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Hamburg: Totes Baby gibt Rätsel auf

Keine Zeichen von Vernachlässigung: Die Obduktion der kleinen Lara aus Hamburg konnte den Tod des neun Monate alten Säuglings nicht klären. Die Eltern des Kindes sind am Donnerstag wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Rechtsmediziner haben allerdings bei Lara Unterernährung festgestellt.

Die Vermutung, die kleine Lara aus dem Hamburger Problembezirk Wilhelmsburg sei verhungert, hat sich bisher nicht bestätigt. Die 18-jährige Mutter des Mädchens und ihr 21-jähriger Lebensgefährte kamen am Donnerstag frei, nachdem sie am Mittwoch vorläufig festgenommen worden waren. Laut Polizei erbrachte eine gerichtsmedizinische Untersuchung des Kindes zunächst keinen Hinweis auf die Todesursache.

Wilhelm Möllers, Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft, betonte zwar, dass Rechtsmediziner Unterernährung festgestellt hätten. Die Eltern bestreiten jedoch, Lara vernachlässigt zu haben. Gewebeuntersuchungen sollen in einigen Wochen Gewissheit über die Todesumstände bringen.

In der Wohnung des Paares hat die Polizei laut Möllers Babynahrung und Windeln gesehen, im Kinderbett lag ein Fläschchen. Lara sein "in einem guten Pflegezustand" gewesen, "von Verwahrlosung im herkömmlichen Sinne können wir nicht sprechen", sagte der Sprecher. Zudem seien am Körper des Kleinkindes keine Zeichen von Gewalt gefunden worden.

Bereits vor der Geburt hatten Sozialarbeiter nach Angaben des Bezirksamts Hamburg-Mitte die Mutter betreut. Zuletzt hatte sich eine Betreuerin am 3. März vom Wohlergehen des Kindes überzeugt, neun Tage später war ein weiterer Besuch geplant. Die zuständige Betreuungseinrichtung der Diakonie hatte den Eindruck, "dass es gut läuft."

Der Fall erinnert an den Tod der siebenjährigen Jessica, die 2005 in Hamburg qualvoll verhungerte. Hamburger Politiker zeigten sich bestürzt über den möglichen neuen Hungertod. Im Gegensatz zu Jessica war Lara jedoch unter Nachbarn bekannt und wurde nicht versteckt. Zahlreiche Menschen legten Kerzen und Stofftiere vor das Haus der Familie

DPA / DPA