HOME

Hamburg: "Der coolste Job der Welt"

Extreme Höhe, Absturzgefahr - nur Industriekletterer können es wagen, die 1100 Fensterscheiben der Elbphilharmonie zu reinigen. Dafür werden sie mit einem spektakulären Ausblick über den Hafen belohnt.

Fensterputzer an der Elbphilharmonie: Dreimal im Jahr kommt die Putzkolonne

Fensterputzer an der Elbphilharmonie: Dreimal im Jahr kommt die Putzkolonne

DPA

Von unten sieht es aus wie Szenen aus einem Actionfilm: Wie Spiderman klettern neun Männer mit schwerer Ausrüstung die rote Backsteinfassade des alten Kaispeichers hoch, auf dem die Elbphilharmonie errichtet wurde. Sie hängen an Seilen, ein kleiner Motor zieht sie allmählich nach oben. Nach ein paar Minuten haben die Männer ihr eigentliches Ziel erreicht: die Glasfassade von Hamburgs spektakulärem neuen Wahrzeichen.

In schwindelerregender Höhe - die höchste Stelle ist 110 Meter hoch - beginnen sie sich langsam abzuseilen. Doch sie sind keine Geheimagenten im Auftrag ihrer Majestät. Ihre Mission: Die 1100 Fensterscheiben wieder zum Strahlen zu bringen.

"Das ist schon der coolste Job der Welt", sagt Industriekletterer Steffen Falkenberg, der seit der Eröffnung der Elbphilharmonie im Januar 2017 dabei ist. "Die Aussicht da oben ist einfach grandios." Manchmal müsse er aufpassen, dass er sich nicht zu sehr von den vorbeifahrenden Schiffen ablenken lässt.

Elphi-Fensterputzer: Abseilen aus schwindelerregender Höhe

Elphi-Fensterputzer: Abseilen aus schwindelerregender Höhe

DPA

"Angefangen hat alles beim Klettern in der Sächsischen Schweiz. Irgendwann wollte ich dann auch beruflich klettern", sagt der Berliner, der zuvor als Schlosser und Feuerwehrmann gearbeitet hat. Die Arbeiten an der Elbphilharmonie seien dabei jedes Mal etwas Besonderes: "Das ist fast wie ein Volksfest. Die ganze Zeit schauen uns die Besucher der Elbphilharmonie beim Arbeiten zu."

Fenster der Elbphilharmonie: Dreimal im Jahr wird gereinigt

Drei Mal im Jahr werden die Fensterfronten der "Elphi" gereinigt. Für die 16.000 Quadratmeter - das ist in etwa die Größe von zwei Fußballfeldern - haben die Industriekletterer rund drei Wochen Zeit. Die größte Herausforderung ist dabei das Wetter. "Man weiß nie, was einen erwartet", sagt Karl Polack (31). Besonders starker Wind macht den Industriekletterern zu schaffen - mit einem Saugnapf halten sie sich dann an den Scheiben fest, damit sie nicht weggeweht werden. Wenn der Wind zu stark weht, müssen sie pausieren. "Jeder Kletterer darf maximal drei Stunden am Stück hängen und höchstens sechs Stunden am Tag", erklärt Polack. Um auf Notfälle reagieren zu können, proben auch die Höhenretter der Feuerwehr den Ernstfall.

Mit einer Teleskopstange mit Bürste reinigen die Kletterer die Scheiben, das Wasser wird über einen Schlauch zugeführt. Es ist ionisiert und reinigt daher besonders gut - Reinigungsmittel sind nicht nötig. In voller Montur sehen die Industriekletterer tatsächlich wie Bergsteiger aus: Helm, Regenzeug, Schutzstiefel, Kletterausrüstung und etliche Karabinerhaken. Pro Putzvorgang belaufen sich die Personalkosten auf rund 50.000 Euro, hinzu kommen 2000 Euro für Gerüste und Material. Das bedeutet: Einmal Fensterputzen bei der Elbphilharmonie kostet 52.000 Euro.

Queen Mary 2 trifft auf Elphilharmonie

Besonders auf der Plaza, der Aussichtsplattform in 37 Metern Höhe, kommen die Fensterputzer den Besuchern sehr nah. Ein Absperrgitter trennt die Männer jedoch von allzu Neugierigen. In Höhe der Foyers können sie auch schon mal auf Musiker treffen - wie auf die Hornistin Claudia Strenkert vom NDR Elbphilharmonie Orchester. Durch ein Video, dass die Elbphilharmonie zu Neujahr verschickte und in dem die Kletterer im Dreiviertel-Takt zu Violinen-Musik wischen, wurden die Fensterputzer selbst zu Stars - der "Window Waltz" wurde mittlerweile bei Facebook und YouTube mehr als fünf Millionen Mal geklickt.

Carola Große-Wilde / DPA