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Franziskus' Nahost-Reise: Wenn der Papst zum Sicherheitsproblem wird

Papst Franziskus geht gerne auf Tuchfühlung mit den Gläubigen. Bei seiner anstehenden Reise in den Nahen Osten könnte das zum Problem werden - weshalb die Gastgeber eine "Überdosis Sicherheit" planen.

Die erste Reise von Papst Franziskus ins Heilige Land am kommenden Wochenende bereitet den Sicherheitskräften großes Kopfzerbrechen. In dieser regionalen Brutstätte von religiösem Extremismus jeglicher Richtung gilt das römisch-katholische Kirchenoberhaupt schon von Amts wegen als Hochrisikoperson. Dass Papst Franziskus gerne spontan seinem Bestreben nachkommt, den direkten Kontakt zu den Gläubigen zu pflegen, hat seine Personenschützer schon mehrfach fassungslos gemacht. Während in Amman und Bethlehem Fahrten im Cabrio angekündigt sind, könnte die Jerusalemer Altstadt stellenweise einer Geisterstadt gleichen.

"Was die Sicherheit angeht, ist dieser Heilige Vater ein großes Problem", räumt Pater David Neuhaus ein, der vom Vatikan mit der Medienkoordination für den Papstbesuch beauftragt wurde. Er erinnert an den Tag der Amtseinführung, als Franziskus auf dem Petersplatz eine Absperrung ignorierte und in die Menge ging. Augenzwinkernd sagte Neuhaus jüngst zu Reportern: "Er wird alles geben, um auch hier zu einem sehr erfreulichen Problemfall zu werden."

Mit dem Hubschrauber nach Bethlehem

Jordanien möchte zeigen, dass es "Hort der Stabilität in einer Krisenregion ist", erklärt auf Anfrage ein ranghoher Sicherheitsbeamter in der Hauptstadt Amman. Außer der Königsgarde werden am Samstag 500 weitere Personenschützer den päpstlichen Aufenthalt absichern. Seinem Wunsch entsprechend wird Franziskus in einem offenen Geländewagen im Stadion von Amman zum Altar fahren, wo er eine Messe zelebriert.

Wenn das Oberhaupt von weltweit 1,2 Milliarden Katholiken Sonntagmorgen mit dem Hubschrauber in Bethlehem eintrifft, übernehmen palästinensische Polizei und Präsidentengarde seinen Schutz. "Wir werden alles tun, damit dem Papst nichts zustößt, er sich bei uns zugleich wohl fühlt und die Möglichkeit hat, allen seine Botschaft zu verkünden", sagt Adnan Damiri, Sprecher der palästinensischen Sicherheitsdienste.

Wie viele Beamte genau aufgeboten werden, will er nicht sagen, aber es seien "mehr als genug". Im Einsatz ist dabei auch eine aus jungen Frauen gebildete Einheit der Präsidentengarde. Vom Präsidentenpalast zum Krippenplatz an der Geburtskirche, wo der Papst einen weiteren Gottesdienst unter freiem Himmel feiern wird, fährt er ebenfalls in einem offenen Fahrzeug.

Keine Chance den Extremisten

In Jerusalem legt Franziskus bei einem wahren Terminmarathon sehr viele kurze Wege zurück. Hier haben die Polizeikräfte ihre Maßnahmen eng mit dem Inlandsgeheimdienst Schin Bet und den italienischen Personenschützern koordiniert, die das Kirchenoberhaupt begleiten. "Mehr als 8000 Polizisten werden von Zivilbeamten und Hubschraubern unterstützt", erklärt Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Auch die permanent in der Altstadt angebrachten 320 Beobachtungskameras seien von großem Vorteil.

Nach einer Welle von Angriffen jüdischer Rechtsextremisten auf christliche Einrichtungen hat die Polizei ihre Präsenz dort schon in den letzten Wochen verstärkt. "Die Extremisten werden keine Chance haben, den Erfolg der Papstreise zu schmälern", versicherte Israels oberster Polizeichef Jochanan Danino.

Eine Überdosis Sicherheit in Israel

Mit einem Anflug von Ironie kommentiert das Oberhaupt der Katholiken im Heiligen Land, der Lateinische Patriarch Fuad Twal: "Wir müssen nicht um die Sicherheit fürchten; Israel verpasst uns davon die notwendige Dosis, um nicht zu sagen eine Überdosis." Als Vertreter der arabisch-christlichen Einwohner der Altstadt wegen der angekündigten Straßen- und Ausgangssperren die Sorge vortrugen, Franziskus werde in den Gassen nur noch von Katzen willkommen geheißen, antwortete ihnen ein israelischer Sicherheitsbeamter: "Draußen wird es auch keine einzige Katze geben."

Medienkoordinator Neuhaus bleibt gelassen und sieht auch in Jerusalem weiter "Möglichkeiten zur spontanen Kontaktaufnahme mit den Bewohnern, wie es für den aus Argentinien stammenden Papst so typisch ist. Das wird wirkungsvolle Bilder erzeugen, die Herz und Verstand der Gläubigen und der Zuschauer erwärmen werden."

Die Papst-Nahost-Reise aus anderer Sicht

Jonah Mandel/AFP / AFP