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Umfrage in sieben Ländern Deutschland ist offener für Flüchtlinge als der Rest Europas - aber ...


Die Bürger der großen europäischen Staaten sind mehrheitlich weit weniger offen für Zuwanderer als die Deutschen. Das belegt eine französische Studie. Aber auch hierzulande schwingt die Stimmung gravierend um.

Die Deutschen sind bereitwilliger als die meisten anderen EU-Länder, wenn es darum geht, Migranten aufzunehmen. Dies belegt eine Umfrage des Pariser Ifop-Institutes, für die im September in sieben europäischen Ländern mindestens 1000 Leute befragt wurden. Aufgrund ihrer Wirtschaftskraft ist die Bevölkerung in Deutschland demnach weitaus zuversichtlicher als Spanier oder Franzosen. Sogar die Konservativen stehen Zuwanderern hierzulande offener gegenüber als in allen anderen Ländern - ein Effekt der Politik der Bundesregierung.

Dass sich aber auch in Deutschland in den letzten Wochen zunehmend ein Stimmungswandel vollzieht, lässt sich an einer zweiten Ifop-Umfragephase im Oktober ablesen. Gleichzeitig bestätigt der ARD-DeutschlandTrend: Der Anteil der Bürger, die Angst haben, dass zu viele Flüchtlinge ins Land kommen, stieg alleine von September bis Oktober um 13 Prozentpunkte. Gleichzeitig sank die Popularität von Kanzlerin Merkel auf den niedrigsten Wert seit 2011.

Die einzelnen Ergebnisse der Ifop-Erhebung im Überblick:

Sollen die Migranten auf die verschiedenen Länder verteilt werden? Soll Ihr Land auch einen Teil aufnehmen?

Die Lücke, die zwischen den politischen Lagern klafft, ist enorm: Wähler konservativer und rechter Parteien sind viel skeptischer als Wähler der Linken – in fast allen Ländern bedeutet das einen Unterschied von über 30 Prozent:

Wie viele Menschen kommen noch?

Dass die offenen Grenzen der Gegenwart auch weitere Flüchtlingswellen in der Zukunft nach sich ziehen werden, darüber herrscht bei den Bürgern der sieben befragten Länder eine erstaunliche Einigkeit. Ein Unwohlsein, dass sich auch in Deutschland ausbreitet: 74 Prozent der Deutschen teilen es im Oktober (gegenüber 69 Prozent im November).

Glauben Sie, dass Terroristen ins Land kommen?

Dass mit der wachsenden Zahl der Zuwanderer auch mehr potenzielle Terroristen ins Land geholt werden, befürchten ebenfalls immer mehr Deutsche (vier Prozent mehr gegenüber dem Vormonat). Unter Briten, Italienern oder Niederländern ist diese Ansicht ohnehin verbreitet:

Schaffen wir das?

Nur die Deutschen und die Dänen glauben: Wir schaffen das! Die anderen Länder fühlen sich ökonomisch zu schwach, um die massive Zuwanderung zu bewältigen.

Ist noch Platz?

Nur in Spanien und Deutschland sehen die Bürger noch Aufnahmekapazitäten, alle anderen halten die Grenze für erreicht oder überschritten. Aber auch immer mehr Deutsche glauben: Das Boot ist voll! Dieses Gefühl hatte im September noch jeder dritte Deutsche, inzwischen fast jeder Zweite (44 Prozent).

Wie lange geht es noch so weiter?

Ein beachtlicher Teil der Befragten rechnet damit, dass sich der Zustrom über zwei, drei oder mehr Jahre fortsetzen wird. Besonders illusionslos in dieser Frage: die Italiener. Abzuwarten bleibt, wie sich die zunehmend negative Stimmung in Deutschland in den nächsten Wochen entwickelt.

tim/gos

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