FDP und Grüne zweifeln an Mixas Unschuld Bischof verlangt Gewaltlosigkeit von allen Priestern


Der wegen Misshandlungsvorwürfen unter Druck stehende Augsburger Bischof Walter Mixa hat absolute Gewaltlosigkeit von allen Priestern verlangt. Er selbst habe sich immer daran gehalten und habe "ein reines Herz". Vertreter von FDP und Grünen melden Zweifel an der Unschuld des Bischofs.

Der wegen Misshandlungsvorwürfen unter Druck stehende Augsburger Bischof Walter Mixa hat absolute Gewaltlosigkeit von allen Priestern verlangt. "Ein Priester muss gewaltlos sein. Ich habe mich daran immer gehalten. Deshalb habe ich zu den Vorwürfen, die aktuell gegen mich erhoben werden, ein reines Herz", sagte Mixa der "Bild am Sonntag". Sechs frühere Zöglinge eines Kinderheims in Schrobenhausen werfen Mixa in eidesstattlichen Erklärungen vor, in seiner Zeit als Stadtpfarrer gewalttätig geworden zu sein.

Vertreter von FDP und Grünen haben Zweifel an den Aussagen des Augsburger Bischofs Walter Mixa angemeldet, wonach die Misshandlungs-Vorwürfe früherer Heimkinder gegen ihn unberechtigt seien. Der Kirchen-Experte der FDP-Bundestagsfraktion, Stefan Ruppert, legte dem Bischof im "Berliner Tagesspiegel" (Sonntagsausgabe) den Rücktritt nahe: "Herr Mixa muss sich fragen lassen, ob er sich wirklich richtig erinnert, und ob das Vertrauen in seine Person noch gegeben ist."

Auch die Augsburger FDP-Bundestagsabgeordnete Miriam Gruß warnte das Bistum Augsburg davor, die Vorwürfe beiseite zu schieben. "Wenn eidesstattliche Versicherungen vorliegen, stellt man sich die Frage, ob Bischof Mixa seine Vergangenheit womöglich verdrängt hat", sagte sie dem "Tagesspiegel". Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Priska Hinz, erklärte, es seien "große Zweifel an Mixas Darstellung angebracht". Hinz appellierte an die katholische Kirche, eine unabhängige Untersuchung im Bistum Augsburg einzuleiten. Dies sei "dringend geboten". Sollten sich die Vorwürfe erhärten, müsse Mixa sein Amt ruhen lassen.

Erneut wies Mixa alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe entschieden zurück: "Die erhobenen Vorwürfe erschüttern mich, weil ich zu keiner Zeit körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in irgendeiner Form angewandt habe. Gewalt zwischen Menschen lehne ich grundsätzlich ab. Ich bin als Mensch und als Christ fest überzeugt, dass jeder Mensch so behandelt werden muss, wie man selbst behandelt werden möchte", erklärte er.

Fälle körperlicher Gewalt im Kinderheim Schrobenhausen seien ihm unbekannt. "Ich kann mich nicht erinnern, als Stadtpfarrer von Prügel oder Schlägen im Kinderheim jemals gehört zu haben. Das Kinderheim steht als öffentliche Stiftung ja unter der Aufsicht der Regierung von Oberbayern, deren Akten nach Auskunft der Regierung auch keine Beschwerden enthalten."

Die Antwort auf die Frage, ob körperliche Gewalt ein Erziehungsmittel sei, sei für ihn "ein klares Nein". Er habe auch keinerlei Verständnis dafür, wenn einem Erzieher mal die Hand ausrutsche, erklärte Mixa. "Dann hat er nach heutiger Erkenntnis einen erzieherischen Fehler begangen. Uns werden junge Menschen anvertraut. Wir müssen ethische Werte mit Behutsamkeit vermitteln, nicht mit Angst."

Auf die Frage, warum sich Menschen gegen einen hohen kirchlichen Würdenträger wie ihn wenden sollten, antwortete Mixa: "Ich kann mir das auch nicht recht erklären. Man muss jedoch berücksichtigen, dass die Frauen und Männer, die einen Teil ihrer Kindheit im St. Josefsheim verbracht haben, sicherlich in ihrem Leben insgesamt schlimme Erfahrungen gemacht haben oder sich oft von anderen zurückgesetzt fühlten." Der Bischof erneuerte sein Gesprächsangebot: Er wolle gern erfahren, was sie in ihrer Kindheit belastet habe.

Die Personen, die behaupten, Opfer von Gewalt geworden zu sein, kennt Mixa nach eigenen Angaben nicht. "Nur zwei der insgesamt sechs Männer und Frauen, die entsprechende Vorwürfe erheben, sind ja überhaupt mit Namen bekannt", sagte er.

Mixa selbst wurde nach eigenen Angaben in seiner Kindheit nie geschlagen. "Meine Eltern haben mich immer sehr nobel erzogen. Ich kann mich nicht erinnern, von meinem Vater oder meiner Mutter jemals geschlagen oder nur geohrfeigt worden zu sein."

APN, AFP

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