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Heiligsprechung: In 15 Schritten zum Heiligenschein

Taugen Sie zum Heiligen? Wenn ja, dann steht Ihnen einen wahre Tortur bevor - denn der Heiligenschein muss mühsam erworben werden. Was Heilige in spe erwartet -stern.de klärt über die 15 Schritte in den sakralen Olymp auf.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Manche Jobs sind schon vergeben. Mini-Chihuahuas und Mega-Sonnenbrillen zu tragen und dabei grenzdebil zu lächeln, das erledigt bereits Paris-Ich-Kann-Nichts-Hilton. Bessere Zukunftsaussichten hat man, wenn man sich vor der gesamten Nation zum Kasperl macht, indem man so tut, als könne man singen. Wer es schafft, dass dabei Kakerlaken nicht ruckzuck ins Koma fallen, der hat allerbeste Chancen auf den Superstar-Job. Doch wann sucht Deutschland endlich den Super-Heiligen? Und wann der Bauer eine Heilige? Ist denn die Zeit nicht längst reif für solche TV-Formate? Gerade jetzt, wo wir es so herrlich besinnlich haben und Schweiß gebadet und Jingle-Bells-geschädigt von Kaufhaus zu Kaufhaus joggen. Eine Zeit, in der sich Heilige ohnehin die Klinke in die Hand drücken: der Heilige Nikolaus, der Heilige Josef, die Heilige Maria. Ohne sie wären wir in nur halb so guter Feierlaune - und MP-3-Player und Flatscreens blieben in den Regalen liegen. Da sollte es doch auch dem letzten Plätzchen-Mampfer dämmern: wer einen richtig guten Job machen will, der sammelt husch, husch seine Unterlagen zusammen und bewirbt sich um einen heiligen Posten. Vorsicht aber: das Assessment-Center ist nicht ohne. Damit es kein Sprung ins eiskalte Wasser wird: stern.de zeigt allen Jobinteressenten, welche Hürden genommen werden müssen.

1. Erstmal die schlechte Nachricht: um heilig zu werden, ist es dringende Voraussetzung, das Zeitliche gesegnet zu haben. Erst wer unter der Erde liegt, kann sich bewerben. Allerdings muss man, um ins Rennen gehen zu können, sogar noch länger warten als auf dem Einwohnermeldeamt. Fünf Jahre mindestens. Ist das Interesse weiterhin da, rücken erstmal Juristen an, um zu prüfen, ob etwas gegen die Heiligsprechung des Kandidaten spricht.

2.

Wer grünes Licht erhält, darf sich auf weitere fünf bis zehn Jahre einstellen. Und er sollte sich mindestens einen Fürsprecher organisieren, der einen Antrag auf Heiligsprechung stellt, beim Bischof der Diözese, in welcher er gestorben ist. Die Fürsprecher dürfen übrigens nicht zu knapp bei Kasse sein: sie müssen die Kosten des Verfahrens übernehmen. Und sie dürfen die Sache nicht alleine durchziehen, sondern müssen einen Forderer, einen so genannten Postulator, mit der Durchführung beauftragen.

3.

Noch einmal nachgehakt: hat der Bewerber wirklich nichts auf dem Kerbholz? Hat er stets Vater und Mutter geehrt und sich auch sonst an die Zehn Gebote gehalten? Der Zeitpunkt der knallharten Recherche ist gekommen. Das Ergebnis bitte nicht bei der nächstbesten Boulevardzeitung abgeben, sondern beim Bischof. Der nämlich benötigt eine Unbedenklichkeitsbescheinigung (nulla osta), um das Seligsprechungsverfahren, das der Heiligsprechung vorausgeht, einzuleiten.

4. Jetzt kann jeder mitmischen und seine Stimme abgeben. Wer gläubig ist und beweisen kann, dass der Bewerber das Zeug zum Märtyrer oder Bekenner hat, der trete vor.

5.

Treppenhausklatsch-Niveau ist nicht gefragt, dafür ist die Sache zu ernst. Ein bischöflicher Kirchenanwalt listet Zeugen auf, die unter Eid die Tugenden des Bewerbers bezeugen sollen: einerseits die theologischen Tugenden Glaube, Hoffnung und Mildtätigkeit, andererseits die Kardinaltugenden Tapferkeit, Mäßigung, Besonnenheit und Gerechtigkeit.

6.

"Tatort"-Gucker kennen das: die Leiche wird untersucht. Dem Bewerber wird dabei ein Knochensplitter entnommen. Für den Fall, dass später eine Kirche nach ihm benannt wird, dann wird dieser Splitter in den Altar eingelassen. Hat der Bewerber eine weitgehend unversehrte Leiche, ist das übrigens ein Hinweis auf besondere Seligkeit.

7.

Ohne Bürokratie läuft natürlich auch hier nichts. Die Akte des Bewerbers wird im Original und versiegelt im Diözesanarchiv hinterlegt. Nach Rom gehen zwei Abschriften der Akte. Darunter eine Erklärung des Bischofs, dass der Kandidat zur Zeit der Untersuchung von keinem unerlaubten Kult verehrt wurde.

8.

Der Heiligenschein rückt näher: ab jetzt trägt der Bewerber den Titel "Diener Gottes"

9.

Auch wenn man mehr hat als die halbe Miete, darf man sich nun auf keinen Fall entspannt zurücklehnen. Der Antragsteller muss einen weiteren Forderer entsenden, diesmal zur Kongregation für die Selig- und Heiligsprechung. Dieser muss während des Verfahrens seinen Wohnsitz in Rom haben. Auch das geschäftsführende Gremium der Kongregation bleibt nicht untätig, sondern bestellt einen Zuständigen, der eine Abhandlung über Leben und Tugenden des Bewerbers verfasst.

10.

Die Sache geht in den Druck. Die Abhandlung hat eine Auflage von 150 Exemplaren und wird an die theologischen Berater verteilt. Diese stimmen über den Tugendgrad des Bewerbers ab. Erhält er die Mehrheit, dann gibt es ein zweites Abstimmungsverfahren. Es votieren Bischöfe und Kardinäle, die die Vollversammlung der Kongregation stellen.

11.

Der Papst wird eingeweiht und dann geht die Angelegenheit an die Öffentlichkeit: es wird ein Dekret über den heroischen Tugendgrad verlesen.

12.

Am Wunder-TÜV kommt kein Bewerber vorbei. Es muss geklärt werden, welche Wunder sich nach dem Tod des Kandidaten ereignet haben, nachdem dieser um Hilfe angerufen wurde. Hierzu werden Ärzte, Geheilte und Angehörige gehört. Wenn mindestens drei von fünf medizinischen Experten von dem Wunder überzeugt sind, dann wird es an die Vollversammlung weitergeleitet. Dort wird entschieden, ob das Wunder dem Papst präsentiert wird. Stuft der das Wunder als glaubhaft ein, wird erneut ein Dekret veröffentlicht, diesmal über die Wunderwirkung des Bewerbers .

13.

Ist bis hierher alles glatt gelaufen, wird der Bewerber selig gesprochen.

14.

Um in den Olymp der Heiligen aufzusteigen, muss ein zweites Wunder her. Das Überprüfungsverfahren läuft ab wie gehabt. Aber bloß keine Tricks: man sollte auf keinen Fall mit aufgewärmten Wundern ankommen. Das zweite Wunder muss frisch sein und sich erst nach der Seligsprechung ereignet haben.

15.

Gratulation! In einer feierlichen Messe wird der Bewerber vom Papst zum Heiligen ernannt. Ein schöner Titel, der aber auch einen Rattenschwanz an Verpflichtungen nach sich zieht. Katholiken aus aller Welt dürfen den Heiligen verehren und um Hilfe anrufen. Bei Bedarf wird er zum Patron ernannt und Kirchen werden ihm geweiht. Ein Fulltime-Job also. Und ausgenommen von den gesetzlichen Tarifverträgen. Kurz: eine schöne Bescherung!

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Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.
  • Sylvie-Sophie Schindler