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Betonklotz Berliner Stadtschloss: Nackt und gar nicht sexy: Dieses Schloss braucht niemand!

Schlimm genug, diese Schloss-Kopie in Berlin. Nun fehlt auch noch Geld für die Barockfassaden. Wir werden womöglich jahrelang mit öden Betonwänden leben müssen.

Ein Kommentar von Anja Lösel

Alles nur Fassade: Die Finanzierung der Barock-Hülle des Berliner Stadtschlosses bleibt unklar - und das Schloss ein grauer Betonklotz

Alles nur Fassade: Die Finanzierung der Barock-Hülle des Berliner Stadtschlosses bleibt unklar - und das Schloss ein grauer Betonklotz

Wer die Straße Unter den Linden hinunterbummelt, vom Brandenburger Tor bis zum Dom und zur Museumsinsel, der findet sich unversehens vor einem monströsen Ungetüm wieder, einem fiesen, grauen Klotz, 192 Meter lang und 25 Meter hoch. Ratlos, verwirrt, entsetzt gucken Berliner und Touristen auf die Baustelle: Dieser Betonklotz soll das wieder aufgebaute Schloss sein, das sogenannte Humboldt Forum? So hatten sie sich das nicht vorgestellt.

Sollte da nicht ein Barockgebäude errichtet werden? Mit einer Sandsteinfassade, auf der Löwenköpfe und Adlerflügel prangen und Säulenkapitelle mit verschlungenen Blattornamenten das Auge erfreuen? Kommt noch, heißt es. Nur Geduld. Das wird schon. Dumm bloß: Das Geld für die Fassade lässt auf sich warten. Nächstes Jahr ist Richtfest, danach könnte man loslegen mit dem Ausschmücken. Aber da müsste erst noch ein Wunder geschehen.

Was alles schiefgehen kann, wenn man im 21. Jahrhundert unbedingt ein barockes Prunkgebäude errichten will, aber gar nicht so recht weiß, wie das gehen soll und was darin gezeigt werden könnte, das ist in Berlin gerade sehr gut zu studieren.

Kosten? Finanzierung? Inhalt? Alles ungewiss

Heute ist kaum noch nachvollziehbar, warum sich alle von Wilhelm von Boddien einlullen ließen, einem bankrotten Landmaschinen-Hersteller aus Hamburg, der außer seinem Adelstitel und seinen vorbildlichen Manieren nicht viel vorzuweisen hatte. 1993 zeigte er den Berlinern mit Fake-Fassaden aus Stoff, wie ein neues Schloss am alten Platz aussehen könnte. Schön, fanden alle. Dass da noch der DDR-Palast der Republik stand - egal, kann doch weg. Boddien begann, Spenden zu sammeln und Klinken zu putzen bei Politikern, Konzernchefs und Berlin-verrückten Amerikanern.

Zwanzig Jahre später würden viele den Schloss-Rohbau gern platt machen wie einstmals den Palast der Republik. Aber nun ist es zu spät, wir müssen mit dem Monster leben.

Die Finanzierung der Fassade? Ungewiss. Von 80 benötigten Millionen Euro, die Boddien einzutreiben versprach, sind grade mal 27 da, dazu zehn Millionen sogenannte Sachspenden. Boddien, inzwischen 72 Jahre alt, rödelt immer noch fleißig für seinen Lebenstraum. Aber inzwischen gibt es viele Zweifler. Die Finanzierung des gesamten Schlosses? Schwierig, vor allem seit der neue Berliner Bürgermeister Michael Müller mit dem Gedanken spielt, aus dem Projekt auszusteigen. 592 Millionen Euro soll das Ganze kosten (vor fünf Jahren waren es noch 472 Millionen). Dabei fallen 478 Millionen auf den Bund und 32 Millionen aufs Land Berlin. Die heiß ersehnte Kuppel würde noch mal 28,5 Millionen extra kosten, im Augenblick illusorisch. Dass es bei diesen Summen bleibt, mag ohnehin kaum jemand glauben.

Der Inhalt? Ein bisschen von allem: Afrika- und Asien-Sammlungen, Zentralbibliothek und Humboldt-Universität, Multikulti und "Schaufenster der Bundesrepublik". So ganz genau weiß das noch keiner, obwohl der Schweizer Ausstellungsmacher Martin Heller seit Jahren versucht, Licht ins Dunkel zu bringen.

So soll es aussehen: das Berliner Stadtschloss mit seiner Barockfassade. Woher das Geld dafür kommen soll, ist ungewiss

So soll es aussehen: das Berliner Stadtschloss mit seiner Barockfassade. Woher das Geld dafür kommen soll, ist ungewiss

Augen zu und durch - auf dass der Bund es retten möge?

Mal ganz ehrlich: Wir brauchen dieses Schloss nicht, wir haben es nie gebraucht. Schon als der Bundestag 2002 mit einer Dreiviertelmehrheit entschied, den DDR-Palast der Republik abzureißen, um eine Kopie des Stadtschlosses ins Herz von Berlin zu klotzen, hätte man Einspruch einlegen müssen. Haben auch viele getan, allen voran der streitbare Architekt Philipp Oswalt. Hat nur leider nichts genutzt.

Heute sind 65 Prozent der Deutschen gegen das Schloss, sie halten den Wiederaufbau für verschwenderisch und sinnlos, den Bundestagsbeschluss für einen Riesenfehler. Aber jetzt ist es zu spät, der Rohbau ist fertig. Nun hilft nur noch: Augen zu und durch. Wir können uns schon mal einstellen auf weitgehend nackte Betonfassaden und einen schmucklosen Klotz direkt gegenüber dem Weltkulturerbe Museumsinsel. Womöglich jahrelang, wenn nicht noch in letzter Minute der supergroßzügige Wunder-Spender auftaucht.

Oder, und das ist der letzte Ausweg, wenn der Bund zuschießt, was fehlt. Davon will die Bauherrin, die vom Bund getragene "Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum" allerdings nichts wissen. Immerhin gibt man dort zu, dass es bereits eine "haushalterische Vorgabe" im Etat des Bauministeriums gebe. Soll aber nicht so publik werden, weil dann der Spendenfluss stoppen könnte. Faktisch übernimmt der Bund also schon jetzt eine Art Bürgschaft für die Fassaden.

Träume von Investoren, Alpträume von Kosten

Und wenn Spendeneintreiber Wilhelm von Boddien versagt und das Geld niemals zusammen bekommt? "Dazu sagen wir nichts", heißt es aus der Stiftung. Am Ende könnten die Millionen für die Fassade, die Wilhelm von Boddien zu sammeln versprach, stillschweigend auf den Steuerzahler abgeschoben werden. Ein Skandal.

Es könnte sogar noch bitterer kommen. Die Schätzung der Fassadenkosten stammt nämlich aus den Anfängen des Projektes. Seitdem stieg die Mehrwertsteuer auf 19 Prozent, die Baupreise zogen massiv an. Heute dürfte die Schlossfassade also mehr als 100 Millionen Euro kosten. Gibt aber keiner zu. Was tun? Für eine Demo "Stoppt das Schloss" ist es zu spät. Bleibt nur: durchhalten und weitermachen. Und hoffen, dass nicht die Horror-Vision des Berliner Architekten Arno Brandlhuber wahr wird. Er (alp-)träumte von 1,5 Milliarden Euro Baukosten. Und von einem chinesischen Investor als "Retter", der aus dem Humboldt Forum die Shopping Mall "Palast des Luxus" macht. Reich und supersexy.

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.