VG-Wort Pixel

Golfstaaten Empörung über geplante Schwulentests


Es klingt unglaublich: Die Golfstaaten wollen einen Schwulentest bei der Einreise unverheirateter Ausländer einführen. Menschenrechtler reagieren empört. Der Vorschlag sei "ungeheuerlich".

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Pläne der Golfmonarchien, homosexuellen Einwanderern den Aufenthalt auf ihrem Territorium zu verweigern, als "ungeheuerlich" kritisiert. Damit würden lediglich Menschen "weiter stigmatisiert, die aufgrund ihrer wirklichen oder wahrgenommenen sexuellen Orientierung bereits extrem stark diskriminiert und geschmäht" würden, erklärte der Amnesty-Direktor für den Nahen Osten und Nordafrika, Philip Luther. Anstatt weiter Lesben, Schwule, Transgender und intersexuelle Menschen zu benachteiligen, sollten die Behörden in Kuwait deren Diskriminierung abstellen und die Gesetze widerrufen, die einvernehmlichen Sex zwischen Erwachsenen kriminalisieren.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation sollen die vom kuwaitischen Gesundheitsministerium Anfang des Monats erwähnten Pläne auf einer Sitzung des Golfkooperationsrats am 11. November in Oman erörtert werden. Dabei gehe es darum, bei ärztlichen Untersuchungen bestimmter Migranten einen "Pflichttest" vorzunehmen, um deren sexuelle Orientierung herauszufinden. Luther nannte das einen "Angriff auf das grundlegende Menschenrecht auf Privatleben".

Tests sollen reine Abschreckung sein

Zu den Golfstaaten, in denen der Test eingeführt werden soll, gehören Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi Arabien, Bahrain, Katar und Oman. In allen Ländern ist Homosexualität sowieso schon unter Strafe gestellt. Es stehen bis zu zehn Jahre Gefängnis darauf.

Der Grund für die Einführung solcher Tests, so ist zu vermuten, dürfte reine Schikane sein, um Schwule von einer Einreise in die arabischen Staaten abzuschrecken. Wer sich als Unverheirateter einer erniedrigen Untersuchung unterziehen muss, überlegt es sich sicherlich gründlich, ob er sein Vorhaben in die Tat umsetzt. Wissenschaftlich betrachtet ist der Test absoluter Unsinn.

Ein "Akt der Folter"

In anderen arabischen Staaten hat man zumindest das erkannt. So gab es derartige Untersuchungen bis 2011 auch im Libanon. Dort hatte der Ärzteverband aber ein Einsehen und untersagte seinen Mitgliedern die medizinischen Tests. "Solche Techniken bringen nicht das gewünschte Resultat und stellen eine schwere Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Untersuchten dar". Sie seien ein "Akt der Folter".

Tim Schulze mit Agenturen

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker