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Fotoprojekt gegen Missbrauch Diese viereinhalb Minuten gehen unter die Haut

Ralf Zitzmann und seine Geschichte. In wenigen Worten. Ralf, wir verstehen uns ja. Oder? Es sind die Worte, die sein ehemaliger Fußballtrainer zu ihm sagte, nachdem er ihn missbrauchte. Vor 30 Jahren.
 
Ralf Zitzmann: "Ich habe Fußball gespielt in Hamburg, und wir sind ins Trainingslager gefahren. Ich war 13, 14 Jahre alt und dann ist mein Trainer eben nachts ins Zimmer gekommen."
 
Ralf Zitzmann ist Teil eines Fotoprojekts, das der Stern von Amerika nach Deutschland geholt hat. Menschen wie Zitzmann schleudern ihren Peinigern ihre Sätze zurück. Das Projekt heißt Unbreakable. Ralf Zitzmann ist nicht zerbrochen. In seiner Jugend galt er als großes Fußball-Talent. Über Nacht war das ihm nichts mehr wert.
 
Ralf Zitzmann: "Also einen Tag oder bzw. bei der nächsten Mannschaftsbesprechung hat mein Trainer mich nicht aufgestellt, das erste Mal und mit dem Satz 'Ralf, wir verstehen uns ja, oder?'" 
 
Niemand hat damals nachgefragt, warum er kurz darauf aufgehört hat, Fußball zu spielen. Jahrelang hat Zitzmann versucht, nicht an das zu denken, was im Trainingslager geschah.  
 
Ralf Zitzmann: "Ich weiß, dass ich angefangen habe, ihn zu hassen, also dass ich sein Auftreten alles was ich damit verbunden habe, dass ich ihn hasse. Also so seinen Gang, seine Haltung, all das habe ich verachtet, fand es ganz schlimm und ansonsten fühlte ich mich sehr ohnmächtig. Das weiß ich noch, Ohnmacht, ja, dass er, dass dieser Mensch jetzt über mich Macht hat, das fand ich ganz furchtbar. Ich habe aber auch keinen Ausweg gesehen."
 
Zitzmann ist seinen Weg gegangen. Heute ist er Musiker, betreibt ein kleines Plattenlabel. Der Missbrauch ist ein Kapitel seiner Lebensgeschichte. Hier auf dem Fußballplatz könne er endlich damit abschließen, sagt er.
 
Ralf Zitzmann: "Ich war mit acht Jahren nicht so selbstbewusst wie die Kinder heute. Also das glaube ich nicht. Ich bewundere und ich liebe Kinder, die Selbstbewusstsein haben, wo man denkt, die lassen sich so etwas nicht gefallen. Zumindest würden sie dies sagen. Nur wenn man das sagt, kann man auch andere Kinder davor bewahren oder. Wenn alle nichts sagen, dann macht der einfach ewig weiter."
 
Erst 30 Jahre später erzählt er seiner Lebensgefährtin davon.
 
Ralf Zitzmann: "Ich habe das nicht verstanden, habe das in mich rein. Wo immer ich es hingepackt habe. Und dass das andern passiert, war kein Gedanke. Wenn ich ihn gehabt hätte, wäre ich vielleicht eher auf den Gedanken gekommen, das auch zu sagen, also irgendjemandem. Ich gebe mir keine Schuld, dass ich das damals nicht erzählt habe. Ich konnte es einfach nicht, oder wusste es nicht besser, aber wenn ich's gesagt hätte, wäre sehr wahrscheinlich vielen andern Kindern was erspart geblieben. Und ich bin aber sicher, dass das auch meine Freunde getroffen hat."
 
Heute ist sein Fall längst verjährt. Dass das Gesetz dies zulässt, versteht Zitzmann nicht. Gerade weil manche sich Jahrzehnte nicht erinnern können, es verdrängen.


Ralf Zitzmann: "Ich bin nicht böse oder rachsüchtig oder würde ihn niedermachen wollen. Sondern ich wäre eher interessiert, wie er damit lebt und ich mein, er ist ja mittlerweile 65, 70 Jahr alt. Ja das finde ich interessant."
 
Zitzmann hat versucht, seinen ehemaligen Trainer zu finden, er will ihn zur Rede stellen.
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Die Worte der Täter quälen Opfer sexualisierter Gewalt noch Jahre nach der Tat. "Unbreakable" soll Betroffenen helfen, aus der Zwangslage auszubrechen. Ralf Zitzmann erzählt seine bewegende Geschichte.
Von Philipp Weber

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