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Flüchtlingskrise: Emmas Hilferuf wirkt - aber was wird im Winter?

In der Notunterkunft am Hamburger Hauptbahnhof haben sich zuletzt deutlich mehr Freiwillige gemeldet, auch dank des Youtube-Videos von Flüchtlingshelferin Emma. Aber der Winter rückt näher - und mit ihm noch größere Herausforderungen.

Screenshot des Youtube-Videos der Hamburger Flüchtlingshelferin Emma

Hamburger Flüchtlingshelferin Emma: "Es hat genau so geklappt, wie ich mir das vorgestellt habe"

Der Hilferuf der Hamburger Flüchtlingshelferin Emma Louise Meyer hatte für Aufsehen im Netz gesorgt. In ihrem Youtube-Video erzählte die 23-Jährige von der Unterbesetzung in der Notunterkunft am Hauptbahnhof und der Überforderung der Freiwilligen. Auch sie selbst könne nicht mehr und brauche erstmal eine Pause.

Der eindringliche Aufruf zeigt Wirkung: Gleich am Tag nach Veröffentlichung des Videos meldeten sich über 100 neue Helfer am Hauptbahnhof der Hansestadt, also mindestens ein kurzfristiger Effekt.

"Es hat genau so geklappt, wie ich mir das vorgestellt habe", sagt Emma, wobei ihr der Rummel ein bisschen zu groß ist: "Ich wollte nicht, dass die Presse sich so sehr darauf stürzt, wie es jetzt passiert ist. Ich wollte eigentlich nur, dass Helfer kommen."

Aufruf einer Helferin


Der Winter bereitet allen große Sorgen

Ziel erreicht, zumindest für den Moment. Das Problem: "Wir haben oft so enthusiastische Helfer, die dann ein, zwei Mal da sind und dann nicht mehr kommen." Besonders im Winter werde zusätzliches Personal benötigt, die kalte Jahreszeit macht allen Beteiligten bereits große Sorgen - überall in Deutschland: Michael Gruber vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist im Inntal an der Grenze zu Österreich täglich im Einsatz, immer noch treffen dort täglich bis zu 2000 Flüchtlinge ein. Zu "Spiegel Online" sagte Gruber, es werde immer problematischer, genug Freiwillige zu finden. Bis Weihnachten, schätzt er, könne man im bisherigen Umfang helfen. Danach werde es kritisch.

Vor allem die Zeltunterkünfte werden angesichts sinkender Temperaturen zum Problem: "Wir fordern Bund, Länder und Gemeinden auf, angesichts sinkender Temperaturen für feste Wohnunterkünfte zu sorgen", sagte DRK-Sprecher Dieter Schütz zuletzt. "Wir halten Zeltunterkünfte nur für eine Notlösung. Die Gefahr besteht, dass sich die Flüchtlinge Krankheiten zuziehen."

"Ich habe Angst um die kleinen Kinder"

Eine Sorge, die auch Emma und die Helfer am Hamburger Hauptbahnhof plagt. "Es ist noch keine Epidemie ausgebrochen", sagt sie, "aber ich habe Angst um die kleinen Kinder." Es gebe Säuglinge, die auf der Flucht geboren wurden, denen es an allem fehlt. Besonders Kleidung und festes Schuhwerk für Säuglinge, Kleinkinder und alte Menschen wird immer gebraucht, trotz der großen Spendenbereitschaft der Deutschen. Obwohl die Versorgung eigentlich Aufgabe des Staates wäre, wird man im Winter weiter auf Spenden angewiesen sein.

Deutschland im Herbst 2015: Die euphorische Hilfsbereitschaft ist ein bisschen abgeebbt, aber die Herausforderungen werden in den nächsten Monaten nur größer. Die Helfer in den Notunterkünften sind sich einig: Jeder kann seinen Teil beitragen. Wirklich jeder: "Wer kaum Zeit hat, soll einfach kurz am Hauptbahnhof vorbeikommen", sagt Emma, "er soll uns fragen, was gerade gebraucht wird - und einkaufen gehen." Und zwar nicht nur am Hauptbahnhof in Hamburg, sondern überall in Deutschland, wie diese Übersicht zeigt.

Tim Sohr