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Geständnis nach Messe: Franziskus treibt sich nachts auf den Straßen Roms herum

Papst Franziskus gibt sich gern volkstümlich. Früher, so erzählte er, arbeitete er als Türsteher in einer Bar. Heute kleidet er sich als einfacher Priester und verteilt nachts Almosen an Obachlose.

Die Alten herzen, die Armen beschenken: Franziskus kümmert sich manchmal undercover um Obdachlose

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Eine klassische Kirchenkarriere, deren Höhepunkt irgendwann im Amt des Stellvertreter Gottes gipfelt, sieht vermutlich anders aus. Zumindest anders als das, was nun von Papst Franziskus bekannt wurde, beziehungsweise, worüber er jetzt selbst, italienischen Medien zufolge, nach einer Messe in Rom berichtete: In seiner Jugend habe er als Türsteher in einer Bar gearbeitet. Ein Job, der ihm ein gewisses Feingefühl für Menschen vermittelt habe, wie er laut "L'Osservatore Romano" sagte. Und wenn es stimmt, was die "Huffington Post" berichtet, dann lebt er seine Empathie immer noch an Obdachlosen aus. Heimlich. Nachts.

Wie das Onlineblatt schreibt, verlässt Franziskus im Schutz der Dunkelheit die Mauern des Vatikans, um im Gewand eines einfachen Priesters Almosen an Bedürftige zu verteilen. Der polnische Erzbischof Konrad Krajewski hatte bereits in einem Interview durchblicken lassen, dass er vom Papst persönlich bei seinen nächtlichen Ausflügen begleitet werde. Mitglieder der Schweizergarde hätten dies nun der "Huffington Post" bestätigt.

Gänswein hatte Probleme mit dem Neuen

Obwohl auch schon andere Päpste diverse Gelegenheiten genutzt haben sollen, den Kirchenstaat heimlich zu verlassen, - Vorgänger Benedikt etwa hatte einmal anonym eine Kunstausstellung besucht - passen diese Almosenausflüge zu Franziskus' unkonventionellen Image. So verzichtet er weitgehend auf einige Amtsprivilegien oder kaufte sich als Auto einen sehr alten Renault 4. Dieser neue Stil scheint auch nicht bei jedem auf Gegenliebe zu stoßen. Papst-Sekretär Georg Gänswein zum Beispiel habe es anfangs als "Affront" gegen seinen Vorgänger Benedikt XVI. empfunden, dass Franziskus sich geweigert habe, die päpstlichen Gemächer im Apostolischen Palast zu beziehen, sagte der Erzbischof und Benedikt-Vertraute der "Zeit".

Der bis heute im Gästehaus des Vatikan lebende Franziskus habe ihm dann aber erklärt, er werde in der Papstwohnung trübsinnig und wolle "unter Leuten" leben. Inzwischen könnten Franziskus und er über die Kontroverse scherzen. Gänswein arbeitet sowohl für seinen langjährigen Chef, den emeritierten Papst Benedikt, als auch für dessen Nachfolger Franziskus. Unter dem Wechsel leide er bis heute. "Ich muss da ehrlich sein mit mir selbst," sagte er der "Zeit". "Das ist ein Schmerz, das Sichabfinden mit der neuen Rolle." Auch habe er den Eindruck, in zwei Welten zu leben.

nik