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Flutkatastrophe in Pakistan: Hilfsorganisationen enttäuscht von deutschem Beitrag

Die Spendenbereitschaft für die Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan wächst nur langsam, bei der UN ist derzeit gerade einmal die Hälfte der benötigten 459 Millionen Dollar eingegangen. Das "Bündnis Entwicklung hilft" kritisiert die bisherige Soforthilfe der Bundesregierung scharf.

Eine Woche nach dem dramatischen Spendenaufruf der Uno für die Millionen Flutopfer in Pakistan reißt die Kritik an der zögerlichen Hilfsbereitschaft der internationalen Gemeinschaft nicht ab. Auch Deutschland kommt dabei nicht gut weg: "Die Erhöhung von 10 auf 15 Millionen Euro Soforthilfe vonseiten der Bundesregierung kommt spät und ist gemessen am Bedarf in der Katastrophenregion ein äußerst geringer und deshalb enttäuschender Betrag", sagte der Geschäftsführer vom "Bündnis Entwicklung Hilft", Peter Mucke, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". (NOZ). Immerhin hätten allerdings die privaten Spenden mittlerweile deutlich zugenommen.

Bislang ist bei den Vereinten Nationen knapp die Hälfte der benötigten Spenden zur ersten Versorgung der pakistanischen Flutopfer eingegangen. Die Spendenbereitschaft nehme langsam zu, zeigte sich UN-Sprecher Maurizio Giuliano vorsichtig optimistisch. Die UN hatten eine Soforthilfe in Höhe von 459 Millionen Dollar von der internationalen Gemeinschaft angefordert. Giuliano betonte erneut, dass die Herausforderungen massiv und die Überschwemmungen nicht vorüber seien. Die Größe des von der Katastrophe betroffenen Gebietes entspreche der Fläche von Österreich, der Schweiz und Belgien zusammen, sagte er und fügte hinzu: "Das ist ziemlich beängstigend."

Barroso fordert Geberkonferenz

Die EU hat vorgeschlagen, bei einer internationalen Geberkonferenz Hilfsgelder für den langfristigen Wiederaufbau Pakistans einzusammeln. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kündigte in einem Brief an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy auch "eine spürbare Erhöhung" der ersten Nothilfe von 40 Millionen Euro an. Zudem werde die EU in Kürze konkrete Vorschläge für "eine neue Politik der Krisenreaktion" vorschlagen. Die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa arbeite bereits an Vorschlägen. Bisher hatten die EU-Regierungen eine EU-Struktur für die Katastrophenhilfe abgelehnt.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), forderte in der "NOZ" eine internationale Geberkonferenz für Pakistan. Zudem unterstützte er Frankreichs Vorschlag einer Katastrophen-Eingreiftruppe der EU. Diese stockte am Mittwoch die Hilfe für Pakistan deutlich von 40 Millionen auf 70 Millionen Euro auf. Die Kommissarin für Humanitäre Hilfe, Kristalina Georgiewa, kündigte außerdem in Brüssel an, dass sie das Land kommenden Montag besuchen werde.

Das Verteidigungsministerium prüft, ob Transportflugzeuge vorübergehend aus Afghanistan abgezogen werden können, um bei der Verteilung von Hilfsgütern in Pakistan zu helfen. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums soll die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden für die Flutopfer vereinfacht werden. Der Beauftragte der Bundesregierung für Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt, Markus Löning, will am Donnerstag nach Pakistan reisen, um sich vor Ort ein Bild von der Katastrophe zu machen.

Erst 700.000 Flutopfer mit Lebensmitteln versorgt

Bislang konnten in den Hochwassergebieten erst etwa 700.000 Flutopfer mit Lebensmitteln und sauberem Wasser versorgt werden, wie die UN mitteilten. Mindestens sechs Millionen sind aber dringend auf Überlebenshilfe angewiesen. Insgesamt sind etwa 17 Millionen Pakistaner von dem Hochwasser betroffen. Allein 3,5 Millionen Kinder sind nach Angaben der UN von tödlichen Infektionskrankheiten bedroht, die von schmutzigem Wasser und Insekten übertragen werden

Eine leichte Verbesserung zeichnet sich unterdessen bei der Wetterlage ab. "Wir sehen derzeit kein neues Wettersystem entstehen, das schwere Regenfälle mit sich bringen könnte", sagte der Chef des pakistanischen Wetterdienstes. Am Oberlauf der Flüsse normalisiere sich die Lage, im Süden, in Sindh werde es bis dahin noch zehn Tage dauern.

"Bislang ist die Lage noch unter Kontrolle"

Viele Krankenstationen sind überfüllt mit Patienten. Eines der größten Probleme ist im Moment die sich schnell ausbreitende Krätze, eine durch Parasiten ausgelöste Hautkrankheit. Wegen des schmutzigen Wassers und der vielen Insekten drohen aber auch Durchfall, Cholera und schwere Atemwegserkrankungen.

"Bislang ist die Lage noch unter Kontrolle, es wird wegen der schlechten hygienischen Bedingungen aber immer komplizierter", sagte ein behandelnder Arzt im staatlichen Krankenhaus von Sukkur in der südlichen Provinz Sindh. Wie fast überall wimmelt es in den Räumen der Klinik von Fliegen.

Ein nächstes Problem zeichnet sich unterdessen schon ab: Die Welternährungsorganisation FAO warnte vor einer kommenden Lebensmittelknappheit, wenn die pakistanischen Bauern nicht rechtzeitig mit der nächsten Aussaat beginnen könnten. Normalerweise wäre im nächsten Monat die Zeit dafür.

DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters