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Youtube-Video: Der verzweifelte Aufruf einer Hamburger Flüchtlingshelferin

Die Hilfsbereitschaft der Deutschen in der Flüchtlingskrise nimmt weiter ab. Wie alarmierend die Zustände in den Unterkünften wirklich sind, davon zeugt der Aufruf einer Helferin vom Hamburger Hauptbahnhof.

Bitte helfen: Szene aus dem Youtube-Video der Hamburger Flüchtlingshelferin

Bitte helfen: Szene aus dem Youtube-Video der Hamburger Flüchtlingshelferin

Noch vor wenigen Wochen wollten alle helfen. So viele Freiwillige meldeten sich bei den Flüchtlingsunterkünften, dass viele von ihnen wieder weggeschickt werden mussten - es gab einfach nicht genug zu tun. Inzwischen hat sich die Situation dramatisch verschlechtert:  Wo vorher nicht selten mehrere hundert Helfer täglich mit anpackten, sind es zum Beispiel am Hauptbahnhof in Hamburg manchmal nur noch 30 bis 50 Freiwillige, die sich kümmern.

Eine Koordinatorin der Versorgung am Hamburger Hauptbahnhof hat sich jetzt mit einem Youtube-Video an die Öffentlichkeit gewendet: "Ich kann einfach nicht mehr", sagt die junge Frau, die sich als Emma vorstellt, "aber ich habe ein Problem: Wenn ich weg bin, ist die zweite Koordinatorin ganz allein. Wir brauchen dringend, dringend Hilfe. Wir sind viel zu wenig Leute."

Aufruf einer Helferin


"Wir brauchen eure Zeit!"

Die Spenden und die Anerkennung der Leute seien nicht genug Unterstützung: "Wir brauchen eure Zeit!", sagt Emma, denn: "Es nützt uns nichts, warme Kleidung zu haben, wenn keiner sie verteilen kann, und es nützt uns auch nichts, warmes Essen zu haben, wenn es kalt wird, weil keiner es ausgibt." Auch mangelt es an Koordinatoren, um die ankommenden Geflüchteten auf die vorhandenen Schlafplätze zu verteilen.

Aufgrund des Personalmangels gebe es Menschen, die 30, 40 Stunden am Stück arbeiten und eine Nachtschicht an die nächste reihen. Nachts und morgens seien es nur zwei Leute, die sich um 500 ankommende Flüchtlinge kümmern müssen. Es gebe tausend und eine Aufgabe zu erledigen.

"Die Kinder laufen barfuß, die sind abgemagert"

Außerdem warnt Emma vor dem bevorstehenden Winter. Sie erzählt von Säuglingen, die unterwegs auf der Flucht zur Welt gekommen sind und nichts zum Anziehen haben. "Die Kinder laufen barfuß, die sind abgemagert, die haben Angst. Die brauchen Menschen, die sie willkommen heißen. Die brauchen was zu essen. Die brauchen jemanden, der sie in den Arm nimmt."

Gegen das, was die Geflüchteten erlebt hätten, seien die Probleme der Helfer zwar immer noch ein "Zuckerschlecken", so Emma - trotzdem werde jede Hilfe dringend benötigt, damit sich auch die bereits aktiven Helfer zwischendurch ausruhen könnten. Es werden Broteschmierer, Dolmetscher (insbesondere für Menschen aus Eritrea und Somalia), Ärzte und Helfer "für überall" gesucht, und zwar dringend: "Kommt, packt an, bringt Sachen mit, bringt Energie mit", sagt Emma, und ergänzt mit Nachdruck: "Bringt positive Energie mit!"

tim