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Gastkommentar: Tempolimit rettet Leben und die Umwelt

Es gibt viele gute Gründe für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen: Es fördert den Klimaschutz, erhöht die Sicherheit - und kostet nichts. Michael Gehrmann, Bundesvorsitzender des VCD, fordert deswegen im stern.de-Gastkommentar: Deutschland sollte seinen Sonderstatus aufgeben.

Bei Geschwindigkeiten über 100 km/h steigt der Spritverbrauch überproportional an. VW gibt an, dass ein Pkw bei 150 km/h zwei Liter mehr verbraucht als bei Tempo 130. Bei Vollgas schluckt ein üblicher VW Golf sogar über 20 Liter, ein 5er BMW knapp 34 und der Geländewagen Porsche Cayenne fast 67 Liter Benzin auf 100 Kilometern. Deshalb spart eine Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit viel Sprit, Geld und Treibhausgase. Schon bei Tempo 130 könnten laut Umweltminister Gabriel jedes Jahr immerhin rund 2,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Das ist etwa doppelt so viel wie das Gebäudesanierungsprogramm der Bundesregierung bringt, dass jedes Jahr eine Milliarde Euro kostet. Bei Tempo 120 wären es sogar 3,3 Millionen Tonnen weniger an CO2.

Weniger Staus entlasten das Klima zusätzlich

Ein Tempolimit bedeutet einen gleichmäßigeren Verkehrsfluss und damit weniger Staus. Denn nach einhelliger Meinung der Verkehrswissenschaft sind gerade große Geschwindigkeitsunterschiede, wie sie auf deutschen Autobahnen herrschen, ein wesentlicher Faktor bei der Staubildung. Und weniger Staus entlasten das Klima zusätzlich – die Nerven übrigens auch.

Außerdem kommt der große Sicherheitsgewinn dazu: Jedes Jahr sterben rund 660 Menschen auf deutschen Autobahnen, knapp 6000 werden schwer verletzt. Fast die Hälfte aller schweren Unfälle auf Autobahnen ist auf zu hohe Geschwindigkeiten zurückzuführen, die Mehrzahl der Autobahnopfer kommt auf Abschnitten ohne Tempolimit ums Leben. Ein generelles Tempolimit würde also Menschenleben retten und vielen Verletzten ihr Leid ersparen.

Diese vernünftigen Argumente für ein Tempolimit in Deutschland haben längst die Mehrheit der Bevölkerung überzeugt. Das zeigen mehrere repräsentative Umfragen der vergangenen Monate. Nicht zuletzt liegt das auch daran, dass immer mehr Autofahrer, die im benachbarten Ausland unterwegs waren, das entspanntere Reisen zu schätzen gelernt haben. Sie haben aufblendende Drängler im Nacken satt und wissen: Weniger Tempo ist mehr!