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Gegen ungezügelten Kapitalismus: Anti-Wall-Street-Proteste erreichen Washington

Die Proteste der Anti-Wall-Street-Bewegung greifen auf andere Städte der USA über: Auch in Washington, Philadelphia und Houston gingen die Demonstranten auf die Straße. Ähnliche Aktionen werden am Samstag in Deutschland erwartet.

Die Anti-Wall-Street-Bewegung breitet sich von New York auf weitere Städte in den USA aus. In Washington nahmen am Donnerstag mehrere hundert Menschen an einer Kundgebung auf dem Freedom Plaza auf halber Strecke zwischen dem Weißen Haus und dem Kapitol teil. Auch in Philadelphia und Houston versammelten sich die Demonstranten, um gegen anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und die ungleiche Verteilung von Wohlstand zu protestieren.

Verständnis für die Proteste der Studenten, Arbeiter und Gewerkschafter äußerte ein hochrangiger Vertreter der Notenbank Fed. "Es gibt zu viele Arbeitslose, die Einkommensverteilung ist zu ungleichmäßig", sagte der Fed-Präsident von Dallas, Richard Fisher, vor Geschäftsleuten in Texas. "Wir haben ein frustriertes Volk, und ich kann ihre Frustration verstehen."

Auch US-Präsident Barack Obama äußerte Verständnis für die Proteste: "Die Demonstranten verleihen einer breiteren Frustration darüber, wie unser Finanzsystem funktioniert, eine Stimme", sagte er bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Noch immer würden einige der Leute, die mit ihrem unverantwortlichen Verhalten die Finanzkrise ausgelöst hätten, sich gegen eine stärkere Regulierung stemmen.

Die genauen Ziele sind unklar

Die Protestbewegung hatte in den vergangenen Tagen immer mehr Zulauf erhalten, nachdem Mitte September erste Aktivisten im Zuccotti-Park unweit der Wall Street ein Protestcamp aufgeschlagen hatten. Mittlerweile hat die Bewegung die Rückendeckung von führenden Gewerkschaften. Auch in Los Angeles, Boston, Chicago und anderen Städten haben sich kleine Ableger der Wall-Street-Kritiker formiert.

In Deutschland sind ähnliche Aktionen am Samstag kommender Woche in Berlin und Frankfurt geplant. Die genauen Ziele der heterogenen Gruppe mit dem Motto "Occupy Wall Street" ("Besetzt die Wall Street") sind unklar. Die Liste der Beschwerden reicht von teuren Studiengebühren über die hohe Arbeitslosigkeit bis zu sinkenden Renten. Zusammengehalten wird die Bewegung von der Wut darüber, dass vor allem die Mittelschicht und die ärmere Bevölkerung unter den Folgen der Finanzkrise zu leiden hätten.

fro/Reuters/AFP / Reuters