HOME

Nach Fall Mohamed: So ergeht es Kindern und Jugendlichen, die allein nach Europa kommen

Rund 30.000 Heranwachsende werden dieses Jahr nach Deutschland kommen. Allein, unbegleitet. Wie ergeht es Minderjährigen, die wochen- manchmal monatelang die Abertausende von Kilometern um die halbe Welt zurücklegen?

Flüchtlinge bei Lesbos

Junge Flüchtlinge, die bei Lesbos von der griechischen Küstenwache gerettet wurden

Sie haben gesehen, wie dem Vater der Kopf weggeschossen wurde. Sie waren dabei, als ihre Freunde ertranken. Sie wurden von Brüdern getrennt, von Fremden vergewaltigt, ausgeraubt und im Stich gelassen. Einige, wie der achtjährige Reza aus Afghanistan, haben ihren Weg nach Europa allein geschafft und leben hier wieder als ganz normale Kinder. Andere, wie der vierjährige Mohamed, konnte auch Deutschland keine Sicherheit bieten: Er wurde entführt, missbraucht und ermordet.

 Knapp die Hälfte aller Asylsuchenden, die sich auf den Weg nach Europa machen, sind Kinder, also rund 150.000. 30.000 von ihnen kommen ohne Begleitung hierher. Vergangenes Jahr war es gerade einmal ein Drittel so viel. Der überwiegende Teil dieser Flüchtlinge sind Jungen zwischen 14 und 17 Jahren. Sie wurden von ihren Familien losgeschickt, zumeist solche, die zu arm sind, um die Flucht der ganzen Familie bezahlen zu können. Andere haben ihre Eltern und Verwandte im Krieg verloren, einige fliehen, um nicht Kindersoldat oder Selbstmordattentäter werden zu müssen. Unbegleitete Mädchen, die gerade einmal zehn Prozent ausmachen, geben zudem an, einer Zwangsheirat entgehen zu wollen.


Erschütternde Geschichten

Die Zahlen sind die eine Sache. Die Geschichten dahinter eine ganz andere. Wie ergeht es Minderjährigen, die wochen- manchmal monatelang die Abertausende von Kilometern um die halbe Welt zurücklegen? Die "New York Times" hat in Passau, einer der wichtigsten Zugänge nach Deutschland, eine Reihe der jungen Flüchtlinge getroffen und mit ihnen gesprochen. Wie den kleinen Reza, der seine Eltern irgendwo auf der Balkanroute verloren und sich zu Fuß nach Bayern durchgeschlagen hat. Zudem hat das US-Blatt Einsicht in rund ein Dutzend psychologischer Profile von jungen Menschen genommen, die die Behörden von den Flüchtlingen erstellt hat.

  • Mohammed, 14 Jahre, auch er stammt aus Afghanistan. Sein Vater wurde von den Taliban erschossen, weil seine Mutter Lehrerin war. Sie war es, die darauf bestand, dass Mohammed und sein ein Jahr älterer Bruder das Land verlassen. Am schlimmsten sei die Strecke vom Iran und die Türkei gewesen, sagt der Teenager. Dort wurden die beiden von den Menschenschmugglern getrennt, angeblich, weil sie so bessere Chancen hätten nach Europa zu kommen. Erst fast zwei Wochen später haben sich die Geschwister in Istanbul wiedergesehen.
  • Zwei Brüder aus Afghanistan, die gerade einmal neun und zehn Jahre alt waren, erreichten barfuß und im T-Shirt das Passauer Erstaufnahmelager. Dem zuständigen Leiter sagten sie, sie seien auf dem Weg nach Schweden. Nach einer Nacht waren sie wieder weg.
  • Ein 15-Jähriger aus Syrien überlebte stundenlang im Mittelmeer, nachdem das Fluchtboot gekentert war. Er musste zusehen, wie zwei seiner Freunde ertranken.
  • Am schlimmsten aber trifft es Mädchen, die ohne Begleitung die beschwerliche Flucht antreten. Ein Frauenarzt konnte noch Wochen später mehrfache Vergewaltigung bei einer 15-jährigen Syrerin diagnostizieren. Fatima, 16, aus Somalia berichtet von einem sadistischen Missbrauch, der so traumatisch war, dass sie die Details in dem Gutachten über sie wegließ.

Neben diesen erschütternden Schicksalen hat die "New York Times" aber auch erstaunliche junge Menschen getroffen. Etwa den 16-jährigen Kurden Shahin, der vor nicht einmal zwei Monaten in Bayern ankam. Damals sprach er Drei Sprachen sowie etwas Englisch. Jetzt ist er bereits in der Lage einfache Gespräche auf Deutsch zu führen. Darüber hinaus ist er ein talentierter Schachspieler.

Nun aber müssen für ihn und die vielen anderen Kinder und Jugendlichen vernünftige Unterkünfte gefunden werden. Denn im Gegensatz zu erwachsenen Flüchtlingen, die in Erstaufnahmelager unterkommen, müssen sich Jugendämter, Pflegefamilien und Heime um sie bemühen - was deutlich aufwendiger ist. 

nik
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?