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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Kein Charlie-Wagen beim Karneval - das Gift der Unterwerfung

Ein Karnevalswagen in Köln wird aus Angst vor Anschlägen zurück gezogen. Es zeigt: Die Attentäter von Paris hatten Erfolg. Wir müssen das Verhältnis von staatlicher Sicherheit und Freiheit neu denken.

Von Tilman Gerwien

Läuft. Nun doch nicht. Der vom Kölner Karneval exkludierte Charlie-Hebdo-Wagen.

Läuft. Nun doch nicht. Der vom Kölner Karneval exkludierte Charlie-Hebdo-Wagen.

Wir lassen uns das Singen nicht verbieten, das Singen nicht und auch die Fröhlichkeit! - so trällerte einst, es war in den 1970er Jahren, die Schlagersängerin Tina York. Heute ist es mit der Fröhlichkeit nicht mehr so einfach, wie die Tatsache zeigt, dass das Festkomitee des Kölner Rosenmontagsumzugs einen Wagen mit "Charlie-Hebdo"-Motiv aus dem Verkehr gezogen hat. Aus Angst vor Terror-Anschlägen.

Daraus muss man keine Staatsaffäre machen, und wer dem fröhlichen Treiben am Rhein ohnehin mit einer gewissen Ratlosigkeit gegenübersteht (wie der Verfasser dieser Zeilen), wird nicht gleich die Staatstrauer ausrufen wollen. Aber immerhin: Es mehren sich die Zeichen, dass die Anschläge von Paris eben doch Wirkung zeigen - genau die Wirkung, die von den Tätern gewünscht war.

Die billige Forderung

In Dresden sorgte die Polizei kurz nach den Anschlägen mit einem Verbot dafür, dass die Demonstration der "Pegida"-Bewegung nicht stattfinden konnte. Auch hier: Sicherheitsbedenken. Jetzt über die Feigheit der sächsischen Behörden oder – im Kölner Fall – die Hasenfüßigkeit der Karnevals-Organisatoren herzuziehen und "mehr Zivilcourage" zu fordern, ist billig, einer dieser typischen Appelle von Lehnsesselstrategen, die im Zweifel konkret und vor Ort den Preis für den von ihnen eingeforderte Mut ja nicht zahlen müssen: abgerissen Gliedmaßen, getötete Kinder vielleicht.

Ein paar Tage war es ja auch schick, mit "Je suis Charlie "-Schildern durch die Gegend zu laufen. Auch das ein Mut, der nichts kostete und mehr und mehr zur peinlichen Geste verkam, mit der die Schilderträger vor allem eins wollten: für sich selbst mal eben schnell billige moralische Rendite einfahren.

Das Gift in der Seele

Die Wahrheit ist: Die Angst kriecht in unser Land. Wir lassen uns das Feiern verbieten. Und auch das demonstrieren. Nicht immer und überall, aber immerhin schon in Einzelfall. Die Gewaltbereitschaft islamistischer Fanatiker führt zumindest zu einer Abwägung: Muss dieser Karnevalswagen wirklich sein? Ist uns diese Demo wirklich so wichtig? Muss die Familie wirklich genau an jenem Tag am Berliner Hauptbahnhof in den Urlaub fahren, wo die Behörden doch genau für diesen Tag und für diesen Bahnhof eine Terrorwarnung herausgegeben haben? Vielleicht kommt bald die Abwägung dazu: Wollen wir diesen Leitartikel wirklich so veröffentlichen? Klar, wir wollen ja unsere Meinungsfreiheit verteidigen. Aber geht es nicht auch ein bisschen weichgespülter, man muss ja niemanden unnötig provozieren, oder?

Das ist alles noch nicht die "Islamisierung des Abendlandes", die von den "Pegida"-Aktivisten als Schreckgespenst verbreitet wird. Aber immerhin können wir doch schon eins beobachten: Das Gift der Unterwerfung tröpfelt langsam in unsere Köpfe, in unsere Seelen.

Die Freiheit vor der Angst

Nie war offensichtlicher, dass der angenommene Widerspruch zwischen Bürgerrechten und einem starken Staat ein Scheinkonflikt ist. Freiheit ist die Freiheit, keine Angst haben zu müssen. Vor nichts und niemandem. Und Angst muss man nur dann nicht haben, wenn man sich sicher fühlt. Sicher kann man sich aber nur dann fühlen, wenn es einen wehrhaften, funktionierenden Staat gibt, mit allem, was dazugehört: Funktionierende Polizei, effiziente Justiz, exzellente Geheimdienste. Staatliche Sicherheit ist eben gerade nicht die Bedrohung von bürgerlicher Freiheit – sondern ihre zentrale Bedingung.

Darüber sollten wir nachdenken, wenn wir beispielsweise über die Vorratsdatenspeicherung diskutieren. Die alten Reflexe helfen nicht mehr weiter. Die Welt ist nicht mehr dieselbe, seit in Paris das Ungeheuerliche geschah.

Tilman Gerwien, Autor im Berliner stern-Büro, hat mit Karneval nichts am Hut. Mit Meinungsfreiheit schon.

Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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