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Gefängnis-Projekt: Die häkelnden Häftlinge aus Düsseldorf

Im Düsseldorfer Gefängnis produzieren Häftlinge Häkelmützen in allen Formen und Farben. Nach anfänglicher Skepsis ist die "Knastmasche" eine echter Renner.

Häkeln hilft: Insassen der JVA Ratingen bei Düsseldorf stellen Mützen und andere Kopfbedeckungen her

Häkeln hilft: Insassen der JVA Ratingen bei Düsseldorf stellen Mützen und andere Kopfbedeckungen her

Dutzende bunte Mützen - geringelt, einfarbig und manche mit Bommel - stapeln sich im Büro von Kristina Wiese im Düsseldorfer Gefängnis. Weiter vorne, an zwei Tischen in einer kahlen Werkhalle, häkeln Männer in Anstaltskleidung die nächsten Kappen. Für Häftlinge eine ziemlich ungewöhnliche Beschäftigung. Kaffeetassen stehen zwischen Wollresten auf dem Tisch, und im Radio dudelt Musik.

"Es ist mal was anderes", sagt Cihat. Der 40-Jährige hat schon verschiedene Arbeiten in Haft gemacht und freut sich, etwas Geld zu verdienen. Er hat Anfang November als einer der ersten das Häkeln angefangen. Inzwischen ist die Gruppe auf acht Mann angewachsen, und es gibt sogar eine Warteliste. Cihat kann inzwischen fünf bis sechs verschiedene Typen von Maschen und lässt seiner Fantasie freien Lauf. Gerade ist ein schwarz-weiß gestreiftes Käppi fertig geworden.

Anfangs gab es Skepsis von allen Seiten. Die Häkelgruppe wurde bespöttelt im Männerknast, sie nimmt das aber gelassen. "Die lachen erst und dann fragen sie "Machst Du mir eine?"", erzählt der 23 Jahre alte Mohamed. Ja, erst habe ihn der ungewohnte Umgang mit Nadel und Wollfaden nervös gemacht, bekennt er. Dann das Erfolgserlebnis: Nach drei Tagen war die erste eigene Mütze fertig.

Alles Teil der "Knastmasche"

Etwa 50 Kappen aus der Düsseldorfer Produktion wurden inzwischen verkauft, auch an Mithäftlinge. Auf der Internetseite "Knastladen" mit Produkten aus den NRW-Gefängnissen werden die Mützen inzwischen angeboten - neben Holzspielzeug, Vogelhäusern und Taschen von anderen Haftanstalten.

Die Häkelprodukte tragen das Label "Knastmasche". Das Emblem besteht aus zum Gitter gekreuzten Wollfäden. Aufträge von draußen gehen auch ein. Mütze, Schal und Pulswärmer werden passend zum Wintermantel bestellt oder Farben vorgegeben. "Je zwei Reihen in rot, blau und grün", berichtet Cihat. Je nach Ausfertigung kosten die Mützen 18 und 24 Euro.

In der Arbeitstherapie, wo die Mützen entstehen, werden Durchhalten und Konzentration trainiert. Viele Insassen haben noch nie richtig gearbeitet. Es gilt, Ausdauer zu üben. Solch eher unkonventionelle Projekte gibt es auch in anderen Gefängnissen in Deutschland - etwa mit Tieren, um die sich die Häftlinge kümmern.

Kindermütze für die Nichte

Der Erfolg mit den Häkelmützen tut dem Düsseldorfer Gefängnis gut. Denn generell gibt es nicht genug Beschäftigung. Von 470 möglichen Arbeitsplätzen in dem vor zwei Jahren auf dem Stadtgebiet von Ratingen erbauten Gefängnis sind nur 250 besetzt, trotz voll eingerichteter Schreinerei und Schlosserei. "Ich bin immer auf der Suche nach Arbeit für die Gefangenen", sagt Martin Baer, der Leiter der Arbeitsverwaltung. Den Angaben zufolge fehlt es an externen Aufträgen.

Kristina Wiese, die den Arbeitsbereich im Düsseldorfer Gefägnis leitet, wartet ungeduldig auf Woll-Nachschub. Die Lieferung ist überfällig. "Die würden locker 100 Knäuel in der Woche wegmachen", sagt sie über die häkelnde Gruppe. Im Sommer will sie für den Winter vorproduzieren. Mohamed kann sich vorstellen, mit Häkeln weiterzumachen, wenn er wieder draußen ist. Er würde es auch in der Bahn tun, auf dem Weg von der Arbeit, sagt der junge Mann, der selbst lieber Base-Cap trägt. Für seine kleine Nichte hat er eine hübsche, rosa Kindermütze gemacht, mit zwei Bommeln an der Seite.

she/ Ulrike Hofsähs, DPA / DPA
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