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Ernennung zum Kardinal Zwei Bayern für Rom


Höchste Würden für zwei deutsche Katholiken: Der Papst will den Münchner Erzbischof Marx und der Bamberger Diözesanpriester Brandmüller zu Kardinälen ernennnen. Ministerpräsident Seehofer zeigt sich von der Wahl entzückt.

Papst Benedikt XVI. verjüngt sein Kardinalskollegium und berücksichtigt dabei auch den Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Marx gehört zu den 24 Geistlichen, denen im November feierlich die Kardinalswürde verliehen wird, wie der Heilige Vater am Mittwoch in seiner Generalaudienz mitteilte. Marx, der der jüngste der aktuellen Kardinäle sein wird, bezeichnete seine Ernennung als Ansporn und Herausforderung.

Die Ernennung neuer Kardinäle war seit längerem erwartet worden, weil sich die Zahl der bei einer Papstwahl wahlberechtigten unter 80-jährigen Kardinäle bald auf 101 verringert. Üblich sind mindestens 120 Wahlberechtigte. Von den 24 neuen Kardinälen sind 20 wahlberechtigt. Der 57-jährige Marx löst mit seiner Ernennung den Ungarn Peter Erdö als jüngstes Mitglied des Kollegiums ab. Unter den vier aus Altersgründen nicht wahlberechtigten neuen Kardinälen ist der aus Bayern stammende 81-jährige Kirchenhistoriker Walter Brandmüller, der jahrelang Chefhistoriker des Vatikan war.

Ernennung war erwartet worden

Bei seiner Generalaudienz vor 22.000 Gläubigen auf dem Petersplatz sagte der Papst, die Auswahl der neuen Kardinäle spiegele die Universalität der Kirche wieder. Marx erklärte in München, seine Berufung sei "eine große Ehre" sowie "Ansporn und eine Herausforderung". Dabei erwähnte er auch den Missbrauchskandal, der die katholische Kirche in Deutschland erschüttert hat: "Gerade in dieser Zeit Kardinal zu sein, ist aber auch eine große Herausforderung." Außerdem betonte er seine besondere Verbundenheit mit dem Papst. Die Treue zum Heiligen Vater gehöre zur Substanz des katholischen Glaubens. "Ein Kardinal hat das in besonderer Weise zu leben und zu bezeugen."

Die Ernennung von Marx war auch erwartet worden, weil seit 1914 jeder Erzbischof von München und Freising zum Kardinal ernannt wurde. Allerdings ist es ungewöhnlich, wenn aus einem Erzbistum zwei Kardinäle kommen - dies ist nun der Fall, weil auch Marx' Vorgänger Friedrich Wetter Kardinal ist.

Seehofer begrüßt Entscheidung

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erklärte, der Papst würdige mit der Ernennung in besonderer Weise das Wirken von Marx. Dieser habe von Anfang an auch in der Bischofskonferenz ein gewichtiges Wort mitgeredet und manche Weichen gestellt. "Dein Fachwissen, Deine Beiträge in der Vollversammlung und Deine Impulse sind für unsere Arbeit unverzichtbar", erklärte Zollitsch. Brandmüllers Ernennung würdige wiederum dessen "vielfältiges und herausragendes Wirken für die Geschichtswissenschaft".

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer erklärte, er freue sich, dass das Kardinalskollegium "noch einmal ein Stück bayerischer geworden ist". Dies sei ein "Tag der Freude, der Ehre und des Stolzes für ganz Bayern". Deutschland hat nun acht Kardinäle, von denen Karl Lehmann, Walter Kasper, Paul Josef Cordes, Georg Sterzinsky, Joachim Meisner und Marx im Fall einer Papstwahl derzeit wahlberechtigt wären. Aus Altersgründen nicht wahlberechtigt sind Wetter und Brandmüller.

Zwar wird die Liste der neuen Kardinäle vom europäischen Klerus dominiert, es sind aber auch Würdenträger aus Brasilien, der Demokratischen Republik Kongo, Equador, Ägypten oder Sambia darunter. Die Kardinalswürde wird ihnen bei einem sogenannten Konsistorium im Vatikan am 20. und 21. November verliehen.

AFP/DPA DPA

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