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Zweifel an Sicherheitskonzept: Im Drogenrausch: Warum konnte ein junger Mann den Flughafen Hannover lahmlegen?

Ein junger Mann durchbrach mit einem Auto ein Tor des Flughafens in Hannover und raste auf das Rollfeld. Erst Stunden später wird der Flugbetrieb wieder aufgenommen. Reicht das Sicherheitskonzept des Flughafens aus?

Flughafen Hannover

Die Polizei sperrte die Rollbahnen und Terminals des Flughafens Hannover ab

DPA

Nach dem Zwischenfall mit einem Eindringling am Flughafen Hannover ist noch unklar, ob und welche Konsequenzen für das Sicherheitskonzept gezogen werden. Flughafensprecher Sönke Jacobsen sagte am Samstagabend, nur wenige Stunden nach dem Vorfall sei es noch zu früh zu sagen, ob das Sicherheitskonzept überarbeitet werden müsse.

Am Samstagnachmittag hatte sich ein Mann Zugang zum Vorfeld des Flughafen in Hannover verschafft und war mit einem Auto auf das Gelände gefahren. Der Bundespolizei zufolge gab es keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Die Beamten gingen von einem Einzeltäter aus. Das Motiv sei völlig unklar. Der Fahrer habe unter dem Einfluss von Kokain und Amphetaminen gestanden. Alter und Nationalität des Mannes konnten zunächst nicht angegeben werden, weil dieser keinen Ausweis dabei hatte. Er selbst hatte angegeben, aus Polen zu stammen und 21 Jahre alt zu sein.

Der Fahrer leistete bei der Festnahme Widerstand

Aus Sicht der Bundespolizei griffen die Sicherheitsmechanismen optimal. Die Einsatzkräfte seien sofort eingeschritten. Dass eine Person auf das Vorfeld gelange, sei niemals komplett auszuschließen. Erst im Sommer hatte die Bundespolizei gemeinsam mit anderen Behörden und Partnern den Sicherheitsplan am Flughafen unterzeichnet. Dieser solle fortlaufend ergänzt und optimiert werden, hieß es.

Der Mann war durch ein zuvor verschlossenes Tor auf das Vorfeld gelangt, wie die Bundespolizei mitteilte. Dort hielt er unter einem mit 172 Fluggästen besetzten Airbus 320 der griechischen Airline Aegean. Beamte der Bundespolizei überwältigten den Fahrer in seinem Auto. Dabei habe dieser Widerstand geleistet, hieß es.

Bei einer Durchsuchung des Wagens gab es nach Angaben der Polizei keine Hinweise auf Sprengstoff. Weder im Wagen noch am Mann seien gefährliche Gegenstände gefunden worden. Die Beamten gingen von einem Einzeltäter aus. Gegen den Mann wurde ein Verfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet.

Konsequenzen fürs Sicherheitskonzept?

Etliche Passagiere harrten über Stunden am Flughafen aus, bis der Flugbetrieb gegen 20 Uhr wieder aufgenommen wurde. Landende Maschinen waren in anderen Städte umgeleitet worden. Eine aus München kommende Maschine wurde zum Flughafen Bremen umgeleitet, wie eine Pressesprecherin des Flughafens dort sagte.

Mehr Umleitungen nach Bremen habe es nicht gegeben, generell sei der Flugverkehr an den Tagen zwischen den Jahren schwach. In Hamburg landeten bis zum Abend drei Flugzeuge aus Palma, Teneriffa und Istanbul, die in Hannover hätten ankommen sollen, wie es von einer Pressesprecherin des Hamburger Airports hieß.

Der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg lobte die ergriffenen Maßnahmen der Bundespolizei. "Es ist vollkommen richtig, den Flugbetrieb zunächst einzustellen, damit keine Passagiere und Mitarbeiter in Mitleidenschaft gezogen werden können", sagte er. Dennoch stelle er sich die Frage, wie überhaupt jemand auf das Flughafengelände vordringen kann. "Wenn einer keinen Plan hat und trotzdem durchkommt, muss man fragen, was genau falsch gelaufen ist."

sos/Johanna Uchtmann / DPA