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Wie in den Niederlanden: Dürfen deutsche Fahrlehrer Unterricht gegen Sex anbieten?

Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist in den Niederlanden legal. Dort dürfen sich Fahrlehrer den Unterricht mit Sex bezahlen lassen - sofern der Schüler volljährig ist. Wäre eine solche Praxis auch in Deutschland denkbar?

Fahrlehrer gibt Schülerin Autoschlüssel

Fahrunterricht gegen Sex ist in Deutschland nicht erlaubt (Symbolbild)

Fragwürdige, aber legale Praxis: In den Niederlanden dürfen Fahrschulen Fahrstunden im Austausch gegen Sex anbieten. Wie Justizminister Ard van Steur und Transportministerin Melanie Schulz van Haegen über eine Sprecherin mitteilten, erfülle dies nicht den Tatbestand der Prostitution. Ihre Begründung: Die Fahrlehrer böten schließlich keinen Sex gegen Bezahlung, sondern Fahrstunden an - ein legales Tauschgeschäft also.

Einige Voraussetzungen müssen dennoch gegeben sein. Demnach muss die Initiative für das unmoralische Angebot vom Fahrlehrer ausgehen. Zudem muss der Schüler volljährig sein. Andernfalls wäre eine solche Absprache auch nach niederländischem Recht eine Straftat, hieß es. Gleichzeitig stellten die Minister in ihrer Stellungnahme klar, dass sie die Praxis ablehnten und diese nicht verbreitet sei.

Sittenwidrig und damit vermutlich strafbar

Unterricht gegen Sex  - ist das auch in Deutschland möglich? Laut Bodo Meier, Rechtsanwalt der Hamburger Kanzlei Becker & Partner, wäre ein solches Tauschgeschäft hierzulande illegal. "In Deutschland dürfen Sexleistungen als eine Form der Bezahlung nicht angenommen werden", sagte er dem stern. Gleiches gelte für die Bewerbung eines Angebots mit sexuellen Gegenleistungen. Das in den Niederlanden praktizierte Vorgehen würde in Deutschland vermutlich den "Tatbestand der Sittenwidrigkeit erfüllen und strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen".

Auch Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender der Berufsvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V (BVF), hält die niederländische Praxis in Deutschland für nicht möglich. "Natürlich kann man nicht ausschließen, dass derartige Absprachen getroffen und praktiziert werden. Das ließe sich ja auch gar nicht kontrollieren", erklärte von Bressensdorf im Gespräch. Dennoch könne er sich nicht vorstellen, dass dies öfters oder gar regelmäßig passiere. "Mir sind aus Deutschland jedenfalls keine Fälle bekannt." Seiner Meinung nach sind solche Übereinkünfte allein aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses zwischen Ausbilder und Zögling "absolut abzulehnen".  

Die nun in den Niederlanden bekanntgewordenen Fälle hält er zudem für medial aufgebauscht. "Ich war zehn Jahre lang Vorsitzender des europäischen Dachverbands der Fahrlehrerverbände. In dieser Zeit ist mir nicht ein einziger Fall dieser Art zu Ohren gekommen."

"Eine Fahrt für eine Nummer"

Ein Abwandern von Fahrschülern in die Niederlande, gerade aus dem benachbarten NRW, schließt von Bressensdorf aus. "Auch das wäre illegal, weil man den Führerschein nur da machen darf, wo man den Hauptwohnsitz angemeldet hat, sagte der BVF-Vorsitzende.

Losgetreten hatte die Diskussion niederländischen Medienberichten zufolge ein Abgeordneter der christlichen Partei ChristenUnie. Dem Politiker waren bereits im vergangenen Jahr Annoncen von Fahrschulen aufgefallen, in denen mit dem Spruch "Ritje voor een Rietje" (frei übersetzt: "Eine Fahrt für eine Nummer") für den Unterricht gegen Sex geworben wurde. Er bat die Regierung daraufhin mittels parlamentarischer Anfrage um Auskunft  zu ihrer Haltung.

mod