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Gewalt in Unterkünften: Spannung in Flüchtlingsheimen - kippt jetzt die Stimmung?

In den Flüchtlingslagern kommt es zunehmend zu Spannungen: In Kassel-Calden gab es bei einer Schlägerei 14 Verletzte. Vor allem die Konservativen fühlen nun sich in ihren Warnungen vor "Überforderung" bestätigt.

Fluechtling in Calden

Unfreundliche Geste im Flüchtlingslager Calden bei Kassel

Sind das jetzt bereits die Vorboten der " " und diesen "unbequemen Wahrheiten", vor denen vor allem konservative Politiker seit Wochen sprechen? In Kassel-Calden wurden am Sonntag 14 Menschen nach einer Massenschlägerei in einem Flüchtlingsheim verletzt. Es war der unrühmliche Höhepunkt einer Woche, in der es an diversen Unterkünften zu Auseinandersetzungen kam: So in Ellwangen (Baden-Württemberg) und Heidelberg, im thüringischen Suhl sowie in Leipzig, Dresden und im sächsischen Heidenau. In Hamburg befinden sich Asylbewerber im Hungerstreik, um gegen ihre Verlegung in ein weiteres Massenquartier zu protestieren. 

Jugendlicher schlägt Senior

Braut sich da etwas zusammen, was niemand will, was sich aber auch beim besten Willen nicht immer verhindern lässt? In Calden zum Beispiel eskalierte die Lage, nach zwei Männer aneinandergeraten waren: Offenbar kam es zu einem Streit zwischen einem Jugendlichen und einem etwa 80-jährigen Flüchtling wegen Vordrängelns an der Essensausgabe. Nach einem Wortgefecht habe der Heranwachsende dem Senior ins Gesicht geschlagen, hieß es bei der Polizei. Später kochte der Konflikt dann wieder hoch, gut hundert Flüchtlinge seien zunächst involviert gewesen. Sie schlugen den Angaben zufolge zum Teil mit Gegenständen aufeinander ein, wodurch acht Flüchtlinge verletzt worden seien. Mehrere mussten ins Krankenhaus gebracht werden.


Die Bundesregierung zeigt sich über diese und andere Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünften alarmiert. "Wir beobachten das mit erheblicher Sorge, dass es Gewalttätigkeiten gibt", sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums. Allerdings gebe es Vorfälle nicht nur zwischen Bewohnern, sondern auch gewalttätige Übergriffe gegen Helfer beim Bau von Unterkünften. Die Behörden vor Ort täten das Notwendige, um der Gewalt entgegenzuwirken. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, nach ihrer Religion getrennt unterzubringen, so wie dies in Thüringen bereits gehandhabt wird. Der Sprecher des Innenressorts sagte, es müsse eine Lösung für die jeweilige Unterkunft gefunden werden. "Es gibt sicherlich nicht den Königsweg, der so oder so aussieht.

Auch in Kassel sollen Ethnien getrennt werden

In versucht Walter Lübcke, örtlicher Regierungspräsident, als ersten Schritt, die Unterkünfte zu verkleinern. Er wolle die Zahl der Flüchtlinge in der Unterkunft von derzeit knapp 2000 wieder auf 1500 und im Winter auf 1250 reduzieren. Auch eine ethnische Trennung in den Zelten sei im Gespräch. Dann gebe es ein Zusammentreffen nur in der Essensausgabe, bei der  Sicherheitskräfte positioniert seien. Der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner zeigte sich nicht verwundert über die Gewaltausbrüche. "Was soll dabei herauskommen, wenn junge Männer über Wochen in Einrichtungen sind und ewig lange warten auf ihre Verfahren?" Es gehe jetzt darum, "die Verfahren zu beschleunigen" und "Arbeitsfähige in Arbeit zu bringen", sagte Stegner


Diese Vorkommnisse heizen bei und CSU Union die Debatte um die "Wir schaffen das"-Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an. In der Partei und an der Basis sei die "Euphorie längst nicht so groß wie an der Parteispitze und im Kanzleramt", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch in der "Passauer Neuen Presse". Er forderte, durch die Aufnahme der Flüchtlinge entstehende Probleme zu benennen und "unbequeme Wahrheiten" auszusprechen: "Es kann nicht nur Wohlfühlsprech geben." Die CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner sprach sich für eine "Integrationsvereinbarung" mit den Flüchtlingen aus. "Wer unser Asylrecht in Anspruch nimmt, der muss sich zu unseren rechtsstaatlichen Spielregeln, zu den Grundsätzen unserer Verfassungskultur bekennen", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Bestärkt fühlten sich Kritiker des Regierungskurses von Bundespräsident Joachim Gauck, der gesagt hatte: "Unser Herz ist weit, doch unsere Möglichkeiten sind endlich."

nik/DPA/AFP