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Gedenkbibliothek für George W. Bush: Wie "Präsident Unbeliebt" seine Amtszeit sieht

Vier Jahre nach seinem Auszug aus dem Weißen Haus wird George W. Bush ein Denkmal gesetzt. Die Bibliothek soll zur Aufarbeitung seiner Präsidentschaft beitragen - und ihn in ein besseres Licht rücken.

Als George W. Bush in Pension ging, weinten ihm die meisten Amerikaner keine Träne nach. Er verließ das Weiße Haus mit den schlechtesten Umfragewerten, die je ein US-Präsident der Neuzeit hatte. Heute, gut vier Jahre später, ist sein Ruf etwas besser - aber wirklich nur etwas. Denn mehr als die Hälfte der Bevölkerung sieht den Texaner noch immer in einem negativen Licht, obwohl er die Öffentlichkeit meidet, wo er nur kann. Doch seine Medienscheu ist vorerst beendet. Die Eröffnung seiner Gedenkbibliothek in Dallas am Donnerstag holte Bush - und sein umstrittenes Vermächtnis - zurück ins Rampenlicht.

Der rund 250 Millionen Dollar (192 Millionen Euro) teure Bau durchleuchtet die von 2001 bis 2009 dauernde Präsidentschaft des heute 66-Jährigen bis ins kleinste Detail. Der 21.000 Quadratmeter große Komplex mit Museum, Archiv und Institut beherbergt gewaltige Informationsmengen: 70 Millionen Papierseiten, 200 Millionen E-Mails, vier Millionen Digitalfotos und rund 50 000 Audio- und Videokassetten lagern dort. Sorgsam eingesammelt von Staatsbeamten, denn das Material gehört wie bei den anderen zwölf offiziellen Präsidentenbibliotheken in den USA dem Nationalarchiv.

Die Dokumente zeugen von einer der schwierigsten Phase des Landes. Dennoch nutzt der 43. Präsident der USA den Klinker- und Glasbau so gut wie möglich für eine positive Selbstdarstellung. Wenn die Anlage am 1. Mai für Besucher geöffnet wird, können sie etwa Filme oder interaktive Schautafeln betrachten, die seine damaligen Entscheidungen begründen.

In den Irak einmarschieren oder nicht?

So erklärt Ex-Außenministerin Condoleezza Rice die Hintergründe des Irak-Krieges oder die Notwendigkeit von "erweiterten Verhörmethoden" für Terrorverdächtige. Die Aufbereitung sei nicht unehrlich, urteilte die "New York Times", aber im Ganzen durchaus schmeichelhaft.

An Touchscreens dürfen die Betrachter entscheiden, ob sie selbst Truppen in den Irak geschickt oder den Diktator Saddam Hussein an der Macht gelassen hätten. Oder ob sie in der großen Finanzkrise 2008 ebenfalls die Banken mit Milliarden aus der Staatskasse gerettet hätten. Wie hätten Sie gehandelt? Mit der Zusammenstellung wollen George W. Bush und seine Frau Laura klar machen, was ihnen wichtig war und wichtig ist, sagt der Ausstellungsgestalter Brendan Miniter. "Wir versuchen, sie für sich selbst sprechen zu lassen."

Es ist normal, dass ehemalige Präsidenten oder ihre Nachfahren versuchen, die Amtszeit in bester Erinnerung zu halten. Statuen von George W. Bush und seinem Vater, dem Ex-Präsidenten George Bush, selbst von den Katzen und Hunden der Familie sorgen für eine persönliche Note. Ein 20 Meter hoher "Friedensturm" leuchtet den Nachthimmel von Dallas an. Moderne Rundum-Videowände sollen Staunen auslösen.

Obama findet ihn "liebenswürdig"

Bush ist sich durchaus im Klaren über die öffentliche Wahrnehmung seiner selbst - und seines Intellekts. Als kürzlich bekanntwurde, dass er leidenschaftlich gern Bilder malt, machte er gar einen Witz darüber. "Die Leute sind überrascht", sagte er der "Dallas Morning News". "Aber klar, einige Leute sind überrascht darüber, dass ich sogar lesen kann."

Etwas Balsam auf die Wunden dürfte sein, dass sich sein Nachfolger und scharfer Kritiker Barack Obama wie auch die drei anderen noch lebenden Ex-Präsidenten Jimmy Carter, Bill Clinton und sein Vater als Gäste seiner Bibliothekseröffnung benehmen müssen. Obama nannte ihn kürzlich gar "liebenswürdig" und "patriotisch". "Ich hatte immer eine gute, freundliche Beziehung zu ihm", sagte er.

Ob das große Aufgebot am Donnerstag tatsächlich nachhaltige Werbung für ihn ist, werden später auch die Besucherzahlen zeigen. Pro Jahr zählen die Präsidenten-Museen rund zwei Millionen Gäste. Am beliebtesten ist laut "Los Angeles Times" mit 380 000 Besuchern jährlich die Ronald-Reagan-Bibliothek im kalifornischen Simi Valley - doch nur 45 000 wollen die von Herbert Hoover im Agrarstaat Iowa sehen. Ob George W. Bush in diesem Vergleich besser als in den Umfragen abschneiden wird, bleibt abzuwarten.

Marco Mierke, DPA / DPA