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Unbegleitete Flüchtlinge: Wie der siebenjährige Reza alleine aus Afghanistan nach Passau kam

Zu Fuß in den Iran, mit dem Schlauchboot über die Ägäis, dann nach Deutschland. Die "New York Times" hat in Passau den siebenjährigen Reza getroffen - der auf dem Balkan seine Eltern verlor und alleine nach Deutschland kam.

Flüchtlingskinder in Passau

Kurz vor Passau: erleichterte Flüchtlingskinder an der österreichisch-deutschen Grenze

Der vierjährige Mohamed starb irgendwann im Oktober, irgendwo in der Nähe vom Berlin. Gefunden wurde er im Kofferraum von Silvio S. Wagen - dem mutmaßlichen Entführer und Mörder des Flüchtlingsjungen Mohamed. Knapp die Hälfte aller Asylsuchenden, die sich auf den Weg nach Europa machen, sind Kinder - in amtlichen Zahlen: rund 150.000. Mohamed war einer von ihnen, und obwohl er nicht alleine Deutschland erreichte, konnten ihn seine Eltern nicht schützen. Wie muss es dann Minderjährigen ergehen, die unbegleitet wochen- manchmal monatelang die Abertausenden von Kilometern um die halbe Welt zurücklegen?

Die "New York Times" hat in Passau, einer der wichtigsten Zugänge nach Deutschland, Reza Mohammadi getroffen – ein Siebenjähriger aus Afghanistan, der seine Eltern irgendwo auf der Balkanroute verloren und sich zu Fuß nach Bayern durchgeschlagen hat.

Es war eine regnerische Nacht an der mazedonisch-serbischen Grenze, als der Junge plötzlich merkte, dass seine Familie - die Eltern und zwei Schwestern - nicht mehr hinter ihm waren. Reza setzte sich auf einen Baumstumpf und wartete. Dann fragte ihn ein Mann, was er da mache und erzählte, dass die Polizei zahlreiche Familien festgenommen habe. Er nahm den Kleinen an die Hand und beide rannten davon. So erzählt es Reza der US-Zeitung und er berichtet davon, wie ihm sein Geld gestohlen wurde, das ihm seine Mutter für Notfälle zugesteckt hat, wie er sah, dass Polizisten Jagd auf andere Kinder machten und wie er seine Eltern wiederfand. Sie sind im Iran.

Reza spricht schon fast fließend Deutsch

Knapp ein Jahr ist Reza nun in Deutschland. Seine Flucht führte ihn und seine Familie über den Iran in die Türkei. Dort bestiegen sie ein Schlauchboot Richtung Griechenland. Sie wurden von der Küstenwache gerettet und machten sich von dort aus auf nach Deutschland. Als er in Passau ankam, fragte er zunächst, ob dies Deutschland sei, und sagte, dass er seine Mutter anrufen wolle. Das war am 29. Dezember vergangenen Jahres. Seitdem lebt er in einer Unterkunft, die von katholischen Nonnen betrieben wird, Reza spricht beinahe fließend Deutsch.

2014 sind rund 28.000 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge in der Europäischen Union angekommen. 2015 werden es wohl 30.000 sein – allein in Deutschland. Zwei Dutzend psychologische Profile wurden von den jungen Menschen erstellt, die die "New York Times" nach eigenen Angaben einsehen konnte. Laut dieser Auswertung sind die meisten dieser Flüchtlinge Jungen zwischen 14 und 17 Jahren, die von ihren Familien losgeschickt wurden. Meistens solche, die zu arm sind, um die Flucht der ganzen Familie bezahlen zu können. Andere, wie Reza, haben ihre Eltern auf dem Weg verloren, wiederum sind davor geflohen, Kindersoldat oder Selbstmordattentäter werden zu müssen.

"Jetzt schon deutscher als mancher Deutscher"

Mädchen, die allein auf sich gestellt sind, gibt es kaum - was es für die Jungen so schwer macht, sich hier zurechtzufinden. Denn es gibt so viele von ihnen, so dass es immer schwieriger wird, sich angemessen um sie zu kümmern, zitiert die "New York Times" die Verantwortlichen vor Ort. Reza aber hat Glück: Er teilt sich sein Zimmer mit einem deutschen Jungen und geht zur Schule. Er sei ein guter Schüler, sagt sein Betreuer, dessen Name nicht genannt wird: Seine Buntstifte habe er in seinem Federmäppchen nach Farben geordnet – "jetzt schon deutscher als mancher Deutscher", scherzt der Betreuer. 

nik
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?