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Geschlechterdebatte: Katholische Kirche wagt Schritt in Richtung Gleichstellung

Die katholische Kirche weiß, dass sie beim Thema Gleichberechtigung großen Nachholbedarf hat. Deshalb diskutiert sie seit einiger Zeit über die Einrichtung eines Frauendiakonats.

In der Frauenfrage wird die katholische Kirche "als vorgestrig wahrgenommen". Diese Einschätzung stammt von Kurienkardinal Walter Kasper. Er gilt als einer der Verfechter des Diakonats für die Frau, das am Wochenende auch vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, unterstützt wurde. Er forderte zum Abschluss der Diözesanversammlung in seinem Heimaterzbistum Freiburg eine entsprechende Reform. Ob sich dadurch der Spielraum der Frauen tatsächlich vergrößert, ist allerdings fraglich.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Diakonat?

Das Diakonat ist die erste Weihestufe in der katholischen Kirche etwa für Priesteramtskandidaten. Aber diese Weihe können auch andere Männer erhalten, die in der Kirche arbeiten wollen - auch Verheiratete. Sie sind dann unter anderem befugt zu predigen, zu taufen, zu beerdigen und bei Eheschließungen zu attestieren. Sie dürfen jedoch nicht die Beichte abnehmen und das Abendmahl zelebrieren. In vielen Gemeinden gelten sie als "Mini-Priester", Kritiker schmähen sie als "geweihte Seitenumblätterer".

Wie wird die mögliche Zulassung von Frauen zum Diakonat begründet?

Grundsätzlich gilt in der katholischen Kirche, dass nur Männer geweiht werden können. Dies wird mit dem Vorbild und der Lehre Jesu Christi begründet. Allerdings gibt es in der Tradition der Kirche auch Hinweise auf Frauen in diakonischen Funktionen. Ihre Blütezeit wird auf das dritte bis zehnte Jahrhundert datiert. In den Ostkirchen ist diese Tradition bis heute lebendig. Bei den Katholiken geriet sie im Mittelalter in Vergessenheit oder wurde verdrängt.

Was bedeutet es, wenn Frauen Diakonin werden können?

Wenn Frauen dafür geweiht würden, wäre das für sie der erste Schritt ins Priesteramt - eine Revolution. Doch davon ist zurzeit keine Rede. Das Diakonat der Frau soll auf Grundlage des Kirchenrechts umgesetzt werden - und das schließt die Weihe für Frauen aus. Es müssten eigene Regelungen gefunden werden, erläuterte Kurienkardinal Walter Kasper vor zwei Monaten in einem Vortrag vor den deutschen Bischöfen. Er spricht sich für ein Diakonat aus, dass die Frauen zu pastoralen, caritativen, katechetischen und bestimmten liturgischen Diensten beauftragt. "Auch ein solches Sakramentale hätte an der sakramentalen Grunddimension der Kirche teil, wenngleich nicht in derselben "Dichte" wie ein Sakrament."

Wie beurteilen katholische Frauen diesen Vorstoß?

Das neu zu schaffende Amt wird im Grunde wenige bis keine neuen Aufgaben mit sich bringen. Schon jetzt können Pastoralreferentinnen predigen und beerdigen. Allerdings ist der Titel "Diakonin" nicht zu unterschätzen. Und so sind die Kompetenzen allein das Netzwerk Diakonat der Frau denn auch nicht maßgeblich. Das Diakonat ist für sie neben dem Priestertum die zweite Säule des Bischofsamtes. Wenn Frauen diesen Titel bekommen - unter welchen Umständen auch immer - ist dies eine Anerkennung. Zudem ist es ein erster Schritt, die alte Tradition wiederzubeleben. Frauen, die eine volle Gleichberechtigung in der Kirche anstreben, dürften von diesem Vorschlag eher enttäuscht sein.

Welche Rolle spielt der neue Papst?

Das ist angesichts seiner kurzen Amtszeit schwer einzuschätzen. Papst Franziskus hat bislang einige unkonventionelle Schritte unternommen, unter anderem hat er bei der traditionellen Fußwaschung erstmals auch zwei Frauen bedacht. Es scheint durchaus denkbar, dass er dem Vorstoß seinen Segen gibt.

Ingo Senft-Werner, DPA / DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?