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Getöteter schwarzer Teenager Michael Brown: Hände hoch, nicht schießen!

Der Tod eines schwarzen Teenagers in den USA, der von der Polizei erschossen wurde, erzürnt mittlerweile das ganze Land. Auf dem Times Square streckten Tausende die Hände in die Luft. #Dontshoot!

Von Oliver Noffke

Vor ein paar Wochen feierte Michael Brown seinen High-School-Abschluss. Es sei nicht leicht gewesen für ihn, sagte seine Mutter einem lokalen Fernsehsender, so wie für viele andere schwarze Männer in den USA. "Sie werden so lange auf einen bestimmten Typ reduziert, bis sie glauben, sie hätten nichts mehr zu verlieren". Vergangenen Samstag wurde der 18-Jährige erschossen - von einem weißen Polizisten. Michael war unbewaffnet. Seitdem herrschen in seiner Heimatstadt Ferguson bürgerkriegsähnliche Zustände.

Da sich die Polizei weigert, Details über den Schützen zu veröffentlichen, geht die Bevölkerung von einem krassen Fall von Rassenhass aus. Die mehrheitlich schwarze Bevölkerung verschafft ihrer Wut auf die Uniformierten jede Nacht erneut Luft. Statt zu deeskalieren, trat die Polizei bislang martialisch auf. In militärisch anmutender Tarnkleidung und mit gepanzerten Fahrzeugen zeigten sich die Beamten auf den Straßen - wie in einem Kriegsgebiet. Tränengasgranaten wurden geschossen und zwei Journalisten kurzzeitig festgenommen. Die Bewohner warfen mit Molotowcocktails und einige plünderten Geschäfte in der Innenstadt des 21.000-Einwohner Ortes. Dass sich die Gemüter schnell beruhigen werden, scheint momentan nicht möglich zu sein. Im Gegenteil. Die Proteste werden lauter und haben sich mittlerweile auf das ganze Land ausgebreitet.

Seit Tagen versammeln sich Abend für Abend Menschen auf dem Times Square, New Yorks glitzernd-fröhlichem Touristen-Mekka, und strecken gemeinsam ihre Hände in die Luft. "Don't shoot", rufen sie, nicht schießen. Letzte nacht kamen Tausende. #Dontshoot ist zum Protest-Hashtag gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt geworden. Zuvor verbreitete sich ein Bild von Studenten der privaten Howard University in Washington D.C. in gleicher Pose viral über Twitter. Howard gehört zu einer Reihe von Universitäten, die vor 1964 zur Ausbildung der afroamerikanischen Bevölkerung gegründet wurden.

Hackerangriffe und getwitterte Trauer

Hacker, die der Gruppe Anonymous zugeordnet werden, spielen nach Ansicht der "New York Times" zusätzlich mit den Emotionen der Bevölkerung. Sie veröffentlichten am Donnerstag den Namen eines Polizisten, der angeblich den unbewaffneten Schüler erschossen haben soll. Eine Falschmeldung. Kurz darauf teilte die Polizei von St. Louis über Twitter mit, dass es zwar einen Angriff auf ihr internes Netzwerk gab, aber kein Zugang zu persönlichen Dokumenten der Beamten möglich war. Die Veröffentlichung soll innerhalb von Anonymous umstritten sein.

Parallel dazu wird unter Netzjournalisten und Bloggern diskutiert, warum das Thema nicht in den Hitlisten sozialer Netzwerke auftritt. Weder #Ferguson noch #Dontshoot waren bei Facebook oder Twitter prominent aufgeführt. Während einige eine Selbstzensur vermuten, sehen andere hier die Nachteile von sozialen Medien aufgeführt. Man sehe eben nur, was momentan Trend ist und nicht, was dauerhaft viel geteilt und diskutiert werde.

Zwar müht sich der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, zu zeigen, dass ihm der Tod eines Teenagers nicht egal ist, egal welche Hautfarbe er hat. Derartige Gesten der Versöhnung und fromme Gebete werden aber auf taube Ohren stoßen. Denn, so schreiben es die Kommentatoren der großen Tageszeitungen, der Tod von Michael Brown sei nur die traurige Spitze dessen, was sich seit Jahrzehnten angekündigt habe. Im "Wall Street Journal" spricht Rance Thomas, der Mitbegründer einer kirchlichen Vereinigung, die sich um ein friedliches Zusammenleben müht, von ähnlichen Protesten vor zwei Jahren, als der Staat aufhörte eine Schule in Ferguson zu fördern. Auch Brown war damals als Schüler von den Streichungen betroffen. Dennoch zog Nixon die örtliche Polizei vorerst ab. Stattdessen übernehmen vorerst Verkehrspolizisten ihre Aufgaben.

Präsident Barack Obama drückte seine Trauer über den Tod des Jugendlichen ebenfalls über Twitter aus. Mit Blick auf die Situation in Missouri forderte er: "Es ist an der Zeit für Ruhe und Frieden in den Straßen von Ferguson."