HOME

GESPERRT! Jobwechsel: Die Sehnsucht nach dem Neuanfang

Eine Kündigung, ein nörgelnder Chef, zu wenig Herausforderungen – irgendwann kommt fast jeder im Beruf mal an den Punkt, wo er sich fragt: Wie will ich eigentlich arbeiten? Was ist aus meinen Träumen geworden? Dann geht der Gedanke an den Jobwechsel nicht mehr aus dem Kopf. Der stern sprach mit Menschen, die das Wagnis eingingen – und ihr Glück fanden.

Von Silke Gronwald und Roman Heflik

Immer abends kamen die Tränen. Milla Stroh fuhr mit dem Zug nach Hause. Draußen war es längst dunkel; das Abteil beinahe menschenleer. Wie so oft hatte sie gerade einen elfstündigen Arbeitstag hinter sich, hatte endlose Zahlenkolonnen aneinandergereiht und mal eben schnell eine Präsentation fertiggestellt. Sie hatte sich beherrscht, als sich ihr Chef alle fünf Minuten nach "dem Stand der Dinge" erkundigte und sie ihm am liebsten entgegengeschleudert hätte: "Mensch, lass mich doch einfach mal in Ruhe arbeiten." Und mal wieder hatte sie, als am Ende des Tages alles gut gelaufen war, kein einziges Wort des Lobes gehört.

"Im Zug war es dann vorbei mit der Beherrschung. Ich konnte nur noch heulen - vor Frust, vor Enttäuschung, vor Stress", erzählt die 33-Jährige über ihre Zeit als Controllerin bei der Allianz-Versicherung in Stuttgart: "Ich war todunglücklich. Aber alle um mich herum haben gesagt, du hast doch einen tollen Job, bei einer großen Firma mit einem guten Namen. Du hast eine sichere Perspektive. Also habe ich den Fehler bei mir gesucht. Willst du zu viel vom Leben? Bist du vielleicht zu anspruchsvoll?" Dreieinhalb Jahre führte sie den Kampf mit sich selbst. Im Sommer 2008 siegte der Mut über die Verzweiflung. Milla Stroh kündigte bei der Allianz.

War das schon alles?

Noch mal von vorn anfangen. Alles auf null stellen. Irgendwann kommt fast jeder einmal an den Punkt, an dem er sich fragt: "Was ist eigentlich aus meinen Träumen geworden? Soll es das jetzt schon gewesen sein?" Spätestens an Silvester, wenn die Sektkorken knallen, fängt das Grübeln an: "Was wäre, wenn ich alles hinschmeiße? Mein Leben noch mal umkrempel?" Nichts erscheint in einem solchen Moment so verheißungsvoll wie ein Neuanfang, und kaum etwas macht gleichzeitig so viel Angst wie dieser Sprung ins Ungewisse.

Milla Stroh träumte von der Welt der Mode, von silbernen Pumps und glitzernden Tops, von Moskau und Paris, von Gucci und Prada, nicht von Policen und Krediten, von grauen Anzügen, Excel-Tabellen und Power-Point-Präsentationen. Doch Jobangebote bekam die Stuttgarterin, die vier Sprachen fließend spricht und schon während ihres MBA-Studiums ein Faible für Marketing und Konsum entwickelte, nur wieder als Zahlendreherin.

Im Herbst 2008 hatte Milla Stroh gut 50 Bewerbungen geschrieben. Die sechs Wochen Kündigungsfrist neigten sich dem Ende, aber noch immer war kein Job in der Modebranche in Sicht. Die Lage wurde brenzlig. Also setzte sich Milla Stroh kurzerhand in den Flieger nach Moskau. Ihr Ziel: die internationale Modemesse CPM. "Am Anfang kostete es eine wahnsinnige Überwindung, die Leute einfach so anzusprechen. Um manche Stände bin ich dreimal herumgelaufen, bevor ich mich getraut habe." Viele der Messehostessen wollten die junge Frau erst mal abwimmeln. Milla Stroh kämpfte sich zu den Verantwortlichen durch. Mit Erfolg. Ihr Charme und ihr professionelles Auftreten überzeugten die Geschäftsführerin der Textilfirma Steilmann. Seit 1. Januar baut sie für den Konzern das Russlandgeschäft für die Premiummarken auf.

Neue Arbeit - neues Glück. Rund acht Millionen Menschen fangen in Deutschland pro Jahr einen neuen Job an. Die meisten wechseln schlicht den Arbeitgeber, manche kämpfen sich aus der Arbeitslosigkeit heraus, und ein paar gründen ihre eigene Firma. Der stern hat Menschen getroffen, die den Sprung gewagt haben. Da wird aus dem Diakon ein Bergführer, aus der Headhunterin eine Totengräberin oder aus dem Chirurgen ein Trucker.

Die entscheidenden Kriterien finden

Die Kündigung, ein ständig nörgelnder Chef, eine Depression - oft sind Krisen Auslöser für Veränderungen. Situationen, die einen innehalten lassen, die einen zwingen, das eigene Leben noch mal zu überdenken. Die berühmten "jetzt oder nie"- Momente, die zeigen, dass die Chance gekommen ist, das Leben anders anzugehen. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen Unternehmen wie Nokia über Nacht ganze Werke in Billiglohnländer verlagern, wo Traditionshäuser wie Hertie Insolvenz anmelden und komplette Branchen ums Überleben kämpfen, wo die Euphorie des Aufschwungs der Furcht vor der Rezession weicht, fragen sich viele: Was passiert eigentlich, wenn es meinen Job mal nicht mehr gibt? Wie sieht mein Plan B aus?

Das Leben selbst in die Hand nehmen. Sich nicht als Opfer der Umstände zu fühlen kostet Kraft. Aber es ist auch gesund. Denn kaum etwas ist schlimmer als die ewige Trauer über verpasste Chancen, das Verharren in einer misslichen Situation. Was ist mir wichtig? Wofür springe ich freiwillig morgens aus dem Bett? Was fasziniert mich so, dass ich dafür die Nacht durcharbeiten würde? Berufsberaterin Uta Glaubitz, die seit zwölf Jahren Menschen bei der Wahl des richtigen Jobs hilft, sagt: "Zu entdecken, was einen wirklich antreibt, ist oft ein besserer Ratgeber als die nackte Statistik des Arbeitsamtes, die nur zeigt, wo es wie viele offene Stellen gibt."

Bei Guido Keller war es die Leidenschaft für Wein. Vor allem für Bordeaux. Nach Feierabend tüftelte der Daimler-Angestellte in seinem Gewölbekeller die richtige Zirkulation und Luftfeuchtigkeit für die Lagerung seiner edlen Flaschen aus. Der Schwabe fachsimpelte mit Freunden und entdeckte, dass es mehr gibt als Trollinger und Lemberger. Ein schönes Hobby für einen erfolgreichen Auto-Mann, mehr nicht. Bis zu dem Tag, an dem er vor die Wahl gestellt wurde: Entweder du gehst in die Altersteilzeit oder kassierst eine Abfindung. Der damals 53-Jährige kam ins Grübeln. Wie wäre es wohl, einen kleinen Weinladen aufzumachen? Zwei Tage vor Heiligabend unterschrieb er seinen Aufhebungsvertrag und startete seine neue Karriere als Weinhändler in Stuttgart. Obwohl er wusste: "Das Unternehmen ist finanziell ein großes Risiko für mich. Gerade in meinem Alter."

Es ist die große Furcht: Was passiert, wenn ich scheitere? Sich der Traum als Albtraum entpuppt? "Die Angst ist ein ganz natürlicher, guter Reflex. Wir werden uns der Gefahren bewusst und sehen genauer hin", sagt die Münchner Karriereberaterin Madeleine Leitner. Denn natürlich muss man sich fragen: Nehme ich mir nicht zu viel vor? Für den Psychologieprofessor Heinrich Wottawa von der Uni Bochum steht an erster Stelle eine ehrliche Selbsteinschätzung. Exklusiv für den stern hat er einen Leitfaden mit den wichtigsten Fragen für den neuen Lebensentwurf entwickelt. Angefangen von der Stärke des Veränderungswunschs bis hin zur Nutzen-Risiko-Abwägung: Wie schlimm ist es, wenn es nicht klappt?

"Dann habe ich es wenigstens versucht"

Christine Bohnsack, die seit einem Jahr Möbel restauriert und neu gestaltet, sagt: "Dann habe ich es wenigstens versucht." 17 Jahre lang hat die gelernte Industriekauffrau zuvor beim Hamburger Elektronikkonzerns Philips gearbeitet. Einige ihrer Kollegen kannte sie besser als manches Familienmitglied. "Bis uns im März 2006 unser Chef mitteilte, dass wir zu teuer sind und die Abteilung nach Budapest verlagert wird." Mit einem Schlag war Christine nicht mehr "Business Fulfillment Driver in Customer Partnership", wie sich ihr Job nannte, sondern ein "Nix".

"Ein berufliches ‚Nix‘ zu sein ist wohl das Schlimmste, was uns in unserem Arbeitsleben passieren kann", sagt Professor Johannes Siegrist, Leiter des Instituts für Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. "Der Job definiert große Teile unserer Identität." Und die lässt sich nicht mal eben so neu erfinden - auch wenn so mancher locker-flockig geschriebene Ratgeber etwas anderes suggeriert.

Christine Bohnsack etwa stand zunächst vor einem Loch. Etwas Kreatives, gern auch Handwerkliches sollte der neue Job mit sich bringen. Auch selbstbestimmter wollte sie arbeiten. In den ersten Monaten kam es ihr allerdings vor, als ob es keinen Meter vorwärtsginge. Sie verbrachte mehrere Monate als Praktikantin in einer Tischlerei, lernte die Fassmalerei und arbeitete nebenbei für Freunde ein paar Möbel auf. Aber erst, als sie eine alte Kinderschulbank in ein kleines Schmuckstück verwandelte, wusste sie: "Das ist es."

Überzeugungsarbeit leisten

Zunächst half noch das Geld vom Arbeitsamt über die Runden. Doch der Existenzgründerzuschuss läuft in den nächsten Monaten aus. Und was kommt dann? Sicherheitshalber hat sich Christina Bohnsack um einen Halbtagsjob beim Hamburger Forschungszentrum Desy bemüht. "So kann ich weiter mein Geschäft aufbauen und trotzdem ohne Existenzängste ins Bett gehen. Das freut auch meinen Mann." Zu Hause musste die 38-Jährige nämlich erst einmal Überzeugungsarbeit leisten, bis ihr Ehemann an ihre Geschäftsidee glaubte.

Auch Oliver Birükof sagt: "Mein Neustart war eine Belastung für die Partnerschaft." Der Nürnberger schmiss seine sechsjährige Ausbildung zum Diakon und begann ein Praktikum als Outdoortrainer in der Nähe von Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern. Gut 500 Kilometer trennten ihn und seine Freundin über viele Monate. Aber die beiden waren sich einig, "eine Beziehung darf kein Gefängnis sein". Heute leben die zwei wieder zusammen in Tübingen, wo sich Oliver Birükof eine eigene Existenz aufbaut.

Alles auf Null - viele Ehefrauen und -männer sind von der Idee ihres Partners wenig begeistert. Wovon soll jetzt die Eigentumswohnung abbezahlt werden? Bleibt in der neuen Berufung auch noch Zeit für die Familie? Leidet das Ansehen bei Freunden und Bekannten? Beraterin Uta Glaubitz hat regelmäßig aufgeregte Ehefrauen in der Leitung. "Die flehen mich geradezu an, dass ich ihren Gatten überrede, Diplomat oder Anwalt zu werden. Eine drohte sogar mit der Scheidung, falls ihr Mann Heilpraktiker werden wollte."

Wenn Konventionen nicht mehr relevant sind

Der freiwillige Verzicht auf Geld, Karriere und Ansehen gleicht in unserer leistungsund prestigeorientierten Welt noch immer einem Tabubruch. Ein Arbeiterkind darf, ja soll sich danach sehnen, Arzt oder Astronaut zu sein. Will hingegen ein Akademikerkind Schuster werden, wird ihm diese "Schnapsidee" schnell ausgeredet.

Einer, der sich von solchen Konventionen gelöst hat, ist Markus Studer. Der Schweizer ist Lieblingsgast zahlreicher Talkshows. Mit wohligem Gruseln können die Zuschauer auf ihrem Sofa sitzen und dem Arzt lauschen, der freiwillig Fernfahrer wurde. Wie sein früheres Einkommen schlagartig auf weniger als ein Zehntel zusammengeschnurrt ist, wie er stundenlang auf der rechten Spur durch Europa kriecht und sich schließlich an einer lärmenden Autobahnraststätte zum Schlafen auf die Pritsche hinter seinem Fahrersitz haut.

In seinem früheren Leben war Markus Studer einer der führenden Herzspezialisten Europas, Leiter einer renommierten Privatklinik in Zürich. Eines Tages beschloss er, nun müsse Schluss sein mit den Herzen. "Ich wollte auf dem Höhepunkt meiner Karriere aufhören." Zuerst nahm der Chirurg an seinen operationsfreien Tagen Lkw-Fahrstunden. Dann zog er sich ganz aus dem OP zurück und fuhr bei anderen Truckern mit. "Ich wollte das Leben auf der Straße erst mal ausprobieren." Nach einem halben Jahr kaufte er sich von seinen Ersparnissen eine Zugmaschine. Blutrot, 460 PS, mit Turbolader und verchromten Dachscheinwerfern. Kostenpunkt: 100.000 Euro. Auch die muss man erst mal haben. Der Vater von drei Kindern erfüllte sich damit einen Kindheitstraum und genießt heute die neue Freiheit auf dem Fahrersitz. Manchmal nimmt er ehemalige Kollegen aus dem Spital mit. "Damals haben sie amüsiert die Augenbraue hochgezogen, heute freuen sie sich wie kleine Kinder, wenn sie mit mir quer durch Europa rollen dürfen."

Nur zwölf Prozent der Deutschen leben wirklich für ihren Beruf, sagt eine Studie des Marktforschungsinstituts Gallup. 88 Prozent spüren keine echte Verpflichtung gegenüber ihrem Arbeitgeber. Und jeder Fünfte gibt zu, dass er bereits innerlich gekündigt hat. Die immer gleichen Abläufe und Routinen lähmen den Antrieb und führen zu Frust. Und dann biegt sie plötzlich um die Ecke, die große Frage nach dem Sinn. Bei dem einen schon mit 25 Jahren, bei vielen so um die 40. Mit einem Mal schießt durch den Kopf, was sonst immer beiseite geschoben wurde. "Wozu lebe ich? Für wen mache ich das hier eigentlich?"

Christine Petermichl, 53, suchte in ihrem alten Job nach Antworten und fand keine. Jahrelang hatte die Betriebswirtin für eine der weltweit führenden Personalagenturen Führungskräfte angesprochen. Oft arbeitete sie zwölf Stunden oder länger, sie sprach mit Topmanagern, doch abends stellte sich bei ihr regelmäßig dieses Gefühl der Leere ein. Die Personalexpertin meldete sich für ein Karriereseminar an, und nach vielen Sitzungen kristallisierte sich langsam ein neuer Weg für Christine Petermichl heraus. Und der ging ungefähr so: "Ich möchte etwas Sinnvolles tun. Ich will Menschen helfen. Ich kann gut organisieren und mich in andere einfühlen."

Viele Sozialberufe schieden für die zierliche Endvierzigerin aus. Bis sie auf den Job des Trauerbegleiters stieß. "Das fand ich spannend", sagt sie, "und Angst vor Toten hatte ich auch noch nie." Selbstbewusst marschierte die Frau in das Beerdigungsinstitut Aetas neben dem Münchner Westfriedhof. "Ihr braucht jemanden wie mich, jemanden mit Lebenserfahrung." Christine Petermichls erster Todesfall war ein 17-Jähriger, der sich selbst umgebracht hatte. "Das war natürlich hart. Aber wenn die Angehörigen einen an etwas so Intimem wie ihrer Trauer teilhaben lassen, ist das wie ein Geschenk."

Die Notbremse ziehen

Neuanfänge sind anstrengend, für den Körper und für die Seele. Aber sie befreien auch. Karin Krebs bringt es auf den Punkt. "Der Traum, der nie beginnt, schmerzt am längsten", sagt sie. Auch wenn der Weg dahin manchmal "durch die Hölle führt" und sich wie "der blanke Horror" anfühlt. Solche Worte fallen, wenn Krebs ihre Geschichte erzählt.

Die gelernte Bankkauffrau führte zusammen mit ihrem Mann Gerhard ein kleines EDV-Unternehmen mit sechs Angestellten. Parallel dazu hatte Gerhard Krebs einen Beratervertrag bei der Telekom. Den kümmerlichen Rest ihrer Zeit fraß die Erziehung der beiden kleinen Kinder auf. "Eines Tages habe ich dann zu meinem Mann gesagt, wenn wir so weitermachen, haben wir beide in spätestens einem Jahr einen Herzinfarkt." Eine Pause musste her. Zunächst war es nur ein "Päuschen". Ein zweiwöchiger Reiterurlaub in Tirol. Gerhard Krebs stieg mit seinen 40 Jahren zum ersten Mal auf ein Pferd. "Und seitdem bin ich nicht mehr abgestiegen", scherzt er. Sechs Wochen nach dem Urlaub kaufte er das erste Pferd, dann das zweite, das dritte.

Heute haben die beiden ehemaligen Computerunternehmer sechs schwarze Friesenwallache und verdienen ihr Geld mit Managementtrainings. Bei Karin und Gerhard Krebs lernen Chefs mithilfe der Pferde ihr eigenes Führungsverhalten kennen. Schritt für Schritt entwickelte das Paar ein Konzept, das mittlerweile weltweit Nachahmer gefunden hat. "Aber als wir 1996 bei der Bank nach einem Kredit über 450.000 Mark fragten, wurden wir nur ausgelacht. Gerade mal 30.000 Mark haben wir bekommen", sagt Gerhard Krebs. Entsprechend lange zog sich der Neustart hin - über zwölf Jahre.

Der Lohn der Mühen

Jetzt haben sie den vorläufig letzten Schritt getan. Weil der alte Hof im Odenwald nicht mehr passte, sind die beiden mit ihren Pferden an die Ostseeküste nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen. "Ein Umzug in unserem Alter ist die Hölle", sagt Karin Krebs. "Ein Teil unserer Möbel steht noch immer in der Kutscherstube, ein paar Kartons im Stall. Wir mussten alles Vertraute hinter uns lassen. Die Freunde, die Arztpraxen, die Geschäfte. Aber jetzt sind wir am Ziel."

Ein geglückter Neustart ist meist kein Geniestreich, sondern ein langer Prozess. Er ist das Ergebnis aus intensivem Nachdenken, viel harter Arbeit und oft auch dem einen oder anderen Kompromiss. Belastbare Zahlen darüber, wie viele Umsteiger Erfolg haben, gibt es nicht. "Aber die Zufriedenheit bei denjenigen, die ihr Leben selbst in die Hand genommen haben, ist sehr groß", weiß der Düsseldorfer Medizinprofessor Johannes Siegrist, der den psychischen Gesundheitszustand von Berufstätigen erforscht.

Vielleicht handeln deswegen so viele Mythen, Sagen und Klassiker der Weltliteratur von Aufbrüchen in eine neue Welt. Für Karin Krebs ist auf jeden Fall ihr Märchen wahr geworden. "Als Mädchen dachte ich immer, du wirst nie ein Pferd haben, nie einen Prinzen heiraten und nie auf einem Schloss wohnen. Und heute habe ich sechs Rappen, einen Ehemann, dessen Herz so groß ist wie ein Königreich, und lebe auf einem prächtigen Gutshof." Karin Krebs denkt kurz nach, dann ergänzt sie: "Auf die gute Fee hoffen, die alle Wünsche erfüllt, darf man allerdings nicht." Denn wer sich nicht selbst auf den Weg macht, wird niemals ankommen.

print