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Franko-britischer Gipfel: Graue Bruni nebst süßlichem Sarkozy

Ist es nun ein politisches Gipfeltreffen oder die One-Women-Show der Carla Bruni? Beim Großbritannien-Besuch des französischen Präsidentenpaares jedenfalls war für alle etwas dabei: Für EU-Freunde, Diplomaten, Historiker sowie Benimm- und Schuh-Experten.

Von Cornelia Fuchs, London

Sie kam, zog sich um und dominierte die Berichterstattung. Da konnte der britische Premierminister Gordon Brown im Vorfeld noch so sehr die wichtigen Themen UN-Reform, Atomkraft, Klimawandel und Afghanistan-Einsatz beschwören, die bei diesem französisch-britischen Treffen auf der Tagesordnung standen - es war die Gattin des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, die alle Blicke und damit auch den Großteil der Medienberichterstattung auf sich zog.

Das gelang Carla Bruni mit einer Überraschung: Das angeblich so herausfordernd provozierende Ex-Model kleidete sich wenig aufregend. Britische Kolumnisten attestierten ihrem Stil eine Mischung aus Jackie Kennedy, Audrey Hepburn, einer Stewardess aus den 50er Jahren und einer Nonne. "Auf dem Flughafen verschwand ihr graues Kostüm fast im Asphalt", rief die altehrwürdige "Times" in gespielter Aufregung.

Ungestühme Gattin?

Jede Bewegung von Bruni wurde noch während der Live-Berichterstattung analysiert: seht mal, da hat sie Prince Charles so bezaubert, dass er ihr einen Handkuss auf den Handschuh haucht. Und dort, für eine Sekunde, hat ihr Ehemann ihr so etwas gesagt wie: "Schau dir das mal an!", als die über und über mit goldener Dekoration verzierte Kutsche vorfuhr. In der schwebten dann Präsident mit Queen und Gattin mit Prinz Philipp zum Schloss Windsor. Dort musste Königin Elizabeth Carla Bruni sehr vorsichtig zurückhalten, nicht hinter den Männern zur Inspektion der Wachsoldaten hinauszugehen. Sie soll dabei nachsichtig gelächelt haben.

Dreimal zog sich Bruni im Laufe des Tages um. Immer blieb sie bei Schuhen ganz ohne Absätze - was ebenfalls zu einem beliebten Thema wurde, konnte man doch diese mit den hochstehenden Absätzen ihres Gatten vergleichen, der mit den fünf gewonnen Zentimetern gerade einmal die Queen überragte.

Der französische Präsident, so die Analyse in den britischen Zeitungen, wollte mit diesem Besuch gegen sein Image des "Bling Bling" ankämpfen, gegen den Vorwurf bei ihm sei viel Show und wenig Substanz. Die Briten haben dies nicht ganz einfach gemacht - sie führten das Ehepaar Sarkozy von opulent dekorierten Kutschen in gold-glänzende Räume und weiter zu einem überladendem Staatsbankett. Erst heute kann sich Sarkozy etwas als Mann des Volkes präsentieren, Gordon Brown hat ein Treffen im Fußball-Stadion von Arsenal angesetzt.

Verwirrende Ansprache

Doch gestern ging es zunächst einmal zur wichtigsten Rede des französischen Präsidenten in die Royal Gallery im britischen Oberhaus. Jacques Chirac hatte in seiner unnachahmlichen Art hier vor einigen Jahren verlangt, dass die großen Wandbilder verhangen werden. Sie zeigen, diplomatisch wenig verhalten, die Schlachten von Trafalgar und Waterloo, die beiden großen Niederlagen der Franzosen unter anderem gegen die britische Armee.

Präsident Sarkozy ließ sich von dieser Umrahmung jedoch nicht beirren. Während der sterbende Nelson und die Generäle Blücher und Wellington auf ihn herabschauten, hielt er eine Rede, die ihre britischen Zuhörer zwischen Begeisterung und Verwunderung zurückließ.

Der Kolumnist Simon Carr schreibt: "Er schaut aus wie Charles Aznavour und fuchtelt herum wie ein italienischer Verkehrspolizist." Sarkozy versuchte, die Briten mit einem Dauerfeuer aus Schmeichelei zu erobern: "Wie viele Armadas hat Ihre Nation besiegt, wie viele Schlachten, die schon als verloren galten, gewonnen?" Niemals werde Frankreich vergessen, dass es Großbritannien war, das ihnen beigestanden habe, als die französische Nation fast schon ausgelöscht schien. Und nur mit Großbritannien könne Europa vorwärts kommen im 21. Jahrhundert.

"Vive l'amitié franco-britannique!"

So etwas hatten die Briten seit Jahrzehnten von keinem Franzosen mehr gehört. "Schrecklich süßlich", nannte es eine Kolumnistin der "Times". Sarkozy beendete seinen Sermon mit den Worten: "Vive l'amitié franco-britannique!"

Der Europa-Minister der britischen Regierung, Jim Murphy, nannte die Rede "brilliant und visionär", ein Europaskeptiker beurteilte das Ganze etwas nüchterner: "Er hat das Europaprojekt mit freundlichen Worten aufgehübscht." Eines hat Präsident Sarkozy aber auf jeden Fall erreicht: Seit langem schon wurde in Großbritannien nicht mehr mit solchem Wohlwollen die Nähe zum kontinentalen Nachbarn konstatiert. Irgendwie sind auch die Briten ein bisschen französisch, war das Fazit nach einem Tag der Bruni-Sarkozy-Show. Und von Carla können die Briten nicht genug bekommen. Der "Daily Telegraph" bot ihr sogar politisches Asyl an - wenn ihr, in Zukunft, die gallischen Galanterien oder ausufernden Reden des Nicolas Sarkozy einmal zuviel werden sollten.