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Gleichnamiges Dorf in der Nordheide: Das andere Heidenau leidet mit

Es gibt zwei Orte in Deutschland, die Heidenau heißen. Das eine Städtchen erlangt derzeit durch Nazi-Krawalle traurige Berühmtheit - in dem anderen Heidenau wohnt meine Mutter. Über ein dörfliches Idyll, das sich erst noch auf Flüchtlinge vorbereitet. 

Der große Findling, der "Heidenauer Riese" in dem kleinen Dorf in der Nordheide. 

Der große Findling, der "Heidenauer Riese" in dem kleinen Dorf in der Nordheide. 

Es braucht wohl eine Vollsperrung der Autobahn A1 zwischen Hamburg und Bremen, damit Ortsunkundige überhaupt mitbekommen, dass dieses Nest existiert. Denn wer sich nicht gerade auf einer Alternativroute von Dorf zu Dorf schlängelt, hat kaum eine Chance, Heidenau zu bemerken. Ortsschild, harte Linkskurve, lange Dorfstraße, harte Rechtskurve an der Volksbank, Ortsausgang. Ein Dörfchen wie viele im niedersächsischen Dreieck zwischen Hannover, Hamburg und Bremen. Wäre da nicht ausgerechnet dieser Name: Heidenau. Seit Freitag steht dieser Begriff für Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und die Hetze. Heidenau heißt sich fremdschämen. 

Zwei Dörfer, ein Name: Das Heidenau in Sachsen hat traurige Berühmtheit erlangt. Seit sich am Wochenende mehrere hunderte Rechte Straßenschlachten vor einer Flüchtlingsunterkunft mit der Polizei geliefert, kennt ganz Deutschland das 16.000-Einwohner-Städtchen südöstlich von Dresden. 

Dass durch die Übergriffe auch das andere Heidenau in den Fokus rutscht, gefällt den Einwohnern dort gar nicht. Ein Imageschaden - vor allem, wenn im Oktober auch dort Flüchtlinge einziehen. Doch die Heidenauer im Norden sind vorbereitet.

Heidenau: Bäcker, Blumen, Erntefest

Eigentlich hat das Heidenau in der Nordheide nichts Besonders: Einen Bäcker, eine kleine Tankstelle, den obligatorische Landgasthof (Stichwort: Bauernfrühstück, Jägerschnitzel) und eine freiwillige Feuerwehr. Das Highlight in der Dorfstraße ist der Honigladen, der Bonbons und allerlei Krempel aus Nektar verhökert.

Im Herbst feier die rund 2000 Einwohner das Erntefest, die Landjugend holt dann auch das Laub aus Gärten ab. Dorfidyll pur. Wahrscheinlich wohnt meine Mum auch deshalb dort. Sie mit ihrem kleinen Häuschen und dem Garten. Unkraut und wuchernde Hecken sind dort wohl das größte Problem

Bislang zumindest. Bei Reinhard Riepshoff sind schon Anrufe eingegangen, um mit ihm über die Naziausschreitungen zu sprechen. Dass er Bürgermeister des anderen Heidenaus ist, schien den Medienvertretern zunächst entgangen zu sein. Fakt ist: Heidenau kommt näher. "Es gibt über die Feuerwehr und die Kirche kleine Verbindungen nach Sachsen. Das war's aber auch schon", sagt Riepshoff. Er ärgert sich natürlich über die Verwechselung - und ist zeitgleich entsetzt über die Geschehnisse beim Ortsnamenvetter. 

Flüchtlinge kommen ins andere Heidenau

Im niedersächsischen Heidenau ist man vorbereitet - und das schon seit Monaten. Im Oktober sollen Flüchtlinge in ein ehemaliges Altenheim einziehen. Oder wie Riepshoff sagt: "Ein Zuhause finden". Die erste Infoveranstaltung dazu gab es früh. Sehr früh. Im Februar wurden die Dorfbewohner informiert, ein Runder Tisch aus sämtlichen Gruppen des Dorfes tagt seither, um die Flüchtlinge zu integrieren. Und das Monate, bevor ein Flüchtling die scharfe Linkskurve am Ortseingang passiert hat. "Hier werden sich bestimmt Menschen im Ort engagieren", sagt Riepshoff. Ob die Flüchtlinge sein Heidenau verändern werden? "Nein", sagt Riepshoff, "verbessern."