. In der zerstörten Wohnung des Trios fanden Ermittler die Pistole, mit der die Döner-Morde verübt worden waren. Zudem entdeckten sie rechtsextreme Propaganda-Videos, die sich auf eine Gruppe mit dem Namen "Nationalsozialistischer Untergrund" beziehen und auf die Döner-Morde hinweisen.

Nach den bisherigen Erkenntnissen hatten die Männer und Beate Z. in den 1990er-Jahren Verbindungen zum rechtsextremen "Thüringer Heimatschutz". 1998 verschwand das Trio dann aber aus dem Blick der Verfassungsschützer.

be/Reuters/DPA / DPA / Reuters