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Fremdsprachenverbot: Holland dem Holländischen

Wörter wie "Thank you" oder "Tesekkürler" sollen aus der holländischen Öffentlichkeit verschwinden und durch "Bedankt" ersetzt werden. Ausländerministerin Rita Verdonk möchte möglichst nur noch Holländisch auf den Straßen hören.

Auf dem großen Wochenmarkt in Den Haag herrscht babylonisches Sprachengewirr. Der aus Marokko stammende Fischhändler preist seine Ware in seiner Muttersprache an. Junge Mädchen versuchen beim Klamottenhändler auf Türkisch ein Schnäppchen zu machen. Und der Niederländer, der am Käsestand versehentlich einen Nachbarn anrempelt, sagt natürlich "sorry". Das sollte er besser lassen, denn das ist englisch.

Ausländerministerin Rita Verdonk möchte fremdsprachige Laute aus der niederländischen Öffentlichkeit verbannen. Zumindest sollen diejenigen, die dauerhaft in den Niederlanden wohnen, sich auch der heimischen Sprache bedienen. Ein Vorbild findet die rechtsliberale Ministerin in Rotterdam. Dort hat der Gemeinderat gerade einen "Code" beschlossen, der den Bürgern Leitfaden für ein gedeihliches Miteinander sein soll. Dieser "Rotterdam Code" ist ein Ergebnis von erregten und gut besuchten Bürgerdebatten über das Zusammenleben von Muslimen und Christen, und er soll zu Toleranz und Gleichbehandlung verpflichten. Aber auch der Gebrauch des Niederländischen - "in der Öffentlichkeit, bei der Arbeit, in der Schule, im Nachbarschaftsheim" - wird dort nahe gelegt.

Sprachtest vor der Einreise

Verdonk, die für die Integration der Ausländer zuständig ist und dieses Geschäft mit eiserner Hand betreibt, kam der Vorstoß aus der Hafenstadt gut gelegen. Gerade hat das Parlament ihr nach langem Zögern grünes Licht dafür gegeben, einen wohl einmaligen Sprachtest für einwanderungswillige Ausländer einzuführen: Noch bevor sie überhaupt einreisen dürfen, müssen sie an einem Sprachcomputer in ihrer Heimat Kenntnisse des Niederländischen nachweisen. "Wenn ich mich in den Niederlanden niederlasse, bedeutet dass auch, dass niederländisch gesprochen wird."

Als bereits Witze über eine Sprachpolizei umgingen, ruderte die Ministerin ein wenig zurück: So etwas werde es natürlich nicht geben, und sie denke auch nicht an ein Gesetz, dass den Gebrauch fremder Sprachen verbietet. Aber sie lasse prüfen, ob es so etwas wie den "Rotterdam Code" nicht doch auch landesweit geben könne. Keine gute Botschaft für Weltunternehmen wie Philips, Shell oder Unilever, in deren niederländischen Konzernzentralen nach diesem Code nicht länger englisch gesprochen werden sollte.

Der Rotterdamer Beigeordnete Leonard Geluk hält dagegen, dass "ältere Menschen sich nicht mehr zu Hause fühlen, weil sie die einzigen in ihrem Viertel sind, die noch niederländisch sprechen". Ministerin Verdonk sagte, diese Menschen fühlten sich "unheimisch". Das ist kein gutes Deutsch - aber Niederländisch ist es auch nicht.

Thomas P. Spieker/DPA / DPA
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