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Gericht erlaubt Rekordversuch: 14-jährige Laura Dekker macht sich auf zum großen Törn

Noch erinnert in Neuseeland nichts an Hollands Segelmädchen. Aber eines Tages könnte man im Jachthafen von Whangarei vielleicht lesen: "Hier wurde Laura Dekker geboren, die als jüngster Mensch allein die Welt umsegelte." Jetzt bekam sie grünes Licht für den Rekordversuch.

Das Boot ist klar, der Wind über dem Atlantik günstig, die Stimmung prächtig. "Ich kann es kaum noch erwarten, ich habe solche Lust darauf!", freut sich die 14-jährige Laura Dekker. Nach einem langen juristischen Streit erklärte das Amtsgericht ihrer niederländischen Heimatprovinz Zeeland am Dienstag alle Auflagen für hinreichend erfüllt. Nun stehen die Chancen gut, dass Laura sich ihren Traum erfüllen kann, als jüngster Mensch solo die Welt zu umsegeln.

Und zwar lange bevor das Verfallsdatum für diesen Rekordversuch erreicht ist. Das wäre der dritte Sonntag im September 2012, vier Tage vor Lauras 17. Geburtstag. Wenn die Schülerin es schafft, bis dahin allein die Welt zu umsegeln, hätte sie die derzeitige Rekordhalterin Jessica Watson besiegt. Die Australierin hatte ihren Törn am 15. Mai 2010 erfolgreich beendet - drei Tage vor ihrem 17. Geburtstag.

Doch völlig gewiss ist ihr ein Erfolg bei weitem nicht: Ganz abgesehen von den Gefahren, die sie nun überwinden muss - von Stürmen bis bedrückender Einsamkeit auf hoher See - ist der weltweite Hype um Teenager-Rekorde groß. Wen würde es wundern, wenn demnächst ein 13- jähriger Argentinier zur Weltumseglung in See sticht oder eine 12- jährige Chinesin?

Überall sehnen sich Kinder nach Abenteuern. Auch wenn die meisten ihre Fähigkeiten in weniger gefährlichen Heimatgefilden erproben, wollen sie wenigstens vom ganz großen Auftritt träumen können. Und sie suchen sich Vorbilder. Idole, die nicht oder kaum älter sind als sie selbst, wie auch die Erfolge von Teenie-Bands zeigen.

Zudem stehen Sponsoren Schlange, sobald das Medieninteresse an kühnen Teenager-Taten groß genug ist. Es locken Werbe-, Buch- und vielleicht gar Filmverträge. Stellvertretend für Laura hat jetzt schon mal deren Großmutter Riek Dekker "zugeschlagen". Ihr Buch "Segelmädchen Laura Dekker" wurde für den Herbst angekündigt.

Da geht es noch gar nicht um den eigentlichen Rekordversuch. Doch selbst die Vorgeschichte ist abenteuerlich, romantisch und dramatisch genug für einen Bestseller. Drei Jahre segelten Bootsbauer Dick Dekker und seine deutsche Frau Barbara Müller schon um die Erde, als sie in Neuseeland einen Zwischenstopp einlegen mussten: Im Town Basin, dem Jachthafen von Whangarei, erblickte Baby Laura am 20. September 1995 das Licht der Welt.

Zufall oder nicht: Ähnlich wie ihre schwimmende Wiege sieht Lauras neues Boot aus. Es ist eine 11,30 Meter lange, 3,60 Meter breite, aus zweiter Hand erworbene Jeanneau Gin Fizz 37 mit zwei Masten. Auch sie heißt "Guppy" wie die alte, als zu klein und leicht befundene Hurley 700. "Meine neue Jacht ist enorm", schwärmt Laura auf ihrer Website. "Vergesst nicht, ich wurde auf einem Zweimaster geboren!"

Und was seitdem nicht alles passiert ist! "Sie hat die ersten vier Jahre auf hoher See verbracht", sagt Lauras Anwalt immer wieder gern. "Dieses Mädchen hat Meersalz im Blut." So entwickelte sich Laura von frühester Kindheit an zur passionierten Seglerin. Bald schon schipperte sie gern mutterseelenallein von Holland nach England.

Mit 13 gab die "Meernixe" voriges Jahr ihren Plan bekannt, als jüngster Mensch solo die Welt zu umsegeln. Hollands manchmal allzu eifrige Behörden sagten "Nee, Meisje", stellten das Kind unter Aufsicht und schränkten das Erziehungsrecht des Vaters ein.

Da waren die Eltern schon einige Jahre geschieden. Die Mutter bekämpfte Lauras Pan. Das Mädchen wurde bockig, schwänzte die Schule. Gerichte stellten immer neue Bedingungen. Das ganze Land diskutierte mit. "Es geht ums Prinzip", sagte Jura-Professorin Christina de Boer. "Wer entscheidet über ein Kind - die Eltern oder der Staat?"

Kurz vor Weihnachten 2009 wurde es dramatisch. Laura drehte durch. Sie haute ab in die Karibik, auf die Niederländischen Antillen, und versuchte ein Segelboot zu bekommen. Da war ihr Gesicht schon so oft in Zeitungen und im Fernsehen gewesen, dass Urlauber sie sofort erkannten - und der Polizei einen Tipp gaben.

Laura schien an der Macht von Erwachsenen zu zerbrechen. Endlich hatte Mama Barbara ein Einsehen. Nach "langen Gesprächen" stimmte sie dem Solo-Törn zu. "Ich weiß, dass sie das kann. Sie ist ein starkes Mädchen", erklärte sie kürzlich. Das half, die Richter zu überzeugen, und es dürfte im Buch der Oma vorkommen. Bestimmt wird das nicht der letzte Laura-Schmöker. Auch Filmemacher haben schon Interesse bekundet.

Thomas Burmeister, DPA / DPA