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Hasch aus der Apotheke Parlament in Uruguay stimmt für Marihuana-Legalisierung


Uruguay ist auf dem besten Weg das weltweit erste Land zu werden, das Marihuana vollständig legalisiert. Doch die Idee der linken Regierung stößt nicht nur auf Begeisterung.

Die Legalisierung von Marihuana ist in Uruguay einen Schritt weitergekommen. Nach 14-stündiger Debatte votierte die Abgeordnetenkammer am Mittwochabend mit 50 zu 46 Stimmen für eine Gesetzesvorlage der Regierungskoalition, die den Anbau und den Ankauf von monatlich bis zu 40 Gramm Marihuana in Apotheken freigibt. Über das Gesetz muss noch im Senat abgestimmt werden, wo die Regierung ebenfalls über eine knappe Mehrheit verfügt.

Privatpersonen dürfen nach dem Gesetzentwurf bis zu sechs Cannabis-Pflanzen züchten. In der Gesetzesvorlage ist auch die Bildung von Marihuana-Clubs von 15 bis 45 Mitgliedern vorgesehen, die bis zu 99 Pflanzen pflegen könnten. Der Anbau und Handel soll von einer staatlichen Kommission kontrolliert werden. Die Konsumenten müssen sich in einem Register einschreiben.

Minderjährigen bleibt der Konsum verboten. Auch wird Werbung jederart für den Konsum von Marihuana in der Gesetzesvorlage untersagt. Bislang ist in Uruguay der Cannabis-Konsum und der Besitz zum persönlichen Bedarf erlaubt, aber der Handel und Anbau verboten.

Opposition und Bevölkerung lehnen Legalisierung ab

Die linke Regierung des Präsidenten José Mujica erhofft sich von der Legalisierung eine effizientere Bekämpfung der Drogenkartelle. Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), José María Insulza, hat die uruguayische Initiative begrüßt. Es gehe um eine Strategie gegen die Drogenkriminalität, die sich angesichts des "Scheitern des Verbots" lohne anvisiert zu werden. Das Ziel sei "nicht die Förderung des Konsums, denn den gibt es ja schon", sagte der Abgeordnete Sebastian Sabini, der den von Präsident José Mujica befürworteten Gesetzesentwurf im Unterhaus vorgestellt hatte. Dafür solle das Geschäft mit den Drogen aus den Fängen der Mafia befreit und damit eine wichtige Finanzierungsquelle des organisierten Verbrechens trockengelegt werden.

Der amerikanische Kontinent leidet stärker als jede andere Weltregion unter Drogengewalt: Auf 100.000 Einwohner kommen pro Jahr 16 Morde, die zweithöchste Rate nach Afrika. Hauptursache ist der Verteilungskampf um das Milliardengeschäft mit Kokain, Marihuana und anderen Betäubungsmitteln. Über geeignete Gegenstrategien wird seit langem gestritten. Alle Oppositionsparteien in Uruguay und die Mehrheit der Bevölkerung sind gegen eine Legalisierung. So wird das Gesetz nach einer jüngsten Umfrage nur von 26 Prozent der Befragten unterstützt, während 63 Prozent sich dagegen aussprachen.

Nach Angaben des Nationalen Drogenrates konsumieren 120.000 der 3,2 Millionen Uruguayer regelmäßig Cannabis, jeder sechste davon täglich. Alljährlich werden demnach mehr als 20 Tonnen des Rauschmittels auf den Markt gebracht, was einem Gegenwert von 30 bis 40 Millionen Dollar (23 bis 30 Millionen Euro) entspricht.

vim/DPA/AFP DPA

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