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Spontane Hilfsaktion für Flüchtlinge: Rewe räumt die Regale leer – die Kundschaft findet es großartig

Als das Team der Rewe-Filiale im nordrhein-westfälischen Jüchen von nahenden Flüchtlingen erfährt, reagiert es spontan – und stellt weite Teile des Sortiments gratis zur Verfügung. Ein Zettel am leeren Regal bittet die Kunden um Verständnis.

Leere Regal, dazu ein Zettel, der das ganze erklärt - die Rewe-Filiale Ermer in Jüchen

Leere Regal, dazu ein Zettel, der das ganze erklärt - die Rewe-Filiale Ermer in Jüchen

Keine Babynahrung, kein Milchpulver, keine Gläschen – als die Kunden am Mittwochmorgen den Rewe-Markt in Jüchen betreten, herrscht in vielen Regalen gähnende Leere. Ausverkauf? Inventur? Weit gefehlt. Ein Zettel erklärt den Hintergrund:

 "Sehr geehrte Kunden, aufgrund eines unerwarteten Eintreffens von mehreren Bussen mit Flüchtlingen, vielen Säuglingen und Kleinkindern an Bord, haben wir unsere Waren in der Nacht zum Mittwoch den Hilfskräften zur Verfügung gestellt. Es war eine akute Notsituation. Wir haben bereits neue Waren bestellt und hoffen auf Ihr Verständnis. Vielen Dank."

Danke, REWE!

Posted by Tobias Huch on Samstag, 19. September 2015

Es sei eine spontane Aktion gewesen, erklärte der Filialleiter. Als man von den in Kürze ankommenden Flüchtlingen erfuhr, stellte man sich die Frage, wo diese zu später Stunde noch Nahrung, insbesondere für Babys und Kleinkinder, bekommen würden. Das Rewe-Team reagierte pragmatisch und verbrachte weite Teile des Sortiments zur Ankunftsstellen in Jüchen.

Die Mitarbeiter des Marktes gingen noch weiter und stellten zudem Schokoriegel und Wasser für die ankommenden Flüchtlingsfamilien zu Verfügung. Die Kundschaft konnte derweil ausweichen und im nahen Drogeriemarkt Babynahrung kaufen. Die Reaktionen waren fast ausschließlich positiv, allein das Foto, das den Info-Zettel und die leeren Regale zeigt, wurde über 170.000 Mal geliked und mehr als 23.000 Mal geteilt. Auch die Kunden des Marktes selbst zeigten größtes Verständnis. Das Sortiment war am Tag darauf wieder aufgefüllt.

Auch Real in Heidenau bezog Position

Bereits in der Vorwoche hatte ein Real-Markt in Heidenau in der Flüchtlingskrise Stellung genommen und in einem Schreiben an die Kundschaft mit Vorurteilen aufgeräumt: "Wir verurteilen falsche und hetzerische Gerüchte, die in den Sozialen Medien kursieren, aufs Schärfste." hieß es da. Mit den "hetzerischen und böswilligen" Gerüchten hatte der Markt in drei Punkten aufgeräumt: Nein, es gebe nicht mehr Ladendiebstähle als vor dem Einzug der Flüchtlinge. Nein, der Markt ist nicht ab 20 Uhr nur noch für Flüchtlinge reserviert. Kunden könnten von 7 bis 22 Uhr einkaufen. Und nochmal nein, Flüchtlinge werden nicht bevorzugt, es gibt keine Gutscheine für sie oder eine andere Sonderbehandlung.

"Wir sind der Meinung, dass jeder Mensch, der aus einer entsprechenden Notlage heraus in Deutschland ankommt, mit dem nötigen Respekt empfangen werden sollte und wir sehen kulturelle und ethnische Vielfalt als Bereicherung", schrieb das Unternehmen weiter auf dem Plakat.

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