Fragen & Antworten Wie ein Papst gewählt wird


Das Ritual der Papstwahl, die Stunden, Tage oder Wochen dauern kann, ist im Vatikan genau geregelt. Papst Johannes Paul II. hat die Bestimmungen 1996 selbst festgelegt. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer kann Papst werden?

Traditionell wird seit Jahrhunderten ein Mitglied des Kardinalskollegiums gewählt. Johannes Paul II. hatte auch die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass eine Person zum Papst gewählt wird, die noch nicht die Bischofsweihe hat. Diese Weihe müsste aber "sogleich", also noch vor der Bekanntgabe des neuen Papstes, erfolgen. Insofern muss jemand also mindestens katholischer Priester sein, um - rein theoretisch - zum Papst gewählt werden zu können. Seit 1378 wählten die Kardinäle aber stets einen Geistlichen aus den eigenen Reihen.

Wer wählt den Papst?

Alle Kardinäle unter 80 Jahre. Die Höchstzahl der wahlberechtigten Kardinäle darf nicht mehr als 120 betragen. Zurzeit sind es 117 Pupurträger. Sie treten frühestens 15, spätestens 20 Tage nach dem Tod des Papstes zum Konklave (Wahl) in der Sixtinischen Kapelle in Rom zusammen.

Können auch kranke Kardinäle wählen?

Ja, aber sie müssen zumindest während des Konklaves im Vatikan sein. Unter den wahlberechtigten Kardinälen werden drei Infirmarii, Beauftragte, gewählt. Sie gehen zu den kranken Kardinälen und holen deren Stimme ab. Die Ausgabe der Wahlzettel ist dabei genau geregelt. Alle wahlberechtigten Kardinäle sind im Vatikan im extra für diesen Zweck gebauten Gästehaus "Domus Sanctae Marthae" untergebracht.

Wie wird der Papst gewählt?

Es gibt keine Kandidaten und keine Wahlreden. Jeder Kardinal schreibt, möglichst in verstellter Schrift, auf seinen Wahlzettel jenen Namen, von dem er glaubt, "dass er nach Gottes Willen gewählt werden sollte". Auf diese Weise schälen sich im Zuge der maximal 34 Wahlgänge Favoriten und eine Mehrheit heraus. Nach jedem Wahlgang werden die Stimmzettel verbrannt.

Wie beginnt die Papstwahl?

Der Kardinaldekan, der Deutsche Joseph Ratzinger, liest eine längere Eidesformel vor. Sie verpflichtet zur Einhaltung der Wahlvorschriften und zur Geheimhaltung. Jeder Kardinal leistet den Eid und legt dabei die Hand auf das Evangelium. Danach müssen alle, die nicht zum Konklave gehören, die Sixtinische Kapelle verlassen. Ratzinger fragt dann das Kollegium nach etwaigen Unklarheiten und lässt, sofern die Mehrheit der Wähler keine Einwände hat, das Wahlverfahren beginnen.

Wie lange dauert die Wahl?

Die Wahl kann Stunden, Tage oder Wochen dauern. Am ersten Tag des Konklaves feiern die Kardinäle vormittags im Petersdom eine Messe "Pro eligendo Papa". Am Nachmittag begeben sie sich von der Capella Paolina des Apostolischen Palastes in Chorkleidung, unter dem Gesang "Veni Creator" den Beistand des Heiligen Geistes erflehend, in die Sixtinische Kapelle. Am Eröffnungstag gibt es nur einen Wahlgang, dann jeweils vier pro Tag, je zwei am Vormittag und zwei am Nachmittag. Nach drei Wahltagen ist eine maximal eintägige Pause vorgesehen, "für das Gebet, für ein zwangloses Gespräch unter den Wählern und für eine kurze Ansprache durch den ranghöchsten Kardinal aus der Ordnung der Diakone". Nach sieben weiteren Wahlgängen folgt erneut eine Pause. Danach werden weitere sieben Wahlgänge gemacht. Der Kardinal-Camerlengo muss über alle Wahlgänge samt Abstimmungsergebnis einen Bericht machen. Dieser wird dem künftigen Papst übergeben und dann im dafür vorgesehenen Archiv in einem versiegelten Umschlag aufbewahrt, der ohne Erlaubnis des Pontifex von niemandem geöffnet werden darf.

Welches Hilfspersonal steht zur Verfügung?

Der Sekretär des Kardinalskollegiums, der Päpstliche Zeremonienmeister mit zwei Zeremoniären und zwei Ordensleuten der Päpstlichen Sakristei; ein Kleriker als Assistent des Kardinaldekans. Zudem sollen einige Ordenspriester verschiedener Sprache für die Beichte zugegen sein, ferner zwei Ärzte für eventuelle Notfälle. Zudem muss für Tisch- und Putzpersonal gesorgt sein. Alle müssen Geheimhaltung schwören: Wer den Eid bricht, dem droht die Exkommunikation.

Welche Mehrheit ist notwendig?

Notwendig ist zunächst eine Zwei-Drittel-Mehrheit aller anwesenden Wähler. Falls deren Zahl nicht durch drei teilbar ist, bedarf es einer Stimme mehr. Wann die absolute Mehrheit ausreicht, ist allerdings nicht exakt in dem Papst-Papier benannt. Die Interpretationen schwanken: Frühestens nach dem 30. Wahlgang, spätestens nach dem 34. Wahlgang entscheiden die Kardinäle, ob die absolute Mehrheit ausreicht. Sie können aber auch eine Stichwahl unter den beiden zuvor Meistgenannten anordnen.

Ist die Wahl öffentlich?

Nein. Es herrscht strenge Geheimhaltung. Die Sixtinische Kapelle wird von "zwei vertrauenswürdigen Technikern" auf elektronische Wanzen und Mikrofone überprüft, Aufnahmegeräte sind strikt verboten. Die wahlberechtigten Kardinäle dürfen während des Konklaves nicht telefonieren, keine Briefkorrespondenz haben, weder Zeitungen lesen, noch fernsehen. Zudem müssen die Kardinäle und sämtliche Wahlhelfer Geheimhaltung schwören. Die Zahl der Wahlgänge und ihre Ergebnisse werden nicht veröffentlicht.

Ist die Wahl auch bei Bestechung gültig?

Die Wahl eines neuen Papstes würde auch bei Bestechung gültig bleiben. Dies hat Papst Johannes Paul II. ausdrücklich in der Apostolischen Konstitution "Universi Dominici Gregis" von 1996 festgelegt und damit frühere Regelungen bestätigt. "Gesetzt den Fall, dass bei der Wahl des Papstes das Verbrechen der Simonie - Gott bewahre uns davor - begangen worden sein sollte, beschließe ich, dass all diejenigen, die sich schuldig machen sollten, sich die Exkommunikation (...) zuziehen", legte Johannes Paul II. fest. Die Wahl könne wegen Simonie aber nicht angefochten werden. Simonie ist der Kauf oder Verkauf von geistlichen Ämtern oder Pfründen, wie er im Mittelalter verbreitet war.

Wann wird die Wahl bekannt gegeben?

Kurz nach der Entscheidung im Konklave. Sie ist durch den weißen Rauch erkennbar, der über der Kapelle durch das Verbrennen der Wahlzettel ohne Pech-Beimischung aufsteigt. Vorher werden die Zettel mit Beimischung verbrannt (schwarzer Rauch). Der Kardinaldekan fragt den Gewählten, ob er die kanonische Wahl annimmt und welchen Papstnamen er sich geben will. Schließlich treten die wahlberechtigten Kardinäle hinzu, sie erweisen dem Papst die Huldigung und leisten das Gehorsamsversprechen. Es folgt ein Dankgebet, dann verkündet der erste der Kardinaldiakone dem wartenden Volk mit den Worten "Habemus papam" (Wir haben einen Papst) den Namen des neuen Papstes. Dieser erteilt sofort danach den Apostolischen Segen "Urbi et Orbi" (Für die Stadt und die Welt) von der Loggia des Petersdoms.

Dusko Vukovic

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker