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Festnahmen in London: Papst lässt sich von Terroralarm nicht beirren

Schock während des Papstbesuchs: Die britische Polizei hat sechs Männer festgenommen, die ein Attentat auf das Oberhaupt der katholischen Kirche vorbereitet haben sollen. Benedikt XVI. sieht deshalb aber keinen Grund, seine Reise durch Großbritannien abzubrechen.

Unbeeindruckt von einem Terroralarm in London hat Papst Benedikt XVI. am Freitag das Programm seines Staatsbesuchs in Großbritannien absolviert. Während der Papst zum anglikanischen Erzbischof von Canterbury unterwegs war, vernahm Scotland Yard fünf Straßenkehrer. Eine Spezialeinheit hatte sie im Morgengrauen beim Schichtwechsel unter Terrorverdacht festgenommen. Später inhaftierte die Polizei auch noch einen 29-Jährigen in seiner Wohnung.

In der Nacht seien Informationen über ein mögliches Komplott gegen das Oberhaupt der katholischen Kirche bekannt geworden, woraufhin die Behörden aktiv geworden seien, hieß es.

Einige der Männer im Alter zwischen 26 und 50 Jahren kommen aus Algerien, teilte die Londoner Polizei mit. Ob ein Attentat konkret gegen den Papst gerichtet gewesen war, bestätigte sie aber nicht. Es wurden weder Waffen noch Sprengstoff gefunden. Bei der Festnahme am frühen Morgen fiel auch kein Schuss. Die Polizei untersuchte vorsichtshalber die Wegstrecke des Papstes in der Innenstadt von London nach verdächtigen Gegenständen.

Keine Änderung des Zeitplans

Die Sicherheitsplanungen für den Besuch des katholischen Kirchenoberhaupts seien überprüft und "für ausreichend" befunden worden, hieß es in der Mitteilung von Scotland Yard. "Der Zeitplan wurde nicht geändert."

Der Papst sei unterrichtet, aber nicht beunruhigt gewesen, teilte der Vatikan mit. "Wir haben volles Vertrauen in die Polizei, es ist nicht notwendig, das Programm zu verändern", erklärte Sprecher Federico Lombardi. "Der Papst ist glücklich über diese Reise und gelassen." Die Lage erscheine nicht besonders gefährlich. Weit gravierender sei es 1997 bei einem Attentatsversuch auf Johannes Paul II. in Sarajevo gewesen. Damals wurden Anti-Panzer-Minen unter einer Brücke gefunden.

Dialog mit anderen Religionsführern

Benedikt XVI. hatte sich zu Beginn des zweiten Tages seines Besuchs in Großbritannien für einen gelebten und offenen Dialog der Religionen in gegenseitigem Respekt eingesetzt. "Die Katholiken in Großbritannien und auf der ganzen Welt werden sich weiter dafür einsetzen, Brücken der Freundschaft zu anderen Religionen zu bauen sowie Fehler und Wunden der Vergangenheit zu heilen", sagte er in London vor führenden Vertretern anderer Religionen.

"Sobald ein solcher Respekt und eine solche Offenheit bestehen, werden die Menschen aller Religionen gemeinsam wirksam für den Frieden und das gegenseitige Verständnis arbeiten und so vor der Welt ein erstrebenswertes Zeugnis geben", fügte das Kirchenoberhaupt an.

Vor dem Treffen mit den anderen Religionsführern kam Benedikt zunächst auf das Problem des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche zurück. Bei einem Treffen mit katholischen Lehrern und Ordensleuten sprach er die Aufgabe an, "dafür zu sorgen, dass unsere Schulen eine sichere Umgebung für unsere Kinder und Jugendlichen bieten". Die Verantwortung gegenüber denen, die den Schulen für eine christliche Erziehung anvertraut worden seien, verlange nichts weniger.

swd/mre/AFP/DPA / DPA