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Rentendebatte: Was die Grundrente für uns bedeutet: Drei Frauen äußern sich

Dem stern vertrauten Frauen an, welch mickrige Rente sie zu erwarten haben – und warum sie das wütend macht. Nun hat sich die Große Koalition auf die Grundrente verständigt. Also: alles gut? Wir haben nachgefragt. 

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Drei Rentenbescheide, drei ähnliche Sorgen: vielleicht reicht es nicht. Unter dem Hashtag "#meineRenteninformation" haben in den letzten Tagen zahlreiche Frauen öffentlich gemacht, wie schlecht sie im Alter finanziell dastehen könnten. Die dabei verbreiteten Zahlen gehen auf einen Aufruf der Bloggerin und Buchautorin Christine Finke zurück. Einige der Frauen schilderten im stern, was auf ihrem Rentenbescheid steht und warum sie das wütend macht. Nicht zuletzt, weil Frauen im Schnitt weniger verdienen, mehr Brüche in ihrem Lebenslauf haben – schließlich bekommen sie die Kinder, nehmen mehr Elternzeit und tragen meist die Hauptlast der Erziehungsarbeit. Ihre persönlichen Geschichten können Sie hier lesen

Nun, nach monatelangem Ringen, hat sich die Große Koalition auf die Zusatzrente für Geringverdiener mit vielen Beitragsjahren geeinigt: die Grundrente. Sie soll Lebensleistung anerkennen und einen Beitrag zum Schutz vor Altersarmut leisten. So zumindest der Plan von Union und SPD.

Der stern hat drei der Frauen daher erneut kontaktiert und Sie nach Ihrer Meinung gebeten. Was bedeuten die Pläne für sie? Wie gerecht ist die Grundrente? Was fehlt? Hier sind ihre Standpunkte. 

"Eine leichte Verbesserung" – Christine Finke, 53, Bloggerin und Buchautorin, drei Kinder. Das sagt ihr Rentenbescheid: 577,81 Euro

"Es ist fast ironisch – die Grundrente wurde in der Woche beschlossen, in der ich erfuhr, dass ich eine chronische Autoimmunerkrankung habe, die ich auf den Stress der letzten zehn Jahre zurückführe. Ständige Geldsorgen, alles alleine machen, Rosenkrieg bei der Scheidung, reichlich Probleme rund um die Kinder, sowas macht krank. Ich bin jetzt 53, wenn ich weiter so ein stressiges Leben habe, sterbe ich pünktlich zum Renteneintritt mit 65.

Für mich bringt die Grundrente eine leichte Verbesserung, aber die zehn Prozent mehr gegenüber der Sozialhilfe, die vorgesehen sind, machen den Kohl halt auch nicht fett. Die Beitragszeiten bekäme ich zusammen, weil ich einen lückenlosen Rentenversicherungsverlauf habe. Die Ungerechtigkeit aber, dass ich mich seit der Trennung 2009 komplett alleine um drei kleine Kinder gekümmert habe, durch die Scheidung sich meine eigene Rente halbiert hat, und nach dem betriebsbedingten Verlust meiner guten Festanstellung nie wieder Fuß fassen konnte in einem regulären Arbeitsverhältnis, was ich immer wollte, bleibt bestehen. Alleinerziehende mit drei Kindern, Dr.-Titel und über 40 Jahre alt sind einfach nicht der Knaller auf dem Arbeitsmarkt. Und so musste ich nicht nur jahrelang in prekärer Selbstständigkeit und finanzieller Unsicherheit leben mit den Kindern, sondern sehe auch der Altersarmut entgegen. Wie ich nun weiß, seitdem ich die Diagnose habe, ist das schon der beste Fall.

Was also fehlt ist die angemessene finanzielle Würdigung von Sorgearbeit in der Familie. Und zwar gerade für Alleinerziehende, die aufgrund der strukturellen Diskriminierung keine Chance hatten, eine Festanstellung zu finden, die ihren Qualifikationen entspricht."

"Wirkt noch nicht ausgereift" – Andrea, 45 Jahre, Biologin, zwei Kinder. Das sagt ihr Rentenbescheid: 498,29 Euro

"Dass es in Sachen Grundrente eine Einigung gab, ist ja grundsätzlich erstmal nicht schlecht. Die Frage ist nur, wem das tatsächlich etwas bringen wird. Auf jeden Fall denen, die rentenbeitragspflichtig viel gearbeitet, aber wenig verdient haben. Das ist gut. Denen, die unbezahlt gearbeitet haben (zum Beispiel Mütter, pflegende Angehörige ... sagen wir einfach: viele Frauen), wird das nicht so viel bringen, wenn sie die 35 Jahre Arbeit nicht vollkriegen.

Hubertus Heil

Ich kann es bei mir noch gar nicht überschauen, ob ich davon profitieren werde, denn es gibt ja noch einige offene Fragen. Was ist, wenn in Teilen oder sogar hauptsächlich Teilzeit gearbeitet wurde? Insgesamt wirkt das Konzept auch noch nicht ausgereift. Es bleibt weiter spannend. Leider nicht wie im Kino, sondern eher wie bei einer OP am offenen Herzen."

"Nur so geht Selbstständigkeit" – Sabine, Industriekauffrau, 41 Jahre, vier Kinder. Das sagt ihr Rentenbescheid: 748,77 Euro

"Ich finde die Grundrente erst Mal gut. Dass die Prüfung auf Grundrente automatisch erfolgt, ist ein Pluspunkt. Dass sie unabhängig vom Einkommen des Partners ist, finde ich auch gut. Nur so geht Selbstständigkeit. Den Anreiz auf mindestens 35 Jahre Beitragzeit zu kommen finde ich persönlich gut. Das sollte motivieren diese Jahre zu schaffen. Es gibt immer eine Grenze ab wo ein System nicht mehr greift. Das ist beim Wohngeld und Kinderzuschlag auch so. Ich bin sicher die 35 Jahre zu schaffen. Läuft es schlecht, bekomme ich die Grundrente. Läuft es gut, bleibe ich aus eigener Kraft darüber! So ist mein Plan, ich habe ja noch ein paar Jahre bis zur Rente."

fs