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Gesellschaft: Deutschland kinderärmstes Land Europas

In Deutschland wachsen gemessen an der Gesamtbevölkerung so wenig Kinder und Jugendliche auf, wie in keinem anderen Land Europas. Nur 16,5 Prozent der über 81 Millionen Menschen sind jünger als 18 Jahre.

In Deutschland leben immer weniger Kinder. Zwischen 2000 und 2010 sank die Zahl um gut zwei Millionen auf 13,1 Millionen und wird nach Angaben des Statistischen Bundesamtes weiter abnehmen. Der rückläufige Trend werde sich fortsetzen, sagte Behördenchef Roderich Egeler am Mittwoch in Berlin. War zur Jahrtausendwende noch etwa jeder fünfte Einwohner jünger als 18 Jahren, so dürfte es 2060 nur noch jeder siebte sein. Vor allem im Osten ist der Rückgang gravierend: Binnen zehn Jahren sank die Kinderzahl dort um rund 29 Prozent, im Westen nur um zehn Prozent. Als Grund für den Unterschied nannte Egeler sinkende Geburtenraten im Osten und Abwanderung in den Westen.

Auch die Familienstrukturen weichen voneinander ab: Im Westen leben knapp 80 Prozent der Kinder bei ihren verheirateten Eltern, im Osten sind es weniger als 60 Prozent. Hier wachsen mit 17 Prozent fast drei Mal so viele in Lebensgemeinschaften auf als im Westen (sechs Prozent) und auch mehr bei einem alleinerziehenden Elternteil. Bundesweit lebt jedes vierte Kind als Einzelkind, etwa jedes zweite mit einem Bruder oder einer Schwester.

Bessere Betreuung - Zielmarke noch nicht erreicht

Die Betreuung für Kleinkinder in Kitas oder bei Tagesmüttern hat sich zwar deutlich verbessert, dass Ziel der Regierung ist aber noch nicht erfüllt. 2006 betrug die Betreuungsquote von unter 3-Jährigen noch 14 Prozent, bis März 2010 stieg sie auf 23 Prozent. Die Regierung peilt eine Quote von rund 38 Prozent an. "Um das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, bis 2013 insgesamt 750.000 Betreuungsplätze für unter 3-Jährige zur Verfügung zu stellen, müssen bis dahin noch rund 280 000 Plätze zusätzlich geschaffen werden", erklärten die Statistiker.

Kinder sind allgemein nicht stärker armutsgefährdet als der Durchschnitt der Bevölkerung, betonte Egeler. 2008 lebten 15,5 Prozent aller Menschen in Deutschland armutsgefährdet, bei den Kindern waren es 15,0 Prozent. "Kindern, die in Haushalten von Alleinerziehenden leben, gehören jedoch nach wie vor zu den am stärksten armutsgefährdeten Personen in Deutschland." Für ein Drittel der Kinder von Alleinerziehenden stellen staatliche Gelder die Haupteinnahmequelle der Familie dar.

Die umfangreiche Studie ergab ferner, dass sich Eltern bei Scheidungen immer häufiger das Sorgerecht teilen und dass immer mehr Kinder (45 Prozent) Gymnasien besuchen. Töchter ziehen zudem meist eher von Zuhause aus als Söhne. Während 38 Prozent der jungen Männer mit 25 Jahren noch im "Hotel Mama" wohnen, tun dies nur 21 Prozent der jungen Frauen.

DPA/Reuters / DPA / Reuters