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Bewegender Erlebnisbericht: "Wenn plötzlich alles anders ist": Feuerwehrchef muss zu Unfall seines eigenen Sohnes ausrücken

Ein Feuerwehrchef aus Nordrhein-Westfalen wird mitten in der Nacht zu einem Verkehrsunfall gerufen, an dem sein eigener Sohn beteiligt ist. Auf Facebook schildert er den emotionalen Einsatz - und rührt damit Menschen weltweit.

Frontalzusammenstoß in Hattingen im Ennepe-Ruhr-Kreis

Frontalzusammenstoß in Hattingen im Ennepe-Ruhr-Kreis: Am Unfallort stellte ein herbeigerufener Feuerwehrmann fest, dass sein eigener Sohn unter den Verletzten war.

"Wenn plötzlich alles anders ist", so beginnt Feuerwehrmann Frank Schacht seine Geschichte. Sie handelt von einem nächtlichen Einsatz am vergangenen Wochenende, den der Leiter der Feuerwehr Ennepetal in Nordrhein-Westfalen wohl niemals vergessen wird. Auf veröffentlichte er einen emotionalen Bericht seiner Erlebnisse.

"Von einer Sekunde auf die nächste ist nichts mehr wie sonst"

"Es ist 0.53 Uhr am Sonntagmorgen, als der digitale Meldeempfänger einen Einsatz signalisiert. Der Text im Display lässt nichts Gutes erahnen", schreibt Schacht. Seine Kollegen melden einen Frontalzusammenstoß zweier Pkw mit mehreren Verletzten. Personen noch im Fahrzeug. "Klingt nach einem typischen Party- oder Discounfall", denkt der erfahrene Feuerwehrmann zunächst. Dann klingelt das Handy seiner Frau. "Ein Freund meiner Söhne ruft an, stammelt etwas von Unfall. Und von einer Sekunde auf die nächste ist nichts mehr wie sonst", schildert Schacht den Moment. Seit Jahrzehnten habe er vor nichts mehr Angst, als irgendwann einmal seine eigene Familie retten zu müssen. Und nun ist es so weit.

Seine beiden Söhne seien auf einer Geburtstagsfeier gewesen, berichtet der 51-Jährige. Die Straße, auf der sich der ereignet habe, passe, der Zeitpunkt passe. Schacht setzt sich in seinen Kommandowagen, einen BMW X3, Baujahr 2009 mit 184 PS, und fährt los. Unterwegs kann er seine Gedanken nur schwer unter Kontrolle halten. Als er am Unfallort eintrifft, stockt ihm der Atem, schreibt Schacht. "Da sehe ich ihn auf dem Boden liegen. Seine Freundin kniet neben ihm, eine Rettungswagenbesatzung beginnt mit ersten Maßnahmen. Mein Sohn."

Kommandodienst zieht Schacht aus dem Einsatz

Schnell stehe fest, dass es sechs Betroffene gebe. Sein Sohn habe mit drei weiteren jungen Menschen in einem der beteiligten Unfallfahrzeuge gesessen. "Ihn scheint es von den Vieren am schlimmsten erwischt zu haben. Mein anderer Sohn war noch auf der Party. Eine Sorge weniger."

Wenn plötzlich alles anders ist. Ein Unfall und die eigene Betroffenheit. Es ist 00:53 Uhr am Sonntag morgen, als der...

Gepostet von Frank Schacht am Sonntag, 27. Mai 2018

Schacht wird vom Kommandodienst der Feuerwehr Hattingen sofort aus dem Einsatz gezogen. "Tatsächlich habe ich dort nichts verloren", bekennt der Familienvater. "Und da stehe ich nun. Umgeben von einem Meer an zuckenden Blaulichtern. Völlig hilflos und zum Abwarten verdammt. Unzählige Male habe ich das Gleiche mit anderen Menschen gemacht. Es wirkt nicht real, jetzt auf der anderen Seite zu stehen."

Die Verletzten werden schließlich auf umliegende Krankenhäuser verteilt. Schachts Sohn hat mehrere Brüche erlitten, wird aber voraussichtlich noch in dieser Woche wieder entlassen, wie die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" berichtet.

Menschen aus aller Welt antworten Schacht

In seinem Facebook-Posting bedankt sich Schacht bei den Ersthelfern und Einsatzkräften. "Wir können uns auf unser Hilfeleistungssystem verlassen. Egal in welcher Uniform: Es sind großartige Menschen, die Dienst am Nächsten leisten."

Die Schilderungen des Feuerwehrmannes haben mittlerweile Menschen auf der ganzen Welt berührt. "Das alles hat eine Eigendynamik entwickelt, die unglaublich ist“, zitiert ihn die "WAZ". Tausende hätten seinen Text zum Anlass genommen, von eigenen Erlebnissen zu berichten. Sogar aus Amerika und Australien habe er persönliche Nachrichten bekommen. So viele, dass er mit der Situation überfordert sei und längst nicht mehr allen antworten könne.

Sein Ziel, auf das Engagement der Einsatzkräfte aufmerksam zu machen, habe er aber erreicht, erzählt Schacht der Zeitung. Und noch etwas sei deutlich geworden: "Unsere Gesellschaft ist gar nicht so schlimm, wie man vermittelt bekommt." Unzählige Menschen hätten Betroffenheit und Mitgefühl gezeigt, Trost gespendet und Hilfe angeboten. "Das ist überwältigend."

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mad/fin