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forsa-Umfrage zum Thema Alter: Die große Freiheit

Endlich machen, wofür nie Zeit war. So stellen sich die Deutschen den Ruhestand vor, das zeigt die Umfrage "Altern in Deutschland" von stern und Körber-Stiftung. Doch so einfach ist es nicht.

Von Mirko Zapp

Wer im Jahr 2010 geboren wurde, lebt im Schnitt fast 15 Jahre länger als jemand, der 1950 geboren wurde. 15 gewonnene Jahre. Was wollen die Deutschen damit anstellen? Wie stellen sie sich ihr eigenes Alter vor? Der stern hat gemeinsam mit der Körber-Stiftung eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben. Das Forsa-Institut hat dazu knapp 1.300 Menschen zwischen 14 und 75 Jahren befragt. Das sind die wichtigsten Ergebnisse.

Endlich das tun, was man will

Die Befragten sind sich einig: Für die Zeit nach dem Berufsleben erwarten sie die "große Freiheit". Einschränkungen und Verpflichtungen lehnen alle Generationen ab. Neun von zehn aller Befragten, Jung wie Alt, wollen mit ihrer gewonnenen Lebenszeit machen dürfen, was sie wollen. Vor ein paar Monaten forderte der Philosoph Richard David Precht noch ein soziales Pflichtjahr für Rentner, nur so könne man sich ein derart starkes Sozialsystem wie in Deutschland auch in Zukunft leisten – der Vorschlag fällt bei den Deutschen glatt durch, kommt nur auf 14 Prozent Zustimmung. Sie wollen selbst entscheiden, was sie im Ruhestand tun. Und am liebsten sollte die Rente mit 65 Jahren beginnen. 70 Prozent der Befragten finden, dass das Renteneintrittsalter von 67 Jahren zu hoch liegt, und fordern die Rückkehr zur Rente mit 65. 59 Prozent aller Befragten würden sogar gleich ganz auf eine Altersgrenze für den Ruhestand verzichten – viele könnten sich offenbar auch vorstellen über das 65. Lebensjahr hinaus zu arbeiten.

Pläne für den Ruhestand

Die meisten Befragten wollen sich vor allem stärker ihren Hobbys widmen (54 Prozent), reisen (54 Prozent) und entspannen (51 Prozent). Sogar die Familie tritt dahinter zurück: Nur 38 Prozent wollen im Ruhestand mehr Zeit mit ihren Kindern und Enkeln verbringen, bei den über 65-Jährigen sind es sogar nur 29 Prozent. Dass die Familie an Bedeutung verliert, zeigt sich auch bei der Frage, wie die Deutschen im Alter wohnen wollen. Nur zwei Prozent möchten bei den erwachsenen Kindern leben. Genauso viele, wie sich vorstellen können, in ein Seniorenwohnheim zu gehen.

Der Wunsch, unabhängig zu bleiben

Die Gesundheit ist den Menschen am wichtigsten. Gefragt nach ihren Ängsten, nennen die meisten Befragten Krankheiten. Körperliche Einschränkungen, Demenz und die Abhängigkeit von fremder Hilfe führen die Liste an. Nur 67 Prozent glauben, dass ihre gesetzliche Rente zum Leben reicht. Unabhängigkeit ist ihnen besonders wichtig. Das Gefühl auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein, stößt die Menschen dagegen ab. Neun von zehn Befragten befürworten, dass die künstliche Hüfte auch mit 85 noch von der Krankenkasse bezahlt werden soll. Selbständig zu bleiben – eines der wichtigsten Ziele der Befragten.

Die Scheu vor Verpflichtungen

Das Lebensmotto vieler Deutscher für ihr Alter lautet nicht: frei wozu? Sondern: frei wovon? Nur ein Viertel aller Befragten hat für die Zeit ab 65 Pläne für eine ehrenamtliche Tätigkeit. Aber je älter die Menschen werden, desto eher öffnen sie sich dieser Idee. 79 Prozent der über 65-Jährigen finden, ihre Altersgenossen sollten sich ehrenamtlich engagieren. Doch nicht alle, die das fordern, tun es auch selbst. Laut der Umfrage engagieren sich 46 Prozent der Rentner ehrenamtlich.

Generationengerechtigkeit? Na ja.

Geht es gerecht zu zwischen Jung und Alt? Die meisten Deutschen zweifeln daran. 79 Prozent aller Befragten hält vor allem die jüngere Generation für benachteiligt. Die ältere Generation sehen nur 12 Prozent im Nachteil. Neun Prozent aller Befragten stimmen der Aussage zu, dass die Jungen derzeit die Rente der Älteren bezahlen und später von der eigenen Rente kaum leben können.

Die Bevölkerung diagnostiziert eine soziale Schieflage. Doch einem Transfer von Rente Richtung Studien- und Ausbildungsfinanzierung stimmt nur eine Minderheit von 19 Prozent zu.

Viel Einigkeit zwischen Alt und Jung

Die Fragen zur Generationengerechtigkeit spalten erwartungsgemäß die Altersgruppen. Während zum Beispiel nur 42 Prozent der unter 30-Jährigen regelmäßige Rentenerhöhungen für vernünftig hält, finden das immerhin 72 Prozent der über 65-Jährigen. Doch die Jüngeren erheben keine Forderungen. Sie sind zu 88 Prozent überzeugt, dass die jetzt in Rente gehende Generation viel geleistet hat und ihr Auskommen verdient.

Alt und Jung sind sich in den meisten Punkten einig, das zeigt die Umfrage. Doch gerade die Frage nach der Generationengerechtigkeit lässt die Deutschen mit dem Kopf schütteln. 71 Prozent der Befragten finden, dass der Zusammenhalt zwischen den Generationen schwächer ist als früher. Gerade einmal vier Prozent sind der Meinung, dass er stärker geworden ist.