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Integration dringend notwendig Mehrheit der Deutschen hat keine Erfahrungen mit Flüchtlingen - jeder Zehnte hilft


Mehr als die Hälfte der Deutschen hat nie Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht. Jene, die regelmäßig mit Flüchtlingen in Kontakt kommen, schildern hauptsächlich Positives. Jeder zehnte hilft ihnen sogar ehrenamtlich.

Die Mehrheit der Deutschen (52 Prozent) hat laut einer Umfrage bisher keine eigenen Erfahrungen mit den Flüchtlingen im Land gemacht. Das berichtet "Welt online" unter Berufung auf eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Bei denjenigen Befragten, die bereits Kontakt zu Flüchtlingen hatten, überwogen die guten Eindrücke. 

Jeder zehnte Bürger in Deutschland (10,9 Prozent) war oder ist sogar selbst ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe aktiv, heißt es in der Studie. Damit sei das Engagement größer als in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen. Im Bereich Sport und körperliche Bewegung liege der Anteil der Ehrenamtlichen bei 10,1 Prozent.

Zu den Tätigkeitsbereichen der Ehrenamtlichen gehören laut der Studie des EKD etwa die Hilfe bei der Ausgabe von Kleidung und Essen, die Unterstützung eines Flüchtlingsheims in der Nähe oder die Begleitung bei Behördengängen. Auch die Aufnahme von Flüchtlingen in den eigenen vier Wänden zählt dazu - allerdings liegt der Anteil nur bei einem Prozent. Auch die Spendenbereitschaft ist recht groß. Mehr als ein Drittel der Befragten (37 Prozent) erklärte, Sachspenden geleistet zu haben. Geld spendeten demnach 17 Prozent.

Rechtsextremismus ist die größte Sorge der Deutschen

Die größte Sorge der Deutschen im Zusammenhang mit der großen Zahl an Flüchtlingen ist der Rechtsextremismus. Dass dieser wachsen wird, glauben der Umfrage zufolge 85 Prozent der Befragten. 77 Prozent befürchten Schwierigkeiten bei der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung. 70 Prozent denken, es komme demnächst zu staatlichen Einsparungen in anderen Bereichen. Die kompletten Ergebnisse der Studie will die EKD am Dienstag veröffentlichen. Für die Erhebung waren zwischen 28. Oktober und 11. November gut 2000 Bürger befragt worden - auch nach ihren Sorgen angesichts der Flüchtlingskrise. 85 Prozent befürchteten demnach, dass "der Rechtsextremismus wachsen wird". 77 Prozent erwarteten Probleme bei der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung. 70 Prozent dachten, es komme demnächst zu staatlichen Einsparungen in anderen Bereichen.

Jeweils gut 70 Prozent meinten, es sei richtig, dass sich die Kirche für die Aufnahme von Flüchtlingen einsetze und mehr Berater finanziere, Gebäude für die Unterbringung bereitstelle und die Verständigung mit den nicht-christlichen Religionen vorantreibe. Andererseits stimmten 70 Prozent der Aussage zu, die evangelische Kirche solle "sich vor allem um die einheimischen Christen kümmern".

"2016 muss zum Jahr der Integration der Flüchtlinge werden"

"Die Studie zeigt, dass 2016 zum Jahr der Integration werden muss", sagte der Präsident des Diakonie-Bundesverbands, Ulrich Lilie, der "Welt". Es gebe ein großes Engagement, eine noch größere Bereitschaft zu weiterer Hilfe sowie ein enormes Ethos, dass Deutschland Flüchtlingen helfen müsse. "Jetzt müssen wir die Voraussetzungen für das Gelingen von Engagement und Ethos schaffen", forderte Lilie.

Er mahnte zudem, damit die Deutschen weiter offen für Flüchtlinge blieben, müssten sie den Eindruck gewinnen, "dass ihre eigenen sozialen Rechte nicht beeinträchtigt werden". Bislang wisse er aber von keinem einzigen Fall, bei dem ein Deutscher einen sozialen Rechtsanspruch wegen der Flüchtlinge verloren habe. "Das muss so bleiben", forderte Lilie. Zudem würden ein umfangreicher sozialer Wohnungsbau sowie umfangreiche Investitionen in Kitas und Schulen gebraucht, "damit Deutsche nicht befürchten müssen, für sie würden die Angebote schlechter".

jen DPA AFP

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