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Flughafen Heathrow: Italien sortiert britisches Koffer-Chaos

Letzte Lösung Mailand: Während hunderte Passagiere des Flughafens London-Heathrow ohne ihre Koffer dastehen, geht ihr Gepäck allein auf Reisen. Tausende Koffer sollen nach Italien gebracht werden - damit sie schneller wieder nach Hause kommen.

Von Angelika Dehmel

Das Gepäck-Chaos am neuen Flughafen-Terminal 5 in London-Heathrow nimmt ungeahnte Dimensionen an: Um die Kofferberge endlich abzubauen, sollen tausende Gepäckstücke nach Mailand gebracht werden, teilte der Chef der British Airways (BA), Willie Walsh, auf der Homepage der Fluglinie mit. Hier werden sie dann von italienischen Gepäcksortierern geordnet und dann wieder ihren Besitzern zugeführt. Die Koffer und Taschen waren seit der chaotischen Inbetriebnahme des Terminals 5 am 27. März liegengeblieben. Wie ein Sprecher der British Airways der BBC sagte, sei dies "ein branchenübliches Verfahren".

Das verneint Wolfgang Schwalm, stellvertretender Pressesprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport: Üblich sei so ein Verfahren keinesfalls, und "logistisch auch nicht sinnvoll", sagte er stern.de. In Deutschland habe es einen Gepäckstau in dieser Dimension aber auch noch nie gegeben. "Auf dem Frankfurter Flughafen wurde in den 70ern die erste vollautomatische Gepäcktransportanlage eingeweiht. Sie wurde seitdem ständig erweitert und funktioniert mit einer Zuverlässigkeit von über 99 Prozent", so Schwalm. Ein Vorfall in der Größenordnung Heathrow sei zuletzt in den 90ern auf dem Flughafen von Denver vorgekommen.

Der Imageschaden vom Flughafen Denver

Der Airport Denver International sorgte 1994 mit einem Hightech-Flop für Schlagzeilen: Das 193 Millionen Dollar teure Gepäckverteilungssystem stellte sich als ein Totalflop heraus. Die Koffer fielen dabei nicht nur von den computergesteuerten Transportwagen, sondern wurden zum Teil regelrecht zerfetzt. Denver International lag lahm und machte täglich eine Million Dollar Verlust. Der Vorfall zeigt durchaus Parallelen mit dem Desaster in Heathrow. Auch dort brach das Gepäcksystem zusammen, das eigentlich 12.000 Koffer in einer Stunde hatte verarbeiten sollen.

In London wurd zurzeit immer noch mit der Streichung von Flügen der British Airways am Terminal 5 gerechnet. Auf ihrer Homepage entschuldigt sich die Airline bei ihren Passagieren. Bis zum Donnerstag will die BA 92 Prozent ihrer Flüge von und nach Heathrow bewältigen. Trotz der gestrichenen oder verspäteten Flüge sind die Auswirkungen des Chaos auf deutsche Flughäfen nicht sehr hoch, wie Wolfgang Schwalm erklärt: "Wir haben pro Tag zwischen 1200 und 1400 Starts und Landungen, da sind die Beeinträchtigungen in Frankfurt durch die Heathrow-Flüge gering ."