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Hannover: Toter Säugling vor Babyklappe gefunden

Nur wenige Meter von der Babyklappe entfernt hat ein Mitarbeiter des Friederikenstifts in Hannover einen toten Säugling entdeckt. Der kleine Junge ist erfroren. Die Polizei sucht jetzt Zeugen sowie die Eltern des Kindes.

Die Hinweisschilder zur Babyklappe sind nicht leicht zu sehen. Der verwinkelte Zugang über eine Kellertreppe ist durch dichtbewachsene Hecken vor ungewünschten Blicken geschützt. An diesem Ort, an dem Babys anonym und unbeobachtet in sichere und fürsorgliche Hände gegeben werden können, macht ein Pfleger des Friederikenstifts in Hannover am Mittwochvormittag einen erschütternden Fund. Neben der Babyklappe liegt der reglose Körper eines Neugeborenen. Ärzte in der nur wenige Meter entfernt liegenden Notaufnahme versuchen verzweifelt, den kleinen Jungen zu retten. Ihre Bemühungen sind vergeblich.

"Der Pfleger hatte dienstfrei und wollte seiner Freundin die Babyklappe zeigen", sagt die pflegerische Geschäftsführerin des Krankenhauses, Elke Reinfeld. Am unteren Ende der Treppe entdeckte das Paar vor der Glastür mit der Stahlklappe den Säugling. Die beiden - und auch die Ärzte - müssen nach der gescheiterten Rettungsaktion von Seelsorgern betreut werden. "Ich bin völlig fassungslos und erschüttert", lässt die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann von ihrem Sprecher mitteilen.

Das Kind kam erst in diesem Jahr zur Welt

Die Obduktion ergab, dass der am Mittag gefundene Junge an Unterversorgung beziehungsweise durch Kälteeinfluss starb. Der Junge sei offensichtlich erst in diesem Jahr zur Welt gekommen, die Nabelschnur sei noch nicht abgetrennt worden. Eine exakte Todesursache habe sich nicht feststellen lassen, hieß es. Hinweise auf eine Gewalteinwirkung hätten sich nicht ergeben.

Die Rechtsmediziner gehen laut Polizei davon aus, dass das Kind mehrere Stunden vor der Babyklappe gelegen hat, vermutlich seit der Nacht. Bislang konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob der Junge bereits tot abgelegt wurde oder erst an Ort und Stelle gestorben ist. Die Babyklappe wurde versiegelt. Spezialisten des Landeskriminalamtes sollen nun ihre Funktionalität überprüfen. Bei dem toten Säugling wurden mehrere Textilien gefunden - in einem Stoffbeutel befanden sich nach Angaben der Polizei ein weißes langärmeliges T-Shirt sowie ein Frotteetuch. Die Polizei sucht nun Zeugen sowie die Eltern des Kindes.

Die Babyklappe wurde 2001 in einem Nebengebäude des Krankenhauses eingerichtet. "Der Kellerabgang ist nicht videoüberwacht, um es jedem so einfach wie möglich zu machen, ein Baby in die Klappe zu legen", erläutert der kommissarische Leiter der Frauenklinik des Friederikenstifts, Jörg Gade. Erst wenn die Klappe geöffnet wird und ein Baby hineingelegt wird, werden Bilder aufgenommen. Diese werden an eine zentrale Überwachungsstelle nach Hamburg geschickt, und von dort wird die jeweilige Klinik informiert. "In den vergangenen sieben Jahren wurden sieben Säuglinge in das Körbchen gelegt, ein weiterer wurde in der Nähe an einem Fahrradständer gefunden", erläutert Utz Wewel vom Diakonischen Dienst Hannover. Alle acht wurden inzwischen in die ursprünglichen Familien zurückgebracht oder adoptiert.

DPA / DPA
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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?