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Familie Obama: Pack die Schwiegermutter ein

Michelle und Barack Obama bekommen familiäre Unterstützung: Die Schwiegermutter des künftigen US-Präsidenten zieht mit ins Weiße Haus. Marian Robinson will sich dort um ihre beiden Enkelinnen kümmern - und den Eltern Kontra geben.

Von Ulrike von Bülow, New York

Als Harry Truman zum 33. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, zog er nicht nur mit seiner Gattin ins Weiße Haus, sondern auch mit deren Frau Mama. Diese muss ein ziemlicher Besen gewesen sein, denn kaum, da Schwiegermutter Truman sich in Washington D.C. nieder gelassen hatte, tat sie erst einmal kund, sie kenne "Dutzende von Männern, die besser geeignet" seien für das Oval Office als Harry Truman. Vielleicht war das ein abschreckendes Beispiel, jedenfalls war Mr. Truman bisher der einzige US-Präsident, der seine Schwiegermutter im Weißen Haus beherbergte. Demnächst aber wird Barack Obama mit seiner Familie in die Pennsylvania Avenue 1600 ziehen - und wie nun bekannt wurde, wird auch Marian Robinson, 71, dort wohnen, die Mutter von Michelle Obama.

Es ist auszuschließen, dass Barack Obama mit seiner Schwiegermutter ähnliches auszustehen hat wie einst Harry Truman: Das Verhältnis zwischen Mr. Obama und Mrs. Robinson wird gern als "eng und vertraut" beschrieben. Auch wenn Marian Robinson den Obamas hin und wieder Kontra gibt, was die Erziehung ihrer Töchter Malia, 10, und Sasha, 7, angeht: Die müssen nämlich um 20.30 Uhr ins Bett, was Mrs. Robinson für "lächerlich" hält, wie sie dem "Boston Globe" im vergangenen Jahr erzählte. Auch dürfen die Mädchen nur eine Stunde am Tag fernsehen, was ihre Großmutter "zu wenig Zeit" findet. Und die Biokost, die es bei den Obamas gibt, damit Malia und Sasha sich gesund ernähren, "die ist nicht mein Ding", sagt Marian Robinson: "Wenn man Appetit hat auf ein frittiertes Hühnchen, dann sollte man auch ein frittiertes Hühnchen essen."

Vermutlich durften Malia und Sasha in den vergangenen zwei Jahren ziemlich viele frittierte Hühnchen essen, denn es war ja ihre Oma, die sich um die beiden kümmerte, wenn Barack und Michelle Obama on the road waren, unterwegs im Wahlkampf. Als ihr Schwiegersohn sich entschied, für das Amt des US-Präsidenten zu kandidieren, war Marian Robinson zunächst dagegen: Sie fürchtete sich um seine Sicherheit. Dann aber wurde sie seine größte Unterstützerin und kündigte ihren Job als Sekretärin bei einer Bank in Chicago, um für die Mädchen da zu sein. Mrs. Robinson brachte Malia und Sasha zur Schule, zur Klavierstunde oder zum Tanzunterricht, "sie hat uns in dieser Zeit unglaublich geholfen", sagte Barack Obama kürzlich in einem TV-Interview. "Wir hoffen, dass sie mit uns kommt nach Washington. Aber sie hat ihr Zuhause und sie mag es nicht, wenn viel Alarm um sie gemacht wird. Und im Weißen Haus wird es natürlich viel Alarm geben", sagte er noch.

Marian Robinson hat nie woanders gelebt als in Chicago, dort, wo sie Michelle Obama aufzog und deren Bruder Craig Robinson. Sie habe lange gezögert, was ihren möglichen Umzug angeht, heißt es - sie habe ihre Heimat nicht verlassen wollen. Dass sie nun mitgeht nach Washington D.C., das tut sie ihren Enkelkindern zuliebe - in den ersten Monaten, in denen Malia und Sasha sich an ihre neue Umgebung gewöhnen müssen, "werde ich für sie da sein", sagt Marian Robinson. "Und dann schauen wir mal."