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Flüchtlinge in Deutschland Wie drei Menschen am Hamburger Bahnhof helfen

Normalerweise ist Ralf kaufmännischer Angestellter. Seit drei Tagen hat er einen zweiten Job. Der 51-Jährige unterstützt Flüchtlinge bei ihrer Ankunft am Hamburger Hauptbahnhof. Er wartet auf einen ICE aus München.


OT Ralf, Flüchtlingshelfer: „Wir wissen ja aber nicht, wo welche drin sind. Da oben steht auch nicht dran, wie lang die jetzt sind. Das heißt, wir müssen von ganz vorne bis ganz hinten wirklich abdecken.“


Zusammen mit Übersetzern hilft Ralf den Flüchtlingen sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.
 
OT Ralf: „Wenn man sieht wie die hier ankommen, die Kinder teilweise ohne Schuhe, nur mit Flip Flops, T-Shirt an und das bei dem Wetter draußen. Kann man sich vorstellen, da ist keiner glücklich mit. Und die Eltern sehen auch nicht besser aus, die sind teilweise tagelang unterwegs. Kein Schlaf, Essen nur bedingt“


Deshalb sind sie auf Spenden angewiesen. Ralf und die rund 100 anderen Flüchtlingshelfer wollen uns nur ihren Vornamen nennen. Alle arbeiten freiwillig hier – sind rechtlich nicht abgesichert. Sie wissen – für die meisten Flüchtlinge ist Hamburg nur eine Zwischenstation Richtung Norden. Und doch brauchen sie Essen, Trinken - und zumindest vorübergehend, eine Unterkunft. Um das möglich zu machen, arbeiten Kathia und Torben seit einer Woche fast rund um die Uhr. 


OT Kathia, Flüchtlingshelferin: "Tatsächlich gibt in anderen Städten die Situation dass die Flüchtlinge gar nicht oder von der Polizei in Empfang genommen werden und nie wissen, was sie erwartet. Und was wir machen, ist, auf den Gleisen gucken, wenn sie ankommen und unsere Hilfe anbieten, indem wir gucken was sie brauchen, und versuchen es zu geben. Und in dem Moment wo wir sagen, dass wir privat hier sind und nicht von der Stadt und uns einzeln um die kümmern...da merkt man dass diesen Leute viel abfällt und ein kurzer Ruhemoment kommt.“
 
Zusammen mit ihrem Freund versucht sie die vielen Helfer bestmöglich zu koordinieren. An Unterstützung mangelt es nicht.
 
OT Kathia: „Es war sehr schön, eine ältere Dame kam mit zehn Muffins vorbei. Und dann hat sie fünf Minuten die Situation wahrgenommen und dann relativ belanglos die zehn Muffins beiseite gestellt und dann angefangen hat Brötchen zu schmieren und fünf Stunden da war. Durchreisende, die einfach am nächsten Morgen weiterfahren und und die ganze Nacht durcharbeiten und mit leuchtenden Augen helfen.“
 
Angelika gehört seit vier Tagen zum Helfer-Stammteam. Die 65-jährige Krankenschwester ist heute für die Versorgung der Flüchtlinge zuständig.
 
OT Angelika: „Heute morgen war gerade dieser Bereich frei, deswegen hab ich hier angefangen. Und weil es nicht gut ist, wenn jeder an die Becher oder die Flaschen geht, mach ich das oder derjenige der hier steht.“
 
Derweil ist der ICE aus München bereits angekündigt.
 
OT Ralf: „Gestern waren Züge die waren komplett leer, ohne Flüchtlinge. Und dann kamen plötzlich Züge mit teilweise 300 Leute drin.“ 
 
In diesem Zug sind es schließlich nur eine Hand voll. Und die werden von Ralf und den anderen Helfern direkt in Empfang genommen. Gefilmt werden wollen sie nicht. Ralf, Angelika und Kathia. Drei Beispiele von unzählig vielen Bürgern, die ans Limit gehen, um die qualvolle Reise der Flüchtlinge wenigstens ein bisschen erträglicher zu machen.
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Sie sorgen für Essen, Kleidung und bieten Schutz. Engagierte Bürger arbeiten am Hamburger Hauptbahnhof oft rund um die Uhr, um die unzähligen Flüchtlinge zu betreuen und ihre Reise ein bisschen erträglicher zu machen.

 


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