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Generalstreik gegen Sparpläne: Proteste in Portugal enden in Gewalt

Bisher liefen die Proteste zur Sparpolitik in Portugal friedlich ab. Am Mittwochabend endete der Generalstreik in Lissabon aber gewalttätig. In Spanien bot sich ein ähnliches Bild.

Eine Protestkundgebung von Tausenden von Menschen am Rande des Generalstreiks in Portugal ist am Mittwochabend in Gewalt ausgeartet. Nachdem Demonstranten auf dem Vorplatz des Parlamentsgebäudes in Lissabon Polizisten mit Steinen, Flaschen, Böllern und Farbbeuteln beworfen hatten, gingen die Beamten massiv gegen die Demonstranten vor. Dabei wurden Hunde, Schutzschilder und Schlagstöcke eingesetzt. Danach hätten Polizisten in der Nähe des Parlaments sogar Schüsse in die Luft gefeuert, um Demonstranten auseinanderzutreiben, berichtete die Nachrichtenagentur Lusa.

Im Zentrum der Hauptstadt seien mehrere Feuer gelegt worden, verletzte Demonstranten seien auf der Stufen des Parlaments behandelt worden, berichteten Medien. Kurz vor 21.00 Uhr Ortszeit (22.00 MEZ) sei die Lage in Lissabon noch gespannt gewesen, hieß es.

Im Gegensatz zu Anti-Spar-Protesten in Spanien und Griechenland waren die Kundgebungen in Portugal bisher von Gewalt weitgehend verschont geblieben. Der Chef der Mitte-Rechts-Regierung, #link;http://www.stern.de/wirtschaft/versicherung/passos-coelho-91324010t.html;Pedro Passos Coelho#, sagte, er habe den Einsatz der Polizei nicht gesehen und wolle ihn deshalb vorerst nicht kommentieren. Polizeisprecher Jairo Campos rechtfertigte unterdessen den Einsatz: "Die Beamten wurden 45 Minuten lang provoziert", sie seien "in Gefahr" gewesen. Es habe mehrere Festnahmen gegeben, teilten die Behörden mit.

Generalstreik auch in Spanien

Auch Hunderttausende Spanier haben auf Massendemonstrationen gegen die Sparpolitik ihrer Regierung protestiert. In Madrid und Barcelona kam es im Anschluss an die Kundgebungen zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Gewerkschaften des Landes hatten am Mittwoch im Rahmen eines 24-stündigen Generalstreiks zu Demonstrationen in mehr als 100 Städten im ganzen Land aufgerufen.

Die größten Kundgebungen fanden am Abend in Madrid und Barcelona statt. In Barcelona bezifferte die Polizei die Zahl der Demonstranten auf 100 000, die Gewerkschaften sprachen von einer Million. In Madrid beteiligten sich nach Angaben der Präfektur 35 000 Menschen an der Protestkundgebung, laut Veranstalter sollen es mehr als eine Million gewesen sein.

In Gewalt ausgeartet

In der spanischen Hauptstadt versammelten sich im Anschluss an die Kundgebung etwa 1000 Demonstranten auf dem Neptun-Platz in der Nähe des Parlaments. Randalierer bewarfen Polizisten mit Gegenständen, die Beamten gingen wiederholt mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor. Auch in Barcelona kam es in der Innenstadt zu Auseinandersetzungen. Demonstranten schleuderten nach Medienberichten Steine auf die Sicherheitskräfte. Zwei Polizeifahrzeuge wurden in Brand gesetzt.

Die Gewerkschaften #link;http://www.stern.de/politik/ausland/unmut-in-europa-millionen-protestieren-gegen-sparpolitik-1926267.html;in ganz Europa hatten zu Protesten gegen die Sparpolitik# aufgerufen. In Spanien und Portugal hielten sie erstmals einen gemeinsamen Generalstreik in den beiden Nachbarländern ab.

awö/DPA / DPA