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Guerilla-Aktion bei Nazi-Aufmarsch: Dumm gelaufen für die Nazis

In Wunsiedel treffen sich einmal im Jahr Neonazis zu einem Gedenkmarsch. Ein Anti-Rechts-Bündnis hat das diesjährige Treffen geentert und macht aus dem Aufmarsch einen Spendenlauf für den guten Zweck.

Von Uli Hauser

Der Trauermarsch der Neonazis musste an höchst amüsanten Plakaten vorbei.

Der Trauermarsch der Neonazis musste an höchst amüsanten Plakaten vorbei.

Am heutigen Samstag gedenken Rechtsradikale wieder im ober-fränkischen Wunsiedel ihrer Helden: ehemaligen Nazis, die sie mit einem sogenannten Trauermarsch ehren wollen. Seit vielen Jahren protestieren Bürger gegen diesen Aufmarsch. Aber heute wird besonders phantasievoll demonstriert, dass Neonazis weder hier noch anderswo erwünscht sind.

Der Aufmarsch wurde kurzerhand zu einem Spenden-Appell für die Berliner Neonazi-Aussteiger-Initiative "Exit" umfunktioniert. Nach dem Vorbild eines "Charity"-Laufs und mithilfe zahlreicher Spender bringt jeder von Rechtsradikalen gemachte Schritt denen Geld, gegen die Neonazis seit Jahre kämpfen. Über Wochen wurde diese ungewöhnliche Aktion vorbereitet. Die Idee der Jugendinitiativen aus Wunsiedel und den Helfern aus vielen Bündnissen ist recht simpel: die Demonstration so gestalten, als ob es sich um ein sportliches Ereignis für einen guten Zweck handelt. Mit Bannern und Ermutigungen am Wegesrand. Und Mitteilungen, wieviel Spenden pro gelaufenen Meter eingehen.

"Mut gegen rechte Gewalt"

Bereits vor dem Start wurden über zehntausend Euro für "Exit" gesammelt - der Initative, die bisher über 550 Neonazis den Ausstieg aus der Szene ermöglicht hat. Der ehemalige Staatsschützer Bernd Wagner hatte das Projekt 2001 gemeinsam mit dem ehemaligen Neonazi-Kader Ingo Hasselbach und finanzieller Unterstützung der stern-Kampagne "Mut gegen rechte Gewalt" gegründet.

Nicht die erste Guerilla-Aktion

Vor zwei Jahren sorgten die Berliner bereits mit einer ähnlichen Initiative für Aufsehen. Auf dem Neonazi-Festival "Rock für Deutschland" im thüringischen Gera wurden 250 T-Shirts mit dem Aufdruck "Hardcore Rebellen" verteilt. Die Aufschrift hielt aber nur bis zum ersten Waschgang. Danach war der Satz zu lesen: "Was Dein T-Shirt kann, kannst Du auch. Wir helfen Dir, Dich vom Rechtsextremismus zu lösen." Diese Aktion fand damals ein weltweites Echo, von New York bis Tokio.

Spenden Sie mit!

Wenn Sie den Spendenlauf von "Exit" unterstützen wollen: exit: ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH. Stichwort: Spende EXIT-Deutschland Commerzbank BLZ 100 800 00 Konto-Nr. 0906452700

Mehr über die Aktion "Rechts gegen Rechts" finden Sie hier.