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Hells Angels: Harte Jungs, sanfte Töne

Rocker mit Taktgefühl: Sie inspirierten Janis Joplin und brachten Jonny Cash Ärger mit der Zensur ein. Mit den Hells Angels auf dem Rücken einer Harley durch die Musikgeschichte...

Von Nicolas Büchse

Wenn Rockstars Engel besingen, geht es nicht zwangsläufig um Himmelsboten, sondern manchmal auch um Motorradrocker. Ohne die Hells Angels wären einige Meilensteine der Rockgeschichte von Donovan, Janis Joplin, Jonny Cash oder Grateful Dead wohl nie entstanden. Und manchen Musikern Ärger mit der Zensur erspart geblieben.

Der amerikanische Countrysänger Hank Williams dachte schon, seine letzte Stunde hätte geschlagen. Er war sturzbetrunken aus einer Honky Tonk-Kneipe getorkelt und pinkelte hinter einer Harley. Dann stand plötzlich der Besitzer des Motorrads hinter ihm. Ein Hells Angel. Doch der sagte nur: "Da kannst Du noch so lange üben, Du wirst auch als der große Hank Williams niemals eine Harley kaputt pissen können. " Der Beginn einer Freundschaft des legendären Sängers mit dem Biker Mike Parey. Pareys Lebensphilosophie "I’ll never get out of this world alive" inspirierte Williams zu dem gleichnamigen Song, der 1952 posthum einer seiner großen Erfolge wurde.

Biker lieben Balladen

Geschichten wie diese finden sich im Booklet der CD "Rhythm of Hells Songs of Angels History". Der Hamburger Musiker Jimmy Cornett interpretiert hier den Soundtrack der Hells Angels mit rauchiger Stimme neu. Zusammengestellt wurde das Musikarchiv von dem erfahrenen Rockgitarristen Doc Flow, im bürgerlichen Leben Soziologe. Für Donovan, so ist dort zu lesen, war die erste Begegnung mit einem Hells Angel gleich positiv. "He will bring happiness in a pipe/ He’ll ride away on his silver bike", sang er 1966 in dem Song "The Fat Angel" über einen Freund von den Hells Angels, der ihn mit allem versorgte, was er so brauchte. Und das, was er brauchte, war nicht immer legal: "And apart from that he’ll be so kind/ in consenting to blow your mind". Bis heute verrät er den Namen seines Freundes nicht, um ihn vor Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu schützen. Donovan selbst landete im Herbst 1966 wegen Cannabisbesitzes in London vor Gericht.

"Old angels, young angels feel alright on a warm San Franciscan Night", sang Eric Burdon. Das Stück, das später zur Hymne der Hippie-Generation wurde, war eigentlich eine Hommage an die Hells Angels. Ein wenig kitschig pries Burdon Engelsgesang, Lederschwingen, Harley Davidsons und Blue Jeans erstmals 1967 bei einem Konzert in San Franzisko. Die anwesenden Hells Angels waren begeistert – vor allem als er den "Hass der Bullen" beklagte. Spätestens bei diesem Song wird deutlich: Biker lieben Balladen.

Inspiration für Janis Joplin

Auch die Rock-Bands Canned Heat und Grateful Dead sangen für die Angels. Letztere wohnten sogar in der Nachbarschaft der Biker in San Franzisko. 1966 komponierten sie für ihre Rockerfreunde den „Hells Angels Motorcycle Gang Dance“ und spielten ihn bei Solidaritätskonzerten für inhaftierte Angels-Größen. Jimi Hendrix schrieb in Anlehnung an das Road-Movie Easy Rider einen Song für die Rocker-Gang: Ezy Rider. Dort besingt die Freiheit auf dem Highway: "The right to be free in a cloud of angels dust". Auch deutsche Bands waren von den Angels inspiriert. "For ever Angels" sang zum Beispiel Axel Rudi Pell, "Riding with the Angels" die Spin Doctors.

Wenn Hells Angels selber Songs schreiben, dann geht es darin nicht zwangsläufig um ihre Bikes, sondern auch mal um spießigere Verkehrsmittel: "Oh Lord won’t you buy me a Mercedes Benz", spielte der Hells Angels-Secretary Frank Reynolds mit Musikerfreunden in San Franzisco – lange bevor Janis Joplin "Mercedes Benz" zur weltweiten Hippie-Hymne machte. Joplin war mit Hells Angels befreundet und nahm den Song 1970 schließlich selbst in ihr Repertoire auf. Mit "Cheap Thrills" spielte sie dann auch eine Hommage an die Gang ein. Seit Ende der 60er Jahre stand sie sogar unter persönlichem Schutz eines Angels. "Sweet William" hieß ihr Bewacher und Geliebter, auf dessen Harley sich die Rocklegende fotografieren lies. Er war zur Stelle, als ein anderer Angel sie im Streit um eine angebrochene Flasche "Southern Comfort" verprügeln wollte - und nagelte den Gegner mit den Fäusten auf den Boden.

Opfer der Zensur

Ärger mit Hells Angels-Hymnen gab es manchmal, wenn in Songs die Motorrad-Gang beim Namen genannt wurden. "Hells Angels blocked the traffic to the building/ in order for the beer truck to come through", sang der große Jonny Cash 1989 auf einem Konzert. "The Backstage Pass" hieß sein Song, und er wurde gleich Opfer der Zensur: Einige Radiosender löschten ihn einfach aus dem Konzertmitschnitt, weil er dort unverblümt die berüchtigten Worte aussprach: Hells Angels.